Flatpicking

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Flatpicking - was ist das ?
Eine Einführung mit Beispielen
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Nachdem ich mit der Gitarre begonnen hatte, war eine der ersten technischen Herausforderungen, die ich hörte und lernen wollte, eine Spielweise, die Donovan Leitch in seinen Hits "Universal Soldier" und "Catch the Wind" verwandte. Damals hatte ich eine LP mit dem Titel "The golden Hour of Donovan". Sie enthielt 60 Minuten Aufnahmen von Donovan nur mit einer akustischen Gitarre begleitet. Recht ähnlich spielte auch Bob Dylan auf vielen alten Aufnahmen z.B. auf "Annother Side of Bob Dylan". Viel später wurde mir dann klar, daß dieser Spielstil bedeutend älter ist und schon Maybelle Carter (The Carter Family) und viele andere Country & Western sowie Bluegrass-Gitarristen wohl schon zu Bürgerkriegszeiten diese Art der Begleitung spielten und auf diese Weise der Musik ein grundsolides Fundament gaben. Der Stil besteht darin, Akkorde und Bassnoten im Wechsel zu schlagen, so als spiele man zwei Instrumente gleichzeitig, auf einem eine Melodie, auf dem anderen die Akkorde.

 

Die Gitarre kann diese beiden Instrumente sein. Natürlich ist es schwer möglich, sich zwei weitere Arme wachsen zu lassen, aber man kann ja die Bassnoten und die Akkorde in "verschiedenen Zeitscheiben" spielen und damit das Gleiche erreichen. Flatpicking-Begleitung ist somit sozusagen ein schönes Beispiel für nicht-elektronisches Multitasking. Wie die Anschlaghand und die Greifhand dabei zusammenarbeiten, soll an einigen Beispielen demonstriert werden.

 

Was die Anschlaghand dazu beitragen kann:

Das Ziel ist, die Bass-Saiten einzeln zu spielen und wechselweise zwischen den Einzeltönen Akkorde zu schlagen. Dies läßt sich grundsätzlich auf drei Arten bewerkstelligen:

 

1. Zupfen mit Daumen und Fingern
Darunter ist das Zupfen der Bassnote mit dem Daumen und Zupfen der Diskantsaiten mit den Fingern zu verstehen. Dieser Stil hat einen "hüpfenden" Polka-artigen Effekt. Er wird in der echten Volksmusik, wie sie im Alpenländischen Raum besteht, gerne als Begleitmuster eingesetzt. Ich würde ihn aber darunter eher eine Methode des Fingerstyle verstehen, weshalb ich sie nicht weiter vertiefe.

2. "Frailing"
Anschlag der Bass-Saiten mit dem Daumen (empfehlenswerterweise mit Daumenpick) und Anschlagen der Diskantsaiten mit den Fingern in einer Art "Bürstenbewegung". Die gekrümmte Hand wird gestreckt und die Fingerspitzen streifen bei der Streckung die Diskantsaiten. Beim erneuten Krümmen der Hand ist es möglich die Diskantsaiten erneut anzureißen. Beim 5-saitigen Banjo wird diese Spielweise "Frailing" genannt. Auf der Gitarre funktioniert sie ebenso gut. Die Bassnoten lassen sich mit einem Daumenpick sehr genau und dosiert spielen. Außerdem ist der fließende Übergang vom "Frailing-Spiel zum Fingerpicking" möglich. Allerdings muß man bei den Bassbewegungen eine Einschränkung der Beweglichkeit hinnehmen, denn mit dem Daumen/Daumenpick werden nur Abschläge gespielt. Der Klang ist eher filigran, präzise und sauber.

