Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Alles über akustische Gitarren für Stahlsaiten

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rentier
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Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von rentier »

Erst sei knapp einer Woche angemeldet, versuche ich hier mal meinen ersten Beitrag in dem Bereich:
Schon seit längerem treibe ich mich auf vielen Websites herum, um für mich neue Gebiete im Gitarrenland zu erkunden. Dabei bin ich auch auf die japanische Baukultur gestoßen.Jeder kennt wohl Yamaha, vor allem als nicht zu teure und trotzdem recht gute Einsteigermodelle. Aber ich stieß auch auf den etwas mytifizierten Namen K.Yairi. In Deutschland findet man da nicht so viel, also ab auf Reverb.
Das spannenste, was ich da fand , war erstmal die FYM60 HD, eine Gitarre mit Adi-Decke und mehr als 50 Jahre altem Mahagonie für B und S. In Irland gab es eine gebrauchte und nach den übliche Kämpfen mit dem Geldgewissen habe ich sie mir kommen lassen.
Resultet war, ich war schockverliebt.Eigentlich bin ich mehr Team Engelmann und Sitka, aber auch mehr Mahagonie als Palisander---also mehr Richtung musukalischer als brillianter. Aber die Klampfe bringt beides, sie ist nicht nur sehr gut in der Ansprache und dem Sustain, sie macht auch so viel Musik, dass man immer länger spielt, als man vorhatte.
So langsam etwas süchtig , suchte ich mehr über K.Yairi und fand einen Händler in Südfrankreich. Jetzt wollte meine Familie im kommenden Herbst ( wegen bezahlbarer) Urlaub in der Provence machen. Ich kontaktierte Robbie Harvey und nach einingem Zögern (es ist ein Privathaus und kein Geschäft) konnte ich einen Besuch bei ihm vereinbaren, um ein paar Yairis an zu spielen. Aufregend. Er hatte mir ein paar seiner kleinen Bauformen und zwei Vollmahagonie rausgelegt und ich durfte sie hören (er spielt gut) und selbst anspielen.
Die Kleinen waren schon faszinierend: etwas "boxi", aber mit guter Lautstärke und ungeheuer schneller Ansprache sowie für die Größe erstaunlichem Bass tolle Dinger fürs Sofa. Aber die Vollmahagonie gab mir den Rest- so muskalisch und "süß", das kannte ich noch nicht. Aber ich bin wieder gefahren, ohne etwas zu kaufen, weil so verwirrt und eigentlich wollte ich kein Geld ausgeben. Den Rest des Urlaubs habe ich weniger von Südfrankreich genossen, als von den Instrumenten geträumt.
Meine Familie hat das natürlich mitgekriegt und letztlich lag eine NYM90V VM unter dem Weihnachtsbaum ( Pipi in den Augen, bestes Weihnachen ever).
Nun ist eine Vollmahgonie ein Paradebeispiel für die Entwicklung einer Gitarre. Am Anfang deutlich leiser als eine mit Fichtendecke, auch etwas langsamer in der Ansprache, aber mit soviel Musikalität wie keine andere, die ich je gespielt habe Das Ding macht süchtig. Dann habe ich wieder viel gelesen und youtube gesehen und mitbekommen, wie alte Mahagonies so klingen. Also habe ich sie gespielt, beschallt, durchvibriert, gespielt und immer weiter. Heute, ein Jahr später, ist sie lauter als eine Gitarre mit Engelmann, etwa so schnell wie Sitka und übertrifft in Sustain sehr viele. Noch ein wenig süßer ist sie geworden und heute versteh ich die Leute, die sagen, sie brauchten nur eine Mahagonie für immer.
Ich gehöre nicht dazu, weil die Gitarrenwelt übt viel zu viel Versuchung auf mich aus. Meine Reise wird noch weiter gehen, aber das kennen ja wohl viele von euch.
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rwe
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von rwe »

rentier hat geschrieben:
Sa Jan 03, 2026 11:21 am
K.Yairi. In Deutschland findet man da nicht so viel, also ab auf Reverb.
K.Yairi (es gibt auch noch S.Yairi) war in D in den 1970s groß bei akustischen Gitarren. Hervorragend verarbeitet, viele spannend-exotische Instrumente (hölzerne Roundbacks, Dreads mit Palisander-Decke, zentnerweise Perlmutt), sowohl bei den Steelstrings als auch bei den klassischen. Und grundsätzlich mit laminierten Böden/Zargen, aus konstruktiven Gründen. In D von Goetz, Erlangen vertrieben. Die hatten auch eine Hausmarke, Cortez, da bin ich mir nicht sicher, ob die Gitarren auch von K.Yairi gebaut wurden (ich habe eine Terzgitarre von denen; Qualität könnte passen; die Mandos waren wohl von Suzuki).
Aus demselben Haus, aber mittlerweile wohl bekannter: Alvarez. (U.a. von Bob Weir von den Grateful Dead gespielt.)

Kurz zu S. Yairi: Hier nie so bekannt, aber auch nicht schlecht: George Lowden hat seine "Japanproduktion" in den 1980s dort bauen lassen.
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Rolli
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von Rolli »

Liebes Rentier, ich bin auch ein Liebhaber von Yairi Gitarren und hatte schon so ein gutes halbes Dutzend bei mir, geblieben ist bis jetzt ein Sondermodell YF 00028 Custom (auf dem Bild die dritte von links) und eine Yairi Klassik Gitarre.
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Schöne Grüße, Rolli
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JazzDude
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von JazzDude »

Ich hatte mal eine Tama, von 1974, im Grunde ne D-28-Kopie, eine famose Gitarre. Hat jetzt ein Freund von mir.
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itsLars
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von itsLars »

Hallöle! Sehr schöne Story, da finden sich bestimmt viele hier auch wieder.

