Rio Palisander Risse normal?

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laschek
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Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon laschek » Mi Mai 15, 2019 7:28 am

Hey. Es lässt mir einfach keine Ruhe. in einem anderen Forumsbeitrag wurde geschrieben das es bei Rio Palisander relativ häufig vorkommt das es Risse gibt. Auch nach "kurzer Zeit" . Hmm, wenn ich mir doch aber für knapp 5000 !! Euro ne gitarre bauen lasse dann will ich doch nicht nach 2 jahren oder regelmässig zum Gitarrenbauer gehen um sie reparieren zu lassen.
:?
Wenn das stimmt?! Warum sich überhaupt für Rio Palisander entscheiden? ( Schöne Masserung, besserer Klang....)
Bitte liebe Forumsgitarrenbauer, macht den Laschek etwas schlauer. ;-)
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RB
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon RB » Mi Mai 15, 2019 8:27 am

Ich bin kein Gitarrenbauer, lann aber aus der Sicht des Gitarristen etwas dazu sagen: Ich meine, daß Rio-Palisander keinen Gewinn im Klange einbringt. Ich hatte eine Rio-Gitarre (Mit Rissen), die konnte nicht zaubern. War gut, konnte aber nicht zaubern. Dann gelang es mir, an zwei Gelegenheitein zwei Exemplare der Santa Cruz "Tony Rice professional" ausgiebig zu spielen, eine neu, eine gebraucht, sowie eine Santa Cruz "Tony Rice" ohne "professional". Unterschied: Die einen Rio-Palisander, die andere indischer Palisander. Für mich spürbarer Unterschied: 0 (null). Preisunterschied: Etwa 4.500.
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H-bone
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon H-bone » Mi Mai 15, 2019 8:29 am

Tatsächlich ist Rio deutlich rissanfälliger und empfindlicher als z.B. Indischer Palisander. Ähnlich wie z.B. auch Zirikote. Und je "wilder" die Maserung um so mehr.
Darauf wird aber - zumindest von meiner Seite - bei der Entscheidungsfindung hingewiesen.

Und bezüglich des Zeitpunkts: Wenn es einen Riss gibt, dann meist im ersten Winter, also relativ bald. Danach ist in der Regel Ruhe. Ausser man vernachlässigt eine adäquate Klimatisierung, die ist bei einem solchen Instrument wichtiger als bei einer Inder-Gitarre.

Rio hat - und das macht natürlich die Optik aus - starke Wechsel in der Konsistenz, sichtbar an den schwarzen Linien, an deren Grenze meist auch der Riss entsteht.

Und nicht mal ein Gitarrenbauer hat die Gabe in das Holz, das er verarbeitet "hineinzuschauen". Ich gehe zwar bei Rio und Konsorten grundsätzlich vor der Verarbeitung mit Spiritus drüber, das macht evtl. vorhandene Haarrisse vorher sichtbar, die kann man dann entsprechend vorher schon "blocken", aber hellsehen kann man nicht.

Gruss,

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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Jorma55 » Mi Mai 15, 2019 9:19 am

Meine Rio Martin ist jetzt 20 Jahre alt und hat keinerlei Risse. Ein Bekannter hat 5 oder 6 Stück von der Sorte, alle gebaut in den 90er Jahren und ausnahmslos ohne einen einzigen Riss.

Michael
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon laschek » Mi Mai 15, 2019 10:21 am

:pro: danke Martin für deinen Bericht. Klarer Pluspunkt ist natürlich die Optik. Das ist schon der Hammer. Für mich ein eindeutiges " wer hat, der kann" Ding.
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon späterblues » Mi Mai 15, 2019 11:01 am

Klarer Pluspunkt ist natürlich die Optik.


Der indische kann übrigens auch recht wild gemasert daher kommen.
Wenn er allerdings, wie heut zu Tage, in Reih und Glied in Plantagen steht braucht er sich nicht "nach oben zukämpfen".

Ich hab vor einiger Zeit eine erstanden wo ich nach Sichtung der Angebots-Bilder erst einmal nach Cites gefragt habe. Das sah, auf Grund der Maserung, für mich schon sehr nach Rio und nicht nach indischen aus.

Der Gitarrenbauer war dann so freundlich die Herkunft zu benennen und zu versichern das es indischer ist.
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Jorma55 » Mi Mai 15, 2019 11:55 am

RB hat geschrieben:Ich bin kein Gitarrenbauer, lann aber aus der Sicht des Gitarristen etwas dazu sagen: Ich meine, daß Rio-Palisander keinen Gewinn im Klange einbringt. Ich hatte eine Rio-Gitarre (Mit Rissen), die konnte nicht zaubern. War gut, konnte aber nicht zaubern. Dann gelang es mir, an zwei Gelegenheitein zwei Exemplare der Santa Cruz "Tony Rice professional" ausgiebig zu spielen, eine neu, eine gebraucht, sowie eine Santa Cruz "Tony Rice" ohne "professional". Unterschied: Die einen Rio-Palisander, die andere indischer Palisander. Für mich spürbarer Unterschied: 0 (null). Preisunterschied: Etwa 4.500.



Bleibt anzumerken, dass es da schon noch ein paar Unterschiede mehr gibt. So hat die "Tony Rice professionell" eine Decke aus Alpenfichte und eine mit 25,25 Inch geringfügig kürzere Mensur ("Tony Rice" : Sitkafichte und 25,375 Inch).

