Jazz Gitarre

Alles, was mit dem Spielen des Instruments zu tun hat

Moderator: RB

fretworker
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von fretworker »

Das ist historisch wohl eher zufällig gekommen. Die Archtops (vor allem von Gibson, der sie entwicklet hat) waren damals moderne Gitarren, und der Jazz moderne Musik. Mit der Gibson ES-150 gab es die erste serienmäßig mit Tonabnehmern ausgestattete Gitarre, die es ermöglichte, in Combos und v.a. BigBands mehr als nur Rhythmus zu spielen und gehört zu werden. Die Gitarre ist halt ein eher leises Instrument, und hat es schwer, gegen Streicher, Bläser etc. zu bestehen. Die elektrische Verstärkung brachte den Wandel.
Gruß, fretworker
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RB
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von RB »

Die Gitarre ist jung, ihre Entwicklung war in Zeiten, als Jazz sich entwickelte, noch stark in Bewegung. Man denke an Selmer/Maccaferri: In den dreißigern am Markt, Django spielt so etwas, man sieht es, macht es als Musiker dieses Genres ebenso und schon wird ein Trend geboren, der - immer weiter tradiert - zur Tradition wird. Ein anderes Beispiel: Dreadnought, Country-Musik, Folk-Boom, Clarence White, Tony Rice und schon ist die Tradition da. Selbst die eher zufällige Vergrößerung des Schallochs der ehemaligen Clarence White-Martin, die dann T. Rice spielte, wird noch aufgegriffen und mindesens zwei Hersteller bieten Modelle mit größerem Schall-Loch an (St. Cruz und Martin jedenfalls), so viel Veränderungs-Impuls ist noch da.
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tele
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von tele »

Dass elektrische Archtops das Ergebnis eines eher zufälligem Zusammentreffens von akustischen Archtops als Rhythmusgitarren in Bigbands und elektrischen Pickups sind, leuchtet ein.
Auch der Vorbild-Effekt: Charlie Christian spielte eine Archtop, Wes Montgoery...was liegt da für den Nachwuchs-Jazzer näher, als sich auch eine zuzulegen.

Aber mal abgesehen vom Gitarrentypus; außer vielleicht im Gypsy Swing ist das Klangideal bei Jazzgitarristen doch eher warm und höhenarm.
Egal ob stilechte Archtop oder Halspickup von Paula,Tele oder Harley Benton Flying V.
Klingen da b5#13b21 Akkorde erträglicher, weil sie nicht so sehr am Trommelfell ätzen?

Zum Vergleich: beim Klavier spielt Helge Schneider mit dem gleichen Sound wie Lang Lang, Jerry Lee Lewis wie Richard Clayderman, Art Tatum wie Ulrich Roski.
Zumindest, was das Instrument angeht. Alle begnügen sich mit einem handelsüblichen Konzertflügel.
Keine Flügel mit gewölbtem Deckel für Jazz oder ähnliche Extrawürste... :wink:
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fingerstricker
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von fingerstricker »

tele hat geschrieben: Zum Vergleich: beim Klavier spielt Helge Schneider mit dem gleichen Sound wie Lang Lang, Jerry Lee Lewis wie Richard Clayderman, Art Tatum wie Ulrich Roski.
Zumindest, was das Instrument angeht. Alle begnügen sich mit einem handelsüblichen Konzertflügel.
moin moin ... kennst du diese Dokumentation hier, - Titel "Pianomania" ...
https://www.youtube.com/watch?v=Fft8HlmKnTU
Meine Lieblingsstelle irgendwo bei 8:00 "Soll der Klang so machen ffffhht oder SOOO ... Antwort "Ich würde gerne beides" ... :whistler:
Gruß
fingerstricker
mass
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von mass »

moin,

also, wenn es um jazz(gitarre) geht, kommst du an Joe Pass GUITAR CHORDS buch nicht vorbei. kostet gerad mal paar eu s und hast dann paar dekaden zutun!!
sonst würde ich Werner pöhlert empfehlen. richtig gut. u.a PÖHLERT S GUITAR PAGES! is leider vergriffen und sehr schwer zu bekommen
kann es notfalls kopieren.

viel erflog

gruss

mass
Zuletzt geändert von mass am Di Jan 24, 2017 2:07 pm, insgesamt 1-mal geändert.
mass
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von mass »

p.s: bei joe pass gibt s kein text :mrgreen:
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notenwart
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von notenwart »

Danke für den Hinweis, aber ich bin mit Sagmeister + Bormann ausreichend beschäftigt. Und ich lebe ja nur noch 35 Jahre, von denen ich noch geschätzt die Hälfte arbeiten gehen muss, also meine zeitlichen Ressourcen sind durchaus überschaubar.

