Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Alles über die Nylon- und Darmbesaiteten

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thomasS.
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Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von thomasS. »

Hallo zusammen,

ich bin eigentlich gelernter E-Gitarrist und habe nebenbei eine Schneider Donja (Erbstück), welche ich sehr schätze. Sie hat für mich den perfekten, warmen, vollen Klang. Eigentlich gibt es nichts zu beanstanden, aber die Saitenlage, besonders jenseits des 5. Bundes macht mir zu schaffen. Deshalb bleibt die Gitarre meist ungespielt im Koffer.

Nun bin ich schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einer Jazzgitarre, wenn es so etwas überhaupt gibt. Das heist ich teste dann und wann Archtops, 335er Modelle usw. Letzte Woch war ich in einem größeren Gitarrenladen und wollte eigentlich Semihollows anspielen, dabei habe ich spontan eine Cordoba GK Pro gegriffen und war ziemlich begeistert. Die Bespielbarkeit war ganz anders als bei meiner Konzertgitarre, die Saitenlage extrem flach für Nylons und der Hals sehr angenehm. Der Cutaway kam mir auch sehr entgegen. Der Klang hat mich als unerfahrener Nylonspieler schon begeistert. Ich konnte sie dann noch mit einer Taylor Nylonstring und einer Yamaha NTX 700 vergleichen, welche aber beide nicht an die Cordoba heran kamen. Ich habe erst hinterher gesehen, dass es sich um eine Flamencogitarre handelt. Soviel zu meiner Unwissenheit auf diesem Gebiet.
Jedenfalls habe ich zum Schluss wirklich überlegt, ob sie dieses Instrument nicht für meine Zwecke (Jazzstandards, ein paar klassische Sachen und ein bisschen Imprvisation) eignet. Vielleicht als Alternative zu einer Jazzgitarre.
Was sagt ihr dazu? Hat vielleicht jemand Erfahrungen mit der Cordoba, oder andere Vorschläge?

Viele Grüße, Thomas
späterblues

Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von späterblues »

Die angenehme Saitenlage ist typisch für Flamencogitarren.
Die Saitenlage ist mitunter so tief das die Saiten, wenn man "kräftig reingreift", scheppern.
Auch in der Tonentfaltung gibt es Unterschiede.
Das hat was mit dem unterschiedlichen Einsatzzwecken zu tun.
Im Vergleich zu Klassikgitarren weniger Sustain ( aber der Ton ist "schneller da ").

Eine negra ( Palisander statt Zypresse ) ist, je nach Hersteller ( nicht bei allen :!: )
eine Art hybrid Instrument aus Flamenca und Klassik und kommt deinen hier geäußerten Vorstellungen deshalb entgegen.

Ich würde also an deiner Stelle Flamenca negras in deinen Preisbereich durch testen. ( Juan Hernandez , Camps, Cordoba, Alhambra ...)

Alternativ könntest du einen Gitarrenbauer ein Blick auf deine Schneider werfen lassen und überlegen ob man da die Saitenlage nicht tiefer machen könnte. Das kostet einen Bruchteil einer neuen Gitarre und bevor die im Koffer unbespielt rumsteht all mal eine Überlegung wert.
( Ansonsten hätte ich Interesse an der Schneider :wink: )
Zuletzt geändert von späterblues am Mo Apr 22, 2019 4:07 pm, insgesamt 3-mal geändert.
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docsteve
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von docsteve »

Ich kann mir eine Flamenca gut als Alternative für Jazz vorstellen. Vor ein paar Tagen habe ich Gipsy-Modelle ausprobiert, darunter auch eine mit Nylonsaiten, die mir am besten gefallen hat. Cut, flache Saitenlage, eher trockener Ton - alles Merkmale einer Flamenca. Warum also nicht?

Saitenziehen geht auf Nylon nicht so gut, das solltest du bedenken.

Viele Grüße Stephan
thomasS.
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von thomasS. »

Dann werde ich vielleicht doch noch einmal losziehen und speziell Flamencas anspielen. Es wird allerdings nicht einfach werden einen Laden zu finden der einige Modelle am Lager hat.

Zum Saitenziehen habe ich eine schöne Strat. Ich suche wirklich einen warmen vollen Ton, schwer zu beschreiben. Bisher meinte ich so etwas nur bei einer Gitarre mit Humbuckern zu finden, aber eigentlich liefern Nylonsaiten genau das.
fretworker
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von fretworker »

Einen "warmen, vollen Ton" wirst du bei Flamencas allerdings nicht erhalten, die sind eher auf der knackigen Seite.

Wie hoch ist denn die Saitenlage deiner Schneider im 12. Bund? 3 mm auf der Diskantseite und 4 mm im Bass wären normal. Wenn dir das zuviel ist wird das nix mit einer Konzertgitarre, dann ist die Flamenca evtl. die bessere Wahl, eben mit der genannten klanglichen Einschränkung. Camps wäre da noch zu nennen.