3. Reines Flatpicking
Damit ist der Anschlag der Bass-Saiten und der Diskantsaiten mit dem Plektrum gemeint. Hier können schnelle Melodien rasant und dynamisch in das Akkordspiel übergehen, außerdem besteht bei den Bassbewegungen keine Einschränkung mehr, denn sowohl bei den Einzelnoten, als auch bei den Akkorden lassen sich Auf- und Abschläge verwenden. Ein Nachteil dieser Schlagtechnik besteht darin, daß man normalerweise nicht übergangslos Fingerpicken kann, es sei denn, man ließe das Plektrum fallen.

 

Etwas anderes gilt nur dann, wenn man

 

a) entweder das sogenannte "Hybrid-Picking" beherrscht, bei dem Daumen und Zeigefinger das Plektrum betätigen und Mittel- sowie Ringfinger zusätzlich zum Zupfen verwendet werden,

b) Nicht mit dem Plektrum, sondern mit dem Daumenpick gespielt wird, das dann wie ein Plektrum eingesetzt wird (Auf- und Abschläge) oder

c) ein Fingernagel (z. B. der des Zeigefingers) als Plektrum dient. Das ist die Methode, die sich bei mir eingeschlichen hat. Das geht allerdings nur mit extrem harten oder gehärteten Nägeln, denn normale Nägel raspeln sich bei einer solchen Technik schnell herunter.

 

Jetzt wird es ein wenig konkret: Sowohl beim Flatpicking, als auch beim Frailing lassen sich verschiedene Schwierigkeitsgrade ausmachen. Am einfachsten ist es sicherlich, je eine Bassnote und einen Akkord wechselweise zu schlagen. Dies ist auch bei höherem Tempo auch dann zu bewerkstelligen, wenn man nur mit Abschlägen arbeitet, wenn also die Saiten nur mit einer Abwärtsbewegung angeschlagen werden. Etwas abwechslungsreicher wird es schon, wenn im Bass mit kleinen Hammer-On zwischen den Akkordschlägen die eine oder andere zusätzliche Note auftaucht. Hier ist ein Beispiel:

Was die Anschlaghand beim "Frailing", dem Spiel mit Daumennagel und Fingern tut und wie dies klingt, ist in dem hier enthaltenen Kurzfilm dargestellt.Mit dem Plektrum (bzw. dem Fingernagel des Zeigefingers) gespielt, sieht das hingegen so aus. Die Filmbeispiele sind AVI-Dateien mit den Größen 222 Kb und 256 Kb).

 

Die nächste Stufe ist das doppelte oder auch dreifache Schlagen des Akkords zwischen den Bassnoten. Dies ist nicht zu schaffen, wenn man nicht die Aufwärtsbewegung der Hand nutzt, um die Diskantsaiten nach dem Abwärtsschlag erneut anzureißen. Das obige Beispiel müßte folgendermassen notiert werden:
Im "Frailing"-Stil ist dieses Beispiel hier zu sehen und zu hören (AVI-Datei, 228 Kb gross)

 

Im reinen Flatpicking gespielt, kann es hier betrachtet und angehört werden (AVI-Datei, 280 KB gross).

 

Schließlich ist es noch möglich, neben den Akkordanteilen im Diskant auch die Bassnoten sowohl mit einer Abwärts- als auch einer Aufwärtsbewegung anzuschlagen. Im obigen Beispiel 2 könnten beispielsweise die Übergänge von A nach H auf der A-Saite sowie von D nach E auf der D-Saite anstatt mit Hammer-On auch so gespielt werden, daß jeder Ton auch angeschlagen wird. Das erfordert ein wenig Übung und sieht und hört sich dann so an (oder aus oder was). Diese AVI-Datei ist 318 Kb gross. Am Ende sieht man (das ist nicht notiert), wie man vom beim reinen Flatpicking vom Akkordspiel in eine Melodie übergehen kann.
 
 
 
 

Flatpicking oder Frailing ermöglichen es, eine Akkordbegleitung bedeutend interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, als wenn man einfach die Akkorde durchschlüge. Die folgenden Möglichkeiten lassen sich aufzählen und dabei anschneiden, 

was die Greifhand dazu beitragen kann.