Michael
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Angorapython » Mi Mai 15, 2019 12:26 pm

späterblues hat geschrieben:
Klarer Pluspunkt ist natürlich die Optik.


Der indische kann übrigens auch recht wild gemasert daher kommen.


Stimmt!
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Jorma55 » Mi Mai 15, 2019 12:44 pm

Das ist aber leider alles andere als wünschenswert. Wie H-bone schon angemerkt hat : Je "wilder" die Maserung desto rissanfälliger.

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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon späterblues » Mi Mai 15, 2019 4:45 pm

Je "wilder" die Maserung desto rissanfälliger.


Vermutlich gilt das nur für Rio, was ja als rissanfällig bekannt ist, oder ?
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Jorma55 » Mi Mai 15, 2019 5:13 pm

Es gilt zumindest für alle Palisanderarten und ich vermute auch für andere Holzarten, denn die wilde Maserung ist ja zumeist keine Folge des Wuchses sondern des Aufschnitts. Desungeachtet sind die härteren Palisanderarten wegen der geringeren Elastizität rissanfälliger als der vergleichsweise elastische indische Palisander. African blackwood als die härteste Palisanderart ist etwa noch weit rissanfälliger als Rio. Entsprechendes gilt in abgeschwächter Form auch für Honduras Palisander. Madagascar Palisander und Rio sind sich in Punkto Härte und Elastizität relativ ähnlich und tun sich in der Hinsicht nicht weh.

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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Gitarrenspieler » Fr Mai 17, 2019 7:40 am

Jorma55 hat geschrieben:... die wilde Maserung ist ja zumeist keine Folge des Wuchses sondern des Aufschnitts....

Michael

Maserung steht schon in engen Zusammenhang mit dem Wuchs. Drehwuchs, viel Nährstoffe, wenig Nährstoffe, langer Winter (nicht bei Palisander), freistehend aufgewachsen, aus dichtem Bewuchs... usw. :whistler:
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Jorma55 » Fr Mai 17, 2019 9:29 am

Gilt sicherlich für Fichte, bei Palisander und anderen Harthölzern wohl nur in Ausnahmefällen. Gibson hat eine Zeitlang Palisandermodelle mit Boden und Zargen aus "mystic rosewood" auf den Markt gebracht. Das klang exotisch und sollte wohl den Eindruck eines besonders edlen Holzes vermitteln. Die Maserung war auch teilweise atemberaubend. Tatsächlich handelte es sich aber nur um schräg aufgeschnittenen indischen Palisander. Und bei Martin tauchte vergleichsweise wild gemasertes Rio erst auf, als die Vorräte an erstklassigem "quartersawn" geschnittenen Rio praktisch aufgebraucht waren. Bei Madagascar Palisander findet man relativ selten geradlinig gemaserte Böden, weil die Stämme meist nicht den für einen "quartersawn" Aufschnitt erforderlichen Durchmesser haben. Bei den wenigen Ausnahmen handelt es sich nicht selten um drei- oder vierteilige Böden. Aus Gründen der Ressourcenknappheit wird seit einigen Jahren zunehmend Holz verbaut, das Gitarrenbauer vor einigen Jahrzehnten nicht akzeptiert hätten. Das mag teilweise besonders attraktiv aussehen, ist aber im Grunde minderwertige Qualität.

Michael
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon H-bone » Fr Mai 17, 2019 9:55 am

Jorma55 hat geschrieben:...denn die wilde Maserung ist ja zumeist keine Folge des Wuchses sondern des Aufschnitts...


Die ganz "wilden" Rio-Bestände sind auch oft sogenanntes "Stumpwood", als die Ressourcen noch reichlich waren und der Schutz nicht vorhanden, hat man die Bäume meist in ca. 2 Meter Höhe abgeschnitten und den Rest ("Stump") stehen lassen. Als die Artenschutzrichtlinien griffen durfte man dieses "Stumpwood" noch ernten, der Baum war ja schon gefällt. Das gab dann optisch spektakuläre Brettchen die aber von der Homogenität oft an der Grenze waren.
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Re: Rio Palisander Risse normal?

Beitragvon Gitarrenmacher » Fr Mai 17, 2019 2:45 pm

Dalbergia nigra ist durch seine Beschaffenheit schon rissanfälliger als andere Palisander, woraus sich aber kein Automatismus oder eine Normalität herleiten lässt.
Was man halt schlecht vermitteln kann, ist der Umstand, dass breite Rio-Rohware, bei der der Schnitt NICHT von einem Rand des gewachsenen Holzes zum anderen geht, heute nur sehr schwer zu bekommen ist, und schon gar nicht zu einem Preis, der ausser mit "haben wollen", zu rechtfertigen ist.
Sitzt der Flader in der Mitte, bekommt er von links und rechts Zugkräfte wenn es trocken ist, und Druck, wenn feucht. Im Flader bleibt es relativ ruhig, das ganze schwindet bzw. quillt nicht homogen, und die Rissanfälligkeit steigt. Bei spröden Hölzern signifikant. Also Rio mit Flader in der Mitte, nicht gut. Dann lieber dreiteiliger Boden.
Martin&Co. hat die D-35 Mitte der 60er Jahre ja nicht aus Design-oder Klanggründen auf den Markt gebracht, sondern aus Ermangelung von Rio in Breiten, die deren Ansprüchen genügten.

Ungefähr so.
Stehende Ringe im kompletten Oberbug, am Rand des Unterbugs geht es dann leicht in den Flader.

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