Falls du eine Semi suchst – ich hätte evtl. eine abzugeben. :wink:
Gruß, fretworker
thomasS.
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von thomasS. »

Die Saitenlage muß ich mal nachmessen, danke für den Tip. Da ich diese Woche noch in den Osterferien bin, komme ich erst nächstes Wochenende dazu. Ich glaube jedoch, dass es mehr als 5mm sind.
späterblues

Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von späterblues »

Einen "warmen, vollen Ton" wirst du bei Flamencas allerdings nicht erhalten, die sind eher auf der knackigen Seite.
Es gibt da im wesentlichen 2 Gitarrenbauschulen. Madrid und Granada. Madrid oft mit mächtigen Bässen und harten spitzen Diskant;-
also eher knackig
Granada mit warmen, weichen Diskant und eher trockenen Bässen. Eher warm und voll.
schinkenkarl
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von schinkenkarl »

Hallo Thomas,

hast du mal eine Furch GN angespielt?
thomasS.
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von thomasS. »

Nein, Furch hatte ich noch nicht in der Hand, aber eine gute Idee. Mal sehen, wo ich eine Furch finde.
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Jürgen
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von Jürgen »

Hallo Thomas,

schau mal nach sog. Crossover-Nylonstrings. Das sollte deine Vorstellungen treffen.

Ich habe mir so eine von Christian Stoll bauen lassen. Gibt es aber auch von der Stange.
Gruß

Jürgen

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tele
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von tele »

Einen "warmen, vollen Ton" wirst du bei Flamencas allerdings nicht erhalten, die sind eher auf der knackigen Seite.
Rob MacKillop spielt in letzter Zeit viel klassische Stücke auf einer Camps Flamencogitarre.
Ich würde seinen Ton schon als warm und voll einstufen.
Er spielt auch "other styles" wie Blues oder Jazz auf einer Camps Primera.
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von Es335 »

tele hat geschrieben:
Einen "warmen, vollen Ton" wirst du bei Flamencas allerdings nicht erhalten, die sind eher auf der knackigen Seite.
Rob MacKillop spielt in letzter Zeit viel klassische Stücke auf einer Camps Flamencogitarre.
Ich würde seinen Ton schon als warm und voll einstufen.
Er spielt auch "other styles" wie Blues oder Jazz auf einer Camps Primera.
Das wäre meine Favoritin
Dann muss man fairerweise aber auch dazusagen, dass er sie mit Darmsaiten bespannt, tiefer gestimmt und mit Kuppenanschlag spielt. :wink:
fretworker
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von fretworker »

thomasS. hat geschrieben:Die Saitenlage muß ich mal nachmessen, danke für den Tip. Da ich diese Woche noch in den Osterferien bin, komme ich erst nächstes Wochenende dazu. Ich glaube jedoch, dass es mehr als 5mm sind.
5 mm sind deutlich optimierbar. Bevor das nicht probiert wurde würde ich kein Geld für eine neue Gitarre ausgeben. Die Schneider sind schon gute Instrumente. Ab zum Gitarrenbauer.
Gruß, fretworker
thomasS.
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von thomasS. »

Ich werde, wie empfohlen, erst einmal genau nachmessen und dann gegebenenfalls einen Gitarrenbauer suchen. Die Crossover Modelle werde ich trotzdem mal im Blick behalten. Camps wird ja öfter erwähnt, ist mir aber noch in keinem Geschäft begegnet.
Bernd C. Hoffmann
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Re: Cordoba GK Pro Negra, Jazz, Erfahrungen Tips gesucht

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Aus meiner Vergangenheit kann ich sagen, dass ich Flamencas immer wieder an Jazzgitarristen verkauft habe. Kaufentscheidend war der "andere" Klang als Alternative zum bisherigen Klangportfolio.

Mir geht immer wieder ein bisschen die Hutschnur hoch, wenn Leute über "Hybrid Gitarren" oder "Crossover Modellen" sprechen. Christian Stoll hat seit gefühlten 10.000 Jahren eine Blanca im Schrank, die mich nicht wirklich überzeugen konnte, während seine Konzertgitarren preis-/leistungsmäßig aus meiner Sicht die allerwärmste Empfehlung sind. Bei Crossover Modellen würde mich eine Definition interessieren. Ich kenne diese Modelle nur als Kompromiss für Nylonspieler, die von der Stahlsaitengitarre kommen und einen schmaleren Hals benötigen. Für den Ton einer Flamencorientierung haben diese Gitarren absolut nichts zu bieten.

Den Cordoba Flamencas sind die klanglichen "Gentlemen" unter dem breiten Angebot von Flamencogitarren. Sie haben zwar eine gewisse Spritzigkeit und Perkussivität, sind aber von der Aggressivität her betonte Leichtmatrosen, eben Gentle-Männer und keine Brüllhunde.

