Raimundo Gitarren

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Bernd C. Hoffmann
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Re: Raimundo Gitarren

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

tele hat geschrieben:Dann könntest du einem Nicht-Kaufmann vielleicht kurz den Unterschied zwischen Kernsortiment und Peripheriesortiment (oder wie nennt man das?) erklären und erläutern, was ein Händler daraus für einen Nutzen ziehen soll, in sein Nicht-Kernsortiment Instrumente aufzunehmen, die von minderer Qualität sind.
Das Wesentliche hat fretworker schon richtig erklärt, aber ich versuche es mal mit einem zusätzlichen Punkt und hole etwas weiter aus.

Ein weiterer Punkt sind Aspekte bekannter Namen aus der Vergangenheit. Dies gilt hier speziell für die höchst miserable Reputation von Raimundo aus dem letzten Jahrhundert. Sowas hängt einem Unternehmen immer nach. Ist das Unternehmen nach mehreren Jahrzehnten "Pause" unter neuer Führung wieder am Markt, dann hat es zwangsläufig mit den Altlasten zu kämpfen. Das erfordert eine sehr lange Durststrecke v. a. mit finanzieller Puste, weil durch das verlorene Vertrauen aus früheren Zeiten die Absatzmengen (von den Händlern gekaufte Stückzahlen) nur langsam wieder aufgebaut werden kann. Dies bringt betriebswirtschaftlich die Konsequenz mit sich, dass die Produktion bestenfalls nur suboptimal stattfinden kann (nicht an Qualität sondern im Verhältnis Produktionsmenge/Gesamtkostenkalkulation). Auf der anderen Seite wissen die Händler, für welchen Straßenpreis sie bestimmte Gitarren anbieten können. Die Schwierigkeit für den Produzenten liegt darin, eine geeignte Kalkulation zu finden, die sowohl für den eigenen Betrieb rentabel ist als auch für den Händler. Da der Händler aber die Vergangenheit kennt, besteht ein gewisses Risiko auf den Gitarren sitzen zu bleiben, wenn sie vom Markt nicht akzeptiert werden. Deswegen kauft er nur ein paar Instrumente in bestimmten Preisklassen und beobachtet, wie der Markt darauf reagiert. Das ist also eine reine Vorsichtsmaßnahme. Dabei hat der Händler auch die Möglichkeit zur eigenen "Frei-Schnauze-Qualitätsprüfung" und auch zum Quertest mit anderen Instrumenten im gleichen Preisbereich. Ist die Qualität gut oder zumindest in Ordnung, dann ist für den Hersteller die Möglicheit seine qualitativen Altlasten nach und nach hintersich zu lassen und Vertrauen für seinen Namen unter jetziger Führung aufzubauen.

Raimundo ist, glaube ich, seit 7 oder 8 Jahren wieder im Markt. Die Anfangsstrategie war gut, wenngleich auch sehr kostspielig. Raimundo hatte sich mit Antonio Aparicio zusammengetan. Neben dem Aparicio Label gab es zusätzlich das Gemeinschafts-Label "Raimundo y Aparicio". Aparicio hatte im Preis-/Leistungsverhältnis sehr gute Gitarren in allen Preisklassen angeboten. Während dieser Zeit stand Raimundo quasi im Sonnenstrahl von Aparicio. Das war sicherlich teuer bezahlt, konnte aber eine gewisse Durchschlagskraft wegen Aparicio nicht von sich weisen. So hat Raimundo von dieser Partnerschaft nach außen profitiert.

Vor 3 Jahren hat Aparicio seine gesamte Produktion in die USA verlegt und ist aus Valenzia weg. Ich denke, dass Raimundo ungefähr seit dem unter eigenem Namen läuft.

Eigentlich eher unwichtig, aber der Vollständigkeit halber: Das Peripheriesortiment ist das Sortiment um die Gitarren herum (also Zubehör, Saiten, Reinigungsmittel etc.). Das Sortiment an Gitarren, das neben dem Kernbestand in kleinerer Menge vorrätig ist, nennt man Randsortiment. Mit "gut" oder "schlecht" hat das erstmal nichts zu tun. Es kommt konkret darauf an, was man sich da genau hinstellt.

Sorry, dass es fast ein Referat wurde ;-)
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tele
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Re: Raimundo Gitarren

Beitrag von tele »

Danke für die ausführlichen Erläuterungen!