Danke :-)
Thomas ...
Wenn ich die männliche/weibliche Form verwende, sind auch immer die weiblichen/männlichen Menschen mit gemeint
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tele
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von tele »

die Jazz - Gitarre gibt es wohl nicht, da könnte man von When the saints go marching in und Down by the riverside bis Barney Kessel, und Pat Metheny wandeln. Kommt also drauf an was du vorhast..
Wobei ich nicht nur zwischen verschiedenen Stilepochen, sondern auch zwischen verschiedenen Arten der Instrumentenbehandlung unterscheiden würde.
Ich sehe drei Arten, sich auf der Gitarre jazzmäßig zu betätigen:

-Comping, also reine Begleitung ohne solistische Ambitionen

-Single String Soloing, wobei die Gitarre teilweise dem Klangideal eines "Horns" nacheifert.

-ungegleitete Solo-Jazzgitarre, sei es jetzt Chord Melody auf einer Archtop, jazzige Fingerpicking-Arrangements auf einer Steelstring oder in klassischer Technik gezupfte Jazzstücke wie Roland Dyens sie dargeboten hat.

Wer an einem Einblick in den Begleitstil von Freddie Green interessiert ist, dem empfehle ich:
EARLY JAZZ AND SWING SONGS FOR GUITAR - arrangiert für Gitarre - mit Tabulator - mit CD [Noten / Sheetmusic] Komponist: HAMBURGER DAVID
Darin sind Leadsheets von TradJazz Songs wie "Avalon" oder "After you've gone" mit Akkordsymbolen und Griffdiagrammen für auf 3 Töne reduzierte Akkordgriffe in der Art wie Freddie Green sie auf seiner akustischen Archtop gespielt hat.

Wer einen "Learning by Doing"-Ansatz beim Erlernen des Single-String Solierens bevorzugt, dem seien die zwei Hefte
Jazz Solos: Improvised Solos Over Standard Progressions [With CD] (Frank Vignola Jazz Play-Along)
ans Herz gelegt.
Frank Vignola gehört ja wahrscheinlich zu den spielerisch meistbietenden Gitarristen, die die aktuelle Szene anzubieten hat, aber in seinen Büchern beweist er durchaus auch ein Herz für Musikanten, die "spielerisch eher weniger zu bieten haben": die Beispielsoli sind technisch auch für weniger Bietende machbar, rhythmisch übersichtlich, und man muss nicht am Berklee College studiert haben, um zu verstehen, wie sie mit den Chord Changes zusammen passen.
Die Akkordfolgen der Standards sind im Vergleich zum Real Book auch etwas vereinfacht.
Zur Demonstration habe ich mal Satin Dolls aufgenommen, wie die Akkordfolge wohl aus Copyright-Gründen hier genannt wird.
Dafür habe ich die Akkorde im Do-Whacka-Do-Whacka-Strum aufgenommen.
Dann habe ich die Melodie aus dem Real Book über die vereinfachte Akkordfolge gespielt. Passt, wie ich finde.
Im zweiten Chorus habe ich das Solo, dass Vignola in seinem Heft vorschlägt, gespielt. Passt auch.
Im dritten Chorus habe ich ein Mandolinensolo mit Variationen der Melodie des Songs und Zitaten von internationalem Liedgut versucht.
Wer sich jazzigem Solieren ohne viel graue Theorie nähern will, könnte mit den zwei Heften einen Schritt in die richtige Richtung tun.

Auch beim Vermitteln der Fähigkeiten, einen Song als Chord Melody arrangieren, beweist Vignola einen beachtlichen Geduldsfaden..
Weil ich aber lieber mit Büchern lerne, als vor dem Bildschirm, wäre ich dankbar für eine Tipp bezüglich Literatur in diese Richtung, also Chord-Melody ohne allzu schräge Akkorde und auch verstänlich für jemanden, der "spielerisch eher weniger zu bieten hat".
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docsteve
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von docsteve »

Guckst du hier: viewtopic.php?f=16&t=28890" onclick="window.open(this.href);return false;

Howard Morgen's Solo Guitar (Jazz Arranging) könnte für dich passen.