Hab selbst auf jeden Fall auch eine Schwäche für japanische (Highend-) Builder, wie Keystone oder Water Road. Klingen absolut fantastisch, finde ich. Designtechnisch ist halt manches etwas äermmh ‚japanisch‘ halt. Muss man mögen. Vom Handwerk und Klang her aber unglaublich!

Bzgl. K. Yairi: ich hatte ne Weile mal Ausschau gehalten nach der FYM66HD, die scheint mir auch ne sehr attraktive Klampfe zu sein. Mittlerweile haben sie ihren berüchtigten Honduras-Mahagoni Lagerbestand wohl komplett verbaut, schade.

Viel Spaß mit deinen Yairis,
Lars
rwe
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von rwe »

JazzDude hat geschrieben:
Sa Jan 03, 2026 6:39 pm
Tama
... auch gut (hier befinden sich eine 3557-12 und eine TC15), aber anders - TAMA war quasi die Ibanez-Edelmarke und hatte mit Yairi afaik nix zu tun.
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JazzDude
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von JazzDude »

Die 12-Saitige, stammt die hier aus dem Forum? Dann hatte ich die auch mal.
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rwe
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von rwe »

Nee, die habe ich in den 90s gebraucht in HH in einem Anzeigenblatt gefunden.
rentier
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von rentier »

Bzgl. K. Yairi: ich hatte ne Weile mal Ausschau gehalten nach der FYM66HD, die scheint mir auch ne sehr attraktive Klampfe zu sein. Mittlerweile haben sie ihren berüchtigten Honduras-Mahagoni Lagerbestand wohl komplett verbaut, schade.
Sehr spannend fand ich, das die Leute um die Tochter von K.Yaire wirklich wissen, wie man Vollmahagoniegitarren baut. Das können ja auch die wirklich guten Gitarrenbauer nicht alle gleich gut.Mahagonie geht halt, wegen Härte, Dichte usw. anders als Fichte, aber belohnt mit einem sehr schönen Klang, wenn auch am Anfang etwas leise.
Die bekannteste ist wohl die 00015 von Martin--schlicht, schmucklos und für Martinmaßstäbe günstig. Das die nicht noch viel öfter verkauft wird, liegt aus meiner Sicht daran, dass die neu zwar schön klingt, aber immer ein bischen lahm. Aber wenn ich ältere, gut Eingespielte höre, komme ich immer zum Schwärmen.
Die FYM66 wird von vielen amerikanischen Händlern als die beste Vollmahagonie überhaupt bezeichnet. In Kanada gibt es u.a. noch welche....
Lakewood baut ja jetzt auch in der neuen Reihe spannende Vollmahagonie. Martin und sein Team sind ja wirklich gute Gitarrenbauer, wie gut die in Mahagonie sind - konnte ich leider noch nicht anspielen, finde ich aber sehr spannend.
Eine richtig schöne war kürzlich bei TFOA, eine Santa Cruz, leider teuer.
Gut dran sind aus meiner Sicht die Leute, die eine Vollmahagonie schon neu schön genug finden, denn die erwartet eine tolle Zeit--die Instrumente klingen immer schöner und schöner--ich habe noch keine Ahnung, wie weit das geht und wo es endet.
Mich interessieren natürlich eure Erfahrungen mit Vollmahagonies sehr......
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von fingerstylist »

Ich kann Deine Begeisterung für Voll- Mahagonie Gitarren gut verstehen.
Ich selber hatte bisher nur eine Martin 000-15SM Kopie von Sigma. Die klang überraschend gut in meinen Ohren. Daran gemessen dürfte das vermutlich bessere Original ein tolles und passendes Instrument für mich sein.

Aktuell spare ich auf DIE Fingerstyle Gitarre ( Redwood/Palisander oder Ebony) für mich. Aber das wird wohl nicht die letzte Anschaffung sein. Eine Voll- Mahagonie Gitarren soll dann noch irgendwann folgen.
"Schön ist, was ohne Begriff als Gegenstand eines notwendigen Wohlgefallens erkannt wird."( I. Kant: Kritik der Urteilskraft )
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von JazzDude »

Mahagonimmer :lol:
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JazzDude
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von JazzDude »

Ich mag meine Mahagoni-00 auch sehr gerne.
viewtopic.php?f=1&t=37162#p413683
Ach so, die ist nicht aus Japan.
Zuletzt geändert von JazzDude am Mo Jan 05, 2026 10:04 pm, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von Bluezi »

In der Reihe sollte meine Furch nicht fehlen https://furchguitars.com/de/instruments ... s/blue-mm/
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von rwe »

Bluezi hat geschrieben:
Mo Jan 05, 2026 9:05 pm
Furch
Seit wann sind das japanische Instrumente? :-)
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Rolli
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Re: Mein Ausflug ins japanische Gitarrenland

Beitrag von Rolli »

es geht ja auch um reine mahagoni Gitarre oder? Bei der hier könnte ich ja gleich noch schwach werden! Ich hoffe es kommt mir der Jazzdude zuvor
https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/ ... 68-74-1124
Schöne Grüße, Rolli
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