Ich habe Alain Dabreteau(adab 25) gemailt und er ist sehr zufrieden mit seiner Raimundo Lacote 1900.
Eine Stichwortsuche "Raimundo" bei Delcamp brachte auch überwiegend positive Kommentare.

J' ai aussi une Raimundo 148 achetée il y a plus de 20 ans et je suis toujours surpris de la qualité du son, malgré tout ce qu elle a subie (notamment un "pet" dans la table d harmonie.)
(Ich habe eine Raimundo 148, die ich vor 20 Jahren gekauft habe, und ich bin immer wieder überrascht von der Klangqualität...)

Dans ton budget les meilleures à mon avis ce sont les Esteve 2gr5f, et un peu plus cher les Raimundo 125 peuvent être excellentes
(In deiner Preislage sind die besten die Esteve 2gr5f und etwas teurer die Raimundo 125, die exzellent sein kann)

Es gibt auch Kommentare über kleinere Probleme, wie bei anderen Herstellern auch, aber eine durchgehende Alarmbereitschaft und Katastrophenstimmung sucht man vergeblich...
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Re: Raimundo Gitarren

Beitrag von Es335 »

Das überrascht mich jetzt nicht wirklich, wobei die oberste Rückmeldung zur Raimundo Lacote 1900 besonders wichtig ist, da die Romantica 1800 und 1900 große Ähnlichkeiten aufweisen. Ich glaube nicht, dass es sich ein Hersteller im gehoben Preissegment >1000€ heutzutage noch leisten kann, dauerhaft minderwertige Produkte zu verkaufen. Ausfälle gibt es bei jeder Marke mehr oder weniger und sogar ganz vereinzelt auch schon mal bei Meistergitarren! Da jedoch sehr, sehr viel seltener und natürlich auf einem ganz anderen Niveau! :wink:

Die Raimundo Romantica 1800 bei Guitarras de Luther scheint übrigens ein Sonderangebot zu sein! Dasselbe Modell kostet bei dem anderen großen spanischen Internetanbieter, Guitarfromspain, 1425€. Da die Aussagen zum Lieferumfang, ob mit oder ohne Koffer, etwas widersprüchlich sind, sollte man im Zweifelsfall besser von ohne Koffer ausgehen!
Bernd C. Hoffmann
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Re: Raimundo Gitarren

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

@ tele

Ich habe gelegentlich die Erfahrung gemacht, dass manche Leute in ihrer Begeisterung Urteile fällen, für die sie nicht immer den sachlichen Hintergrund haben. Hierbei denke ich auch an romatische Gitarren. Wenn keine Alarmglocken zu finden sind, dann werte ich das erstmal positiv. Die andere Frage wäre für mich, in wie weit der Empfehlungsgeber sich speziell mit romatischen Gitarren auskennt. Wenn sich diese Frage auf Grund von vergangenheitlichen Beiträgen positiv bewerten lässt, dann kann man entspannt einen Probekauf angehen.
Liebe Grüße
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tele
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Re: Raimundo Gitarren

Beitrag von tele »

Die andere Frage wäre für mich, in wie weit der Empfehlungsgeber sich speziell mit romatischen Gitarren auskennt.
Möglicherweise ist die Raimundo Lacote etwa da anzusiedeln, wo sich auch die Cordoba Mini befindet.
Nichts, was Genrespezialisten zu Begeisterungsstürmen hinreißen würde, aber ein nettes Spielzeug für Musikanten, die "spielerisch eher weniger zu bieten haben."

Ich bin gerade dabei, meine einzige High-End Ukulele zu verkaufen, und wenn der Deal unter Dach und Fach ist, werde ich wohl die Lacote 1800 bestellen.
Der Preis bei Guitarras de Luthier ist übrigens ohne Koffer, inklusive Koffer kommt man auf 1110 €.
(Leider ein modernes Kofferdesign und kein stilecher "Kindersarg".) :wink:
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Re: Raimundo Gitarren

Beitrag von fretworker »

tele hat geschrieben:
inklusive Koffer kommt man auf 1110 €.
(Leider ein modernes Kofferdesign und kein stilecher "Kindersarg".) :wink:
Nimm ihn trotzdem, es ist wahnsinntig schwer passende Koffer zu finden. Und dann berichte bitte! :bide:
Gruß, fretworker
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