Viele Grüße, Stephan
schinkenkarl
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von schinkenkarl »

Das kann ich auch nur empfehlen.
Besonders die “Take Five“ Version ist toll.
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tele
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von tele »

Danke für den Tipp! Ich hatte ja eigentlich eher mit dem Plektrum gespielte Chord-Melody Sachen im Hinterkopf, aber die Fingerpicking Arrangements von Howard Morgen sind auch klasse!
Wahrscheinlich auch dem Gelegenheits-Jazzer noch zugänglich, volksnahes Songmaterial wie "Santa Claus is coming to Town" und auch auf der Konzertgitare zu machen.
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schinkenkarl
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von schinkenkarl »

Ja das sind sie.
Der hatte mal eine Serie in einem amerikanischen Magazin.
Das Video ist Klasse.
Wie spielt sich eigentlich deine Siemens?
Habe mir `ne Bauknecht zugelegt.
Für Hintergrund Begleitung in der Küche ideal.
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tele
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von tele »

Was ich persönlich gut fand, sind die Bücher von Joachim Vogel aus dem AMA Verlag, Masters of Jazz Guitar,
Ich habe gestern entdeckt, dass ich das Buch auch noch bei mir rumfliegen habe, und habe angesichts dieses Threads einen Blick rein geworfen.
Für mein Empfinden krankt das Buch an seinem fast lexikalischen Anspruch.
Von Eddie Lang bis Allan Holdsworth werden Licks im Stile von Jazz-Gitarristen aus 65 Jahren Jazzgeschichte vorgestellt.
Mal ganz abgesehen davon, dass sich die Essenz eines Musikers nicht in ein paar zwei-bis viertaktigen Licks darstellen lässt, sondern auch aufgezeigt werden müsste, wie er Ideen über einen längeren Zeitraum entwickelt und variieret, bleibt Vogel zumindest bei den Gitarristen der Swing Ära doch arg an der Oberfläche.
Zu Django Reinhardt wird in einem Nebensatz erwähnt, dass er Erfinder des Speedpickings ist, aber es gibt keine weiteren Erläuterungen zum Gypsy Rest Stroke.
Charie Christian hat, so viel mir bekannt ist, weitgehend auf Aufschläge verzichtet. Auch dazu findet sich nichts.
Wenn die Interessen von Herrn Vogel eher im Bereich moderner Fusionmusik liegen, sollte er sich in seinen Büchern auch darauf beschränken.

Außer bei den großartigen Büchern von Richard Köchli wird mir beim AMA-Verlag immer wieder klar, warum es sich allein schon wegen des Zugangs zu akzeptablem, preiswertem Lehrmaterial lohnt, Grundkenntnisse der englischen Sprache zu erwerben.
Die Fachterminologie ist in Deutschland sowieso hauptächlich in englisch. Ein "Lick" bleibt bei uns ein "Lick".
In Frankreich wird daraus UN PLAN. :wink:
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rwe
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von rwe »

tele hat geschrieben:
Was ich persönlich gut fand, sind die Bücher von Joachim Vogel aus dem AMA Verlag, Masters of Jazz Guitar,
Für mein Empfinden krankt das Buch an seinem fast lexikalischen Anspruch.
Die Einschätzung des lexikalischen Anspruchs teile ich, allerdings hat das für mich auch seinen eigenen Reiz, nämlich für einen ersten Überblick. Sicherlich lernt man daraus nicht, so zu spielen wie abc und xyz. Dann muss man tiefer ins Material gehen, dafür taugen andere Quellen, gerade die vielen erwähnten englischen.
tele hat geschrieben:<...> dass sich die Essenz eines Musikers nicht in ein paar zwei-bis viertaktigen Licks darstellen lässt, sondern auch aufgezeigt werden müsste, wie er Ideen über einen längeren Zeitraum entwickelt und variieret <...>
Zu der historischen Entwicklung von einzelnen Musikern fand ich die Diss von Schwab ziemlich gut, aber so etwas muss man auch mögen. Trockener Stoff, eigentlich nix zum Üben, erfreut aber mein Musikwissenschaftlerherz.
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kulte
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Re: Jazz Gitarre

Beitrag von kulte »

Hallo,

bezüglich Gypsy Picking - Grundsätzlich wird Wechselschlag gespielt; wenn aber die Saite gewechselt wird beginnt man IMMER mit eine Downstroke. Die rechte Hand bleibt locker und man stützt sich NIE irgendwo and der Decke ab - Die Schlaghand schwingt locker über den Saiten. Mehrere Saiten in einem Abschlag spielen (beim Solieren) macht man, aber nicht beim Aufschlag. Und ein steifes dicke Plektrum hilft hier.

Soweit die Theorie - Wenn ich mich jetzt richtig erinnere.

Problematisch wirds dann wenn man keine Dreiergruppen auf einer Saite hat, aber man muss die Akzente richtig spielen, damit es swingt. Das ergibt auch dann den speziellen Sound.

Miachael Horowitz - Gypsy Picking
Stephane Wrembel - Getting into Gypsy Guitar

Man lernt in zweiteren Buch wirklich brauchbare Dinge zum Singlenotespiel.

lg
kulte
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"Many people would sooner die than think; In fact, they do so." - Bertrand Russell
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