Klassische Spieltechnik ?

Alles, was mit dem Spielen des Instruments zu tun hat

Moderator: RB

thomasS.
Beiträge: 105
Registriert: Di Jan 06, 2009 8:46 am
Wohnort: Land Brandenburg

Klassische Spieltechnik ?

Beitrag von thomasS. »

Hallo zusammen,

um das Thema mal wieder aufzuwärmen, gibt es eigentlich jemanden der ernsthaft die klassische Spielhaltung der linken Hand bzw. die entsprechenden Anschlagtechniken rechts, auf einer Steelstring anwendet?

Der Hintergrund der Frage ist folgender:
Vor kurzem habe ich mich mit einem Klassikgitarristen unterhalten (Studium klassische Gitarre), welcher meinte ich müsse ganz genau wissen wie weit ich mit meinen Spielkünsten kommen möchte. Er kenne meinen Lehrer und weiß das dieser über keinerlei Spieltechnik verfügt. Ich solle doch sehr darauf achten, dass ich mir die spieltechnischen Möglichkeiten nicht für alle Zeit verbaue indem ich falsche Dinge lerne.
Normalerweise gebe ich auf solche Aussagen nicht so viel, aber man beginnt doch zu Zweifeln. Bei jedem Fehler oder Saitenschnarren frage ich mich, ob es wirklich an der Technik liegt oder einfach nur ein `normaler` Fehler ist.
Ich habe versucht auf meiner Seagull mit klassischer Handhaltung zu spielen, was aber äußerst unbequem war. Der Hals ist zwar mit 47mm sehr breit, aber die Rückseite auch sehr Rund. Versuche ich den Daumen in der Mitte des Halses zu halten, rutsche ich auf Grund der Rundung entweder nach oben oder unten ab, erst recht wenns warm ist. Bei einer klassischen Gitarre ist das kein Problem, der Hals ist relativ flach, so dass man den Daumen bequem halten kann.

Viele Grüße

Thomas
Benutzeravatar
RB
Beiträge: 20394
Registriert: Di Feb 08, 2005 11:18 pm
Wohnort: Wetzlar
Kontaktdaten:

Beitrag von RB »

Ich kenne einen, der wenigtens annhähernd die Steelstring-Git. so hält, daß es der klassischen Haltung nahe kommt, der aber ansonsten mit dem Plektrum spielt. Der Mann heißt Jack Lawrence und spielte lange Jahre mit Doc Watson zusammen (tut es vielleicht noch). Das ist aber nur die halbe Antwort auf Deine Frage, weil die Anschlagshand dabei keine Rolle spielt.

Es gibt die Behauptung oder Forderung, man müsse die Stahlsaitengitarre ebenso halten und spielen, wie die klassische. Ich habe aber bislang noch keinen Stahlsaiten-Spieler getroffen, der das einhält oder selbst postuliert.

Mein Wissen ist aber äußerst begrenzt, vielleicht gibt es welche. Zwingend erscheint mir das nicht. Immerhin handelt es sich um Instrumente, die anders geformt sind, als die klassische Gitarre und die ein gegenüber Nylon oder Darm gänzlich andersartiges Saitenmaterial aufweisen. Das legt eher auch eine andere Spielhaltung und Anschlagstechnik nahe.
Ulrich Peperle
Beiträge: 643
Registriert: Do Sep 01, 2005 1:27 am

Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 12:32 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
marcus
Beiträge: 701
Registriert: Mo Nov 27, 2006 7:08 pm
Wohnort: Linker Niederrhein
Kontaktdaten:

Beitrag von marcus »

Ich habe mal eine Zeit eher jazziges mit den entsprechenden Voicings gespielt,
da fand ich die klassische Haltung sehr angenehm, da ich die teils recht
komplizierten und über viele Bünde gehenden Griffbilder
anders gar nicht hätte umsetzen können.

Es ist eher die Frage, was ich spielen will,
dazu setze ich dann die entsprechende Technik ein.

Ich mein', guck Dir Hendrix an, der hatte so große Hände,
der konnte mit dem Daumen ein Barre von oben über den Hals
über das ganze Griffbrett greifen. :wink:

Edit: Richie Havens auch ... 8)
Zuletzt geändert von marcus am Mo Jun 29, 2009 7:33 am, insgesamt 1-mal geändert.
»A painter paints pictures on canvas.
But musicians paint their pictures on silence.«

Leopold Stokowski
-----
http://www.nonoise-online.de
thomasS.
Beiträge: 105
Registriert: Di Jan 06, 2009 8:46 am
Wohnort: Land Brandenburg

Beitrag von thomasS. »

Vielen Dank für eure Antworten. Es gab bei meinem Lehrer überhaupt keine Anleitung zum Halten der Gitarre. Vom ersten Tag an spielen wir Musikstücke und alles andere kommt dann schon von selbst wurde mir erklärt.
Das heißt, dass der Lehrer nur eine Kontrollfunktion beim Vorspielen der geübten Sachen ausübt und ansonsten für Fragen zur Verfügung steht.