 

1. Wechselbass unter den Akkord 
Akkorde lassen sich mit wechelnden ostinaten Bässen untermalen. Dabei bietet sich oft der Grundton des Akkords und die darunter liegende Quarte an. Beispielsweise kann der Akkord C/G gegriffen und im Wechsel die Basstöne C-G-C-G gespielt werden, was folgendermassen klingt (MP3-Datei, 81 Kb gross).

 

Beim G-dur bietet sich im Bass ein Wechsel zwischen G-D-G-D an, das tönt dann so. (MP3-Datei, 81 Kb gross)

 

D-dur liesse sich mit D-A-D-A untermauern, was folgendermassen klänge (MP3-Datei, 81 Kb gross).

 

2. Übergänge spielen
In einer weiteren Steigerung können die oben erwähnten Basstöne bei Akkordwechseln mit kleinen Übergängen verbunden werden, so dass komplette Bassfiguren entstehen. Ein kleines Beispiel ist der Wechsel von C-dur (als C/G) gespielt nach A-moll, G-dur, F-Dur, G-Dur und von dort zurück zu C/G. Diese Akkordfolge bietet eine Fülle von Verbindungsmöglichkeiten im Bassbereich.Ein Beispiel habe ich hier zu bieten. Das MP3 ist 201 Kb gross.

    Mit etwas Gespür und Geduld lassen sich bei beinahe jeder Akkordfolge Verbindungen der Bass-Grundtöne finden. Ich hoffe, daß das Beispiel für den einen oder anderen genügend Anregung bietet, alte und ausgeleiert erscheinende Akkordfolgen einmal darauf zu untersuchen, wie sie mit einem "untergelegten Bassgerüst" aufgemöbelt werden können.

3. Solospiel
Schließlich ist es auch möglich, die führende Melodie aus den Akkorden herauszupicken. Norman Blake spielt beispielsweise das Traditional Arkansas Traveller in dieser Weise, ein anderes Beispiel ist "John Hardin" von der Carter Family. Meine Version von "John Hardy" ist in zwei Durchgängen gespielt, die erste im Frailing, von der ich dann zum Flatpicking übergehe. Man kann die Steigerung an Lautstärke und Druck (und Ungenauigkeit, shame on me) recht gut heraushören. Meine Aufnahme (MP3-Datei) ist 575 Kb gross.

 

In diesem Zusammenhang ist interessant, daß die Akkorde in der offenen Lage oft die zugehörigen Tonleitertöne in der Nähe auf dem Griffbrett "liegen haben", so daß das Melodiespiel "über dem Akkord" der Greifhand nicht allzuviel abverlangt. Beispielsweise ist es möglich, zum C-dur Akkord eine komplette C-dur-Tonleiter hinauf- und hinunter zu spielen. Ähnliches gilt für viele andere Akkorde in unteren Lagen. Zur Not läßt man einmal ein paar Akkordtöne weg, wenn die Melodie das gleichzeitige Akkordgreifen unmöglich macht. Zudem ist es oft auch ausreichend, die Melodie eines Liedes an einer schwierigen Stelle zu variieren oder nur anzudeuten. Nachfolgend ein paar Beispiele, die ich in aufgenommen habe. Zum Notieren fehlte bisher die Zeit:

 
C-dur-Tonleiter über dem C-dur-Akkord in der offenen Lage (MP3 302 Kb Grösse)
D-dur-Tonleiter über dem D-dur-Akkord in der offenen Lage (MP3 176 Kb Grösse)
G-dur-Tonleiter über dem G-dur-Akkord in der offenen Lage (MP3 156 Kb Grösse)
 

Damit bin ich am Ende meiner kleinen Ausarbeitung über Flatpicking angelangt. Sobald mir etwas Neues auf- oder einfällt und Lust und Zeit es ermöglichen, werde ich die Sache fortsetzen.