Es gibt auch keine Hybrid Gitarren für Klassik und Flamenco. Es gab lediglich einen kläglichen Versuch von Amalio Burguet, der so eine Gitarre auf den Markt brachte. Ein oder zwei andere Gitarrenbauer machten dies auch. Ich hatte die Möglichkeit die Burguet zu testen. Es handelt sich dabei um eine Gitarre, der man ein bisschen klassische Substanz entfernt und ein bisschen Perkussivität hinzugefügt hat. Das Ergebnis ist halb Fleisch habe Fisch, also nichts Halbes und nichts Ganzes. Wer das gut findet, kann das gerne kaufen muss sich bewusst sein, dass er sie lange besitzen wird, weil er sie nur sehr schwer wieder los werden wird.

Die Primera wurde mir 2005 auf der Musikmesse von Jordi Camps hinter dem Vorhang zum Testen gegeben. Es war der Prototyp, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. 2005 oder -6 habe ich sie als Blanca für die Zeitschrift Akustik Gitarre rezensiert. Die Negra war damals noch nicht erhältlich sondern wurde erst für die Zukunft angekündigt. Richtig ist, dass Negras repertoireseitig sowohl für Flamenco als auch Klassik eingesetzt werden. Ich bin auch so verfahren. Die Camps Primera betreffend ist die Negra auf Grund ihres betont mittigen Spektrums hierfür jedoch keine gute geschweige denn überzeugende Wahl. Aber als Alternative für Jazz sehe ich sie durchaus.

Die Angaben von späterblues sind mit größter Vorsicht zu genießen. Richtig ist daran lediglich der harte Diskant. Der ist aber keineswegs immer spitz, während Grandagitarren bei weitem nicht "eher warm" sind. Das ist schon allein deshalb falsch, weil wegen dem "trockenen Bass" eine Domingo Esteso dann nie in Madrid gebaut sein könnte. Ist sie aber. Insbesondere ist Esteso und seine Nachfolger (die Conde Brüder) einer der Prägenden der Madrider Schule. Wer in dem Thema drin ist, weiß, dass man heute nicht mehr jede Gitarre anhand ihres Klangbildes eindeutig der Granadiner oder Madrider Schule zuordnen kann. Dafür haben unzählige Gitarrenbauer ihre eigenen Klangbilder entwickelt, die sich mit völlig unterschiedlicher Substanz erfolgreich am Markt behaupten.

Der Hinweis von tele auf auf das Video von Rob MacKillop lässt er kennen, dass er (Rob MacKillop) von Torres Gitarren offenkundig nicht die meiste Ahnung haben kann, denn so derart mittig klingt keine Torres. Die Wärme wird im Wesentlichen durch das Kuppenspiel suggeriert, wodurch die Gitarre insgesamt weicher wirkt. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, aber das Video ist für mich ein typisches Beispiel einer Negra, die für Klassik völlig belanglos ist. Lediglich im Konzert würde ich sie nur dann aus Bequemlichkeit spielen, weil ich keine zweite Gitarre mitschleppen will. Ich habe die Camps Flamencas immer wieder gespielt und habe auch deren Entwicklung quasi von Anfang an mitbekommen. Negras mit einem breiten Spektrum gibt es bei den Camps Primeras nur als seltene statistische Ausreißer oder beim Topinstrument auf individuellen Wunsch.
Die im zweiten Video ist keine Primera sondern eine Primera A, d. h. preislich eine Klasse höher.

Als Alternative wurde Juan Hernández genannt. Das ist auch mein Tipp. Hier ist auch bei den Schülergitarren das Spektrum nicht mittig angelegt. Im Vergleich zu den Camps treten sie in Punkto Aggressivität deutlich rotziger auf. Lediglich beim Preis könnte es etwas teurerer werden, weil die Negraversion, sofern ich mich richtig entsinne, erst ab dem Modell Concierto beginnt. Es gibt um 1.300 € eine Prudencio Saez G-18 als Negra, die ich letztes Jahr auf der Musikmesse getestet habe. Hinsichtlich kleiner Hände muss hier beachtet werden, dass sie eine 66er Mensur hat. Es könnte also ggf. schwierig werden. In Spanien bekommt man sie günstiger, hat aber höhrere Versandkosten.

Wenn man nicht bis zum 12. Bund und höher spielt, dann könnte man sich als Blanca die Duke Flamenco anschauen. Die ist für ihren Preis ein echter Brüllhund. Sie ist aber nur teilmassiv und wartet mit den entsprechenden Substanzverlusten auf, die alle nicht vollmassiven Konzertgitarren haben.
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[Rechtschreibfehler korrigiert, vorletzten Absatz konkretisiert]
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Zuletzt geändert von Bernd C. Hoffmann am Mi Apr 24, 2019 12:33 pm, insgesamt 2-mal geändert.
Liebe Grüße
Bernd
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