MfG

Thomas
Benutzeravatar
Manati
Beiträge: 3961
Registriert: Sa Apr 19, 2008 5:04 pm
Wohnort: Schläfrig-Holstein

Beitrag von Manati »

Ich spiele seit wenigen Monaten auch klassische Gitarre, vorher nur Steelstring.

Zwar bemühe ich mich, bei Benutzung der Konzertgitarre konsequent die klassische Haltung einzunehmen (Fußbank, Gitarre auf dem linken Oberschenkel, Hals im 45° Winkel, Daumen hinten am Hals usw.), aber andererseits spiele ich die klassischen Stücke "zwischendurch" auch mal auf einer Steelstring. Und da finde ich die klassische Haltung gar nicht machbar. Hals zu lang, Korpus zu groß (Dreadnoughts!). Das tut den Stücken aber keinen Abbruch, die klingen auch auf der Steelstring bei nicht-klassischer Haltung prima.

Klassische Stücke sind also offensichtlich auch ohne klassische Haltung spielbar.
Benutzeravatar
Holger Hendel
Beiträge: 12516
Registriert: Do Feb 17, 2005 7:18 am
Wohnort: Soltau, Niedersachsen
Kontaktdaten:

Beitrag von Holger Hendel »

Die Westerngitarre gehört mMn zwischen die Beine. ;) Ich spiele seit ca. fünf Jahren mit Fußstuhl / Zarge auf li. Oberschenkel und es funktioniert bestens, es ist die mMn bessere Position im Kontext der Anatomie unseres Körpers. Auslöser für den Wechsel der Haltung waren fiese Nackenschmerzen, die seitdem Geschichte sind. Manati fidnet die Dreads ja zu groß für die klas. Haltung...hmmm...finde ich gar nicht, k.a., bin nicht der kleinste (198 cm), vielleicht liegt´s daran.

Ohne jemals einen studierten Lehrer gehabt zu haben helfen mir kleine "Regeln" sehr gut, eine für mich sinnvolle Handhaltung durchziehen zu können, z.B. "mögl. dicht vor dem jew. Bundstäbchen greifen"; "Endglied eines jeden greifenden Fingers mögl. senkrecht aufs Griffbrett aufsetzen"; "Halsunterseite nicht in Kontakt mit Hohlhand kommen lassen"...unter Wahrung dieser Regeln konnte ich bislang so gut wie alles lernen, was ich mir vorgenommen hatte.

Zu der Lehrer-Sache: "gut" ist ein Lehrer dann, wenn er dich darauf hinweist, was im Unterricht abgeht - sprich: wenn er dir transparent macht, was du erwarten kannst und was nicht; wenn du das weißt kann die Suche schon weitergehen oder du bist beim richtigen. Mir ist ein Lehrer, der mir genau das draufschafft was ich lernen möchte 1000 Mal lieber als einer, der in allen Stilistiken heimisch ist. Davon habe ich zunächst erst mal gar nix, da ich mich idR nur schwerpunktmäßig für eine Sache interessiere. Ist zumindest bei mir so.
www.holgerhendel.com | facebook | youtube | twitch | Heavy Silence - finest acoustic cover
Benutzeravatar
Manati
Beiträge: 3961
Registriert: Sa Apr 19, 2008 5:04 pm
Wohnort: Schläfrig-Holstein

Beitrag von Manati »

Holger Danske hat geschrieben: Manati fidnet die Dreads ja zu groß für die klas. Haltung...hmmm...finde ich gar nicht, k.a., bin nicht der kleinste (198 cm), vielleicht liegt´s daran.
Kann durchaus sein. Ich bin 30 cm kleiner als du und habe ziemlich kurze Arme; eine Parlor könnte ich vermutlich problemlos "klassisch" halten, aber kein Schlachtschiff. ;-)
Benutzeravatar
lift_off
Beiträge: 84
Registriert: So Mär 01, 2009 5:17 pm
Wohnort: Frankfurt

Beitrag von lift_off »

"Endglied eines jeden greifenden Fingers mögl. senkrecht aufs Griffbrett aufsetzen"
Das ist für mich die überhaupt alles entscheidende Erkenntnis plus vielleicht noch die, das Handgelenk möglichst rechtwinkling zum Hals zu bewegen. Wenn ich das alles einhalten will, geht es gar nicht anders, als die Klampfe im 45-Grad-Winkel, also eher klaschiss, vor den Bauch zu hängen. Hab halt so angefangen.

