Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

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Moonshiner
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Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Moonshiner »

"Früher war Granada in Spanien das Eldorado für Gitarrenmusik", sagt Michael Batell, "heute ist das längst Berlin." In seiner Werkstatt-Galerie in Berlin-Kreuzberg treten regelmäßig einige der besten Gitarristen Europas auf...

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 18.01.2018

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Die Gitarre kann alles, man muss sie nur lassen...
Es335
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Es335 »

Vielen Dank für den Hinweis auf dieses interessante Feature. Mit Chris Barnett gäbe es zumindest einen weiteren amerikanischen Gitarrenbauer, der seine Wirkungsstätte ebenfalls nach Berlin verlegt hat.

Trotzdem kann ich mir die eine oder andere Kritik nicht verkneifen. Das vor der klassischen Gitarre im Prinzip alles Flamencogitarren waren, erst mit Segovia die Entwicklung der modernen klassischen Gitarre eingesetzt hat und klassische Musik für die Gitarre erst seit den 1960/70er Jahren komponiert wird, ist natürlich ziemlich daneben. Ungeachtet dessen bleibt seine Initiative für das kulturelle Leben und den Austausch in der Stadt aber uneingeschränkt lobenswert! :D
Bernd C. Hoffmann
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

In Berlin gibt es auch den Gitarrenbauer Eduardo Valdivia Rivera. Er ist Bolivianer und war früher lange Zeit in Fulda, wo er bei Mollenhauer für den Bau der Meisterflöten verantwortlich war. Damals liebte ich Gitarren mit Zederndecke und Palisanderkorpus. Von Fichtendecken wollte ich überhaupt nichts wissen. Sie waren bei mir quasi unten durch, absolut indiskutabel. Als ich ihn besuchte, gab er mir seine Fichte/Palisander in die Hand, sprach ein paar klangliche Details an und sagte "Probier mal." Seit dem begann ich mich in die Fichtendecke zu verlieben.

Seine Werkstatt ist in Charlottenburg. Neben Gitarren und Flöten baut er auch Geigen. Für alle 3 Disziplinen hat er einen Meistertitel. Seine Schwester kämpfte an der Seite von Che Guevara und wurde im bolivianischen Dschungel getötet. Alles in allem ein interessanter Instrumentenbauer.
Liebe Grüße
Bernd
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Gitarrenmacher
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Gitarrenmacher »

Denkt bitte auch an die Newcomer.
z.B. haben Friederike Linschscheid und Adrian Heinzelmann ihre gemeinsame Gitarrenbauwerkstatt eröffnet.

Die beiden hatten auf den Hamburger Gitarrentagen ihren kleinen Stand mir und Karsten Schnoor gegenüber.
Die Instrumente waren auf jeden Fall handwerklich sehr gut. Den Klang konnte man bei dem Gedröhne im Ausstellungsraum nicht beurteilen.


Einfach mal hinfahren und ausprobieren.
Gebt dem Nachwuchs eine Chance
Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.
-Benjamin Franklin- *1706 t 1790-
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Bernd C. Hoffmann
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Friederike Linscheid kenne ich nur dem Namen nach. Für Adrian Heinzelmann habe ich schon mehrere Referenzen bekommen. Ich meine auch, dass 2 Gitarristen in meiner Community Gitarren von ihm spielen. In der Facebook Gruppe "Konzertgitarre Classical Guitar" hatte ein Gitarrist Videos von sich veröffentlicht. Mir fiel der markante Ton auf. Deswegen sprach ich ihn an. Auch das war eine Heinzelmann.
Liebe Grüße
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fretworker
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von fretworker »

Es335 hat geschrieben:Trotzdem kann ich mir die eine oder andere Kritik nicht verkneifen. Das vor der klassischen Gitarre im Prinzip alles Flamencogitarren waren, erst mit Segovia die Entwicklung der modernen klassischen Gitarre eingesetzt hat und klassische Musik für die Gitarre erst seit den 1960/70er Jahren komponiert wird, ist natürlich ziemlich daneben.
Nein, das ist völliger Unsinn. Als Gitarrebauer müsste er das wissen. :wink:

Es gibt derzeit ziemlich viele sehr gute Gitarrenbauer in Deutschland, auch weniger bekannte. Und die sitzen selbstverständlich nicht alle in Berlin, wo sie Werkstattmieten nicht bezahln können. Als willkürliches Beispiel nenne ich mal Thomas Friedrich in Karlsruhe. Fantastische Gitarren, wenig kannter Name. Sascha Nowak kennt man mittlerweile, als anderes Beispiel. Und selbstverständlich gibt es auch in Spanien – nicht nur in Granada – ganz hervorragende Gitarrenbauer.

:guitar1:
Gruß, fretworker
Bernd C. Hoffmann
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

fretworker hat geschrieben:
Es335 hat geschrieben:Trotzdem kann ich mir die eine oder andere Kritik nicht verkneifen. Das vor der klassischen Gitarre im Prinzip alles Flamencogitarren waren, erst mit Segovia die Entwicklung der modernen klassischen Gitarre eingesetzt hat und klassische Musik für die Gitarre erst seit den 1960/70er Jahren komponiert wird, ist natürlich ziemlich daneben.
Nein, das ist völliger Unsinn. Als Gitarrebauer müsste er das wissen. :wink:
Warum ist das Unsinn? Das ist völlig korrekt! Es gab schon die doppelchörige Barockgitarre. Carulli, Carcassi, Giuliani, Molino, Gragnani oder Aguado und Sor hatten auch schon weit vor 1960 für die 6saitige Gitarre komponiert.
Liebe Grüße
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Es335
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von Es335 »

... oder Tarrega z.B. und die modernen Konzertgitarre hat ja wohl Antonio de Torres (Zitat Wikipedia: Erfinder der modernen klassischen Konzertgitarre) im 19. Jahrhundert begründet. Dass die Entwicklung mit und durch Segovia weitergegangen ist, ändert nichts daran, zumal man sich seit einiger Zeit des experimentierens wieder stärkerer auf die Originale von Torres zurückzubesinnen scheint. :wink:

Bekritelt habe ich das nur, weil man gerade von einem Gitarrenbauer erwarten müsste, diese unbestreitbaren Basics zu kennen. Letztlich ist es aber egal, solange er gute Gitarren baut und das Berliner Kleinkulturleben weiterhin so bereichert! :D
Zuletzt geändert von Es335 am Fr Jan 19, 2018 11:51 am, insgesamt 1-mal geändert.
fretworker
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Re: Auf der Suche nach dem perfekten Klang...

Beitrag von fretworker »

Da hast du mich falsch interpretiert. Ich wollte dem sehr vornehmen "ziemlich daneben" eine Steigerung entgegensetzen. Es ist eben nicht nur ziemlich daneben sondern schlicht völliger Unsinn und eine Verkennung der geschichtlichen Tatsachen. Wenn er das als Gitarrenbauer nicht weiß, ist das ausgesprochen peinlich. Oder er weiß es und ignoriert es, dann ist er arrogant.

Und Berlin ist auch nicht der Nabel der Welt. :wink: *duckundweg*
Gruß, fretworker
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