Gruß,
Frank
Der Weg ist das Ziel
Carvin NS1
Carvin SH575
Seagull S6 Folk Q1
Alhambra 3C
Samick E-Gitarre ohne Namen
Benutzeravatar
klaust
Beiträge: 2687
Registriert: Mi Feb 09, 2005 2:51 pm
Wohnort: Belmont / CA

Beitrag von klaust »

Holger Danske hat geschrieben:Die Westerngitarre gehört mMn zwischen die Beine. ;) Ich spiele seit ca. fünf Jahren mit Fußstuhl / Zarge auf li. Oberschenkel und es funktioniert bestens, es ist die mMn bessere Position im Kontext der Anatomie unseres Körpers.
so mache ich es auch....egal ob Dread, Auditorium oder Nylon!
Benutzeravatar
chrisb
Beiträge: 1873
Registriert: Mi Apr 20, 2005 11:33 am

Beitrag von chrisb »

moin,

wie holger und klaust spiel ich auch klassische technik auf einer dread.
kann mich aber auch aufs sofa lümmeln und einfach entgegen allen klassischen regeln rumschrammeln.
die technik ist halt "nur" ein werkzeug.
und je nachdem was du "bauen" willst brauchst du ein anderes.
mein lehrer sagte in der ersten stunde: "wenn du auf ner klassikgitarre spielen kannst (sprich die technik beherrschst) kannst du auf jeder gitarre spielen".
ich würde nicht sagen das ich gut spielen kann, aber ich glaube die klassische technik hilft dabei einige technische hürden zu überwinden.
andereseits gibt es natürlich auch die freaks die sich autoditaktisch alles selbst beibringen und für die technische schwierigkeiten keinerlei hürden darstellen (auch ohne strikte klassiktechnik).
chrisb
Ulrich Peperle
Beiträge: 643
Registriert: Do Sep 01, 2005 1:27 am

Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 12:31 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
lift_off
Beiträge: 84
Registriert: So Mär 01, 2009 5:17 pm
Wohnort: Frankfurt

Beitrag von lift_off »

Damit ist der Kern der "klassischen Haltung" im Prinzip gut erkannt.
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Mein bescheidenes Wissen stammt noch aus den späten 1980zigern. Schon damals hat mir mein Gitarrenlehrer eine solide Beherrschung der Grundkenntnisse bescheinigt. Mehr aber auch nicht. Leider ist das Hobby dann aus vielschichtigen Gründen eingeschlafen. Heute versuche ich auf das damals Gelernte weiter aufzubauen. Das klappt seit einem Dreivierteljahr voll zu meiner Zufriedenheit. Nur gefällt mir ein Bourrée von Bach genausogut wie ein Blues. Mit dem von mir erwähnten Grundgedanken komme ich zumindest aktuell ganz gut in beiden Stilrichtungen zurecht. Bei der rechten Hand hilft mir sehr, diese beim Zupfen möglich statisch über den Saiten zu halten, also wirklich nur durchs Anwinkeln der Finger die Saiten zu ziehen. Noch keine richtige Idee habe ich beim Anschlagen von Akkorden (ohne Plektrum), aber ich meine, dass es auch hier besser geht, wenn man die Knöchel der Finger möglichst immer im gleichen Abstand an den Saiten vorbei führt. Ist etwas schwierig zu beschreiben. Was mir außerdem hilft, ist ein wenig die Mischung der Spielhaltungen. Ein wenig Fußbank, ein wenig im Stehen und ein wenig auf einer Dynarette (das ist ein Kissen, dass man sich aufs linke Bein unter die Gitarre klemmen kann).

Viele Grüße
Frank
Der Weg ist das Ziel
Carvin NS1
Carvin SH575
Seagull S6 Folk Q1
Alhambra 3C
Samick E-Gitarre ohne Namen
Ulrich Peperle
Beiträge: 643
Registriert: Do Sep 01, 2005 1:27 am

Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 12:31 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
radlsonny
Beiträge: 525
Registriert: Mo Feb 26, 2007 11:26 am
Wohnort: Bonn

Beitrag von radlsonny »

da gabs doch ein Video von Lena, das sah ziemlich klassisch aus, mit Gitarre zwischen den Beinen und Hals nach oben und nichts bewegt sich außer die Finger, ich find's bloß nicht mehr
Gruß Gerhard
- radlsonny -
http://www.youtube.com/user/musicsonny
Antworten