Tama Klassik Gitarre

Alles über die Nylon- und Darmbesaiteten

Moderator: RB

pruschel
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Tama Klassik Gitarre

Beitrag von pruschel »

Hallo Leute,

spielt, oder besitzt von euch noch jemand eine Tama Klassik Gitarre aus den Jahren 1976 - 1978 - TC 8 , 10 , 15 oder 20.
Ich hoffe, ich bin nicht einer der wenigen Besitzer.
Wie sind eure Erfahrungen und wie hat sich die Gitarre in den langen Jahren entwickelt?

pruschel
rwe
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Beitrag von rwe »

Ich habe mir vor knapp 10 Jahren eine gebrauchte TC15 aus zumindest zweiter Hand gekauft, aber leider nur wenig gespielt. Ich finde sie o.k. (sonst hätte ich sie mir nicht gekauft), eine Weiterentwicklung kann ich nicht feststellen (was am wenigen Spielen liegen mag). Spielen kann man sowohl klassisch-romantisches Material als auch Südamerikanisches ganz gut. Als Universalgitarre für das gesamte "klassische Repertoire" (ab der Renaissance) finde ich sie schon fast nicht mehr geeignet, da schreit sie in meinen Ohren nach einem "Partner" mit einem schlankeren, analytischeren Klang (als erste Vermutung Fichte / Ahorn).

Angeblich sollen die Tamas im Kohno-Stall gebaut worden sein. (Was sie aber weder besser noch schlechter macht .)

Die TC20 kenne ich nicht. Weißt du, was es damit auf sich hat?
pruschel
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Beitrag von pruschel »

Hallo rwe,

wenigstens ein Besitzer einer Tama TC 15 - gebaut aus Rio mit Zederndecke nehme ich an. Meine TC 20 soll ein sog. Custom Modell sein. Angeblich existieren nur sehr wenige Gitarren. Die Gitarre habe ich vor über 20 Jahren gebraucht in einem kleinen Gitarren-Spezialgeschäft in Ostwestfalen gekauft. Vor einigen Jahren habe ich sie komplett mit Schellack aufgearbeiten lassen. Der Hals wurde vom Gitarrenbauer etwas schmaler für mich gemacht. Die Breite von fast 54 mm am Sattel war doch etwas zu heftig. Sie hat eine Fichtendecke und Boden und Zargen sind ebenfalls aus Rio-Palisander. Sie klingt natürlich "dunkler" als meine Ahorn-Fichte. Aber was meinst du mit "schreit mich an" ? - Übrigens, die Gitarre war innen komplett lackiert wie es auch einige spanische Gitarrenbauer machten oder noch machen. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit diesem Instrument. Es gibt sicher viele lautere und auch schneller ansprechende Gitarren - aber denen fehlt oftmals die "Wärme" gruss pruschel
rwe
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Beitrag von rwe »

Moin Pruschel,

ob das von Tama so genannte "Jacaranda" wirklich Rio-Palisander ist oder aber eine andere Holzart, die "da unten" wächst, weiß ich nicht, offenbar gibt es verschiedene Hölzer, die ähnlich aussehen, aber holztechnisch verschieden sind. So, wie ich es sehe, unterscheidet sich die TC20 durch die Fichtendecke von den anderen Serienmodellen.

[quote="pruschel"]Aber was meinst du mit "schreit mich an" ?[/quote]

Hmm, ich hatte nur geschrieben "schreit nach", soll heißen, dass es bei irgendwelchen Renaissance- oder Barockstücken manchmal doch klangmäßig zuu warm wird und ich mir dann doch ein anderes Instrument dafür wünsche. (Habe ich auch noch, eine Matsuoka M-100, Fichte / Palisander, ist aber auch noch nicht das Gelbe vom Ei.)


[quote="pruschel"]Übrigens, die Gitarre war innen komplett lackiert wie es auch einige spanische Gitarrenbauer machten oder noch machen. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit diesem Instrument. Es gibt sicher viele lautere und auch schneller ansprechende Gitarren - aber denen fehlt oftmals die "Wärme" gruss pruschel[/quote]

Ja, die Innenlackierung habe ich sowohl bei der Tama als auch bei der Matsuoka, ist aber (bei beiden) nur sehr dünn ausgeführt. Ich bin auch gut zufrieden mit dem Instrument, aber - etwas mehr Zeit vorausgesetzt - hätte ich gerne noch eine klangliche Alternative.

Beste Grüße
Rüdiger
pruschel
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Beitrag von pruschel »

Hallo Rüdiger,

danke für deine Nachricht. Jacaranda ist Rio-Palisander. Es gibt für den lat. Namen Dalbergia nigra verschiedene "Handelsnamen" - z.B. Bahia-, Rio-, Bahiajacaranda, Riojacaranda, "blaues Ebenholz" - stammt alles aus Südamerika. Dann gibt es noch Honduras-Palisander (Jacaranda) ostind. Palisander ( ostind. Rosenholz ), westind. Jacaranda, Madagaskar-Jacaranda auch "Königsholz" genannt. Alle genannten Hölzer haben allerdings andere lat. Bezeichnungen. Diese Palisanderarten kann man gut für Boden und Zargen verwenden.
Wenn du nach einer Alternative zu Palisander suchst, versuch es mal mit Ahorn. Wirklich gut.
Viel Spass weiterhin mit deiner TAMA. Gruss pruschel
rwe
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Beitrag von rwe »

Moin Pruschel,

dass Jacaranda und Rio gleichzusetzen sind, war auch mein früheres Verständnis. Ich bin dann aber darüber gestolpert, dass wohl der Handelsname Jacaranda viel breiter benutzt wird und vor allem auch benutzt wurde (immerhin sind die Prospekte 30+ Jahre alt, da haben sich häufiger terminologische Probleme eingeschlichen).

z.B.: http://www.acousticguitarforum.com/foru ... p?t=131427: "Jacaranda as used in the English language is not Brazilian Rosewood but Bolivian Rosewood or Pau Ferro, not a TRUE rosewood. Sometimes looks a lot like BRW does does not smell the same nor it is a Dalbergia."

Also 'reinbeißen... (Ich will aber keinen Cut!)

Fichte / Ahorn sehe ich auch als interessante Alternative an, das wird der erste Zugriff beim Testspielen werden. Die Kombination gefiel mir bisher bei Steelstrings übrigens fast nie - die eine Ausnahme war die Levin WR34, eine Ragtimegitarre mit einem Korpus in klassischer Form.

Beste Grüße
Rüdiger
pruschel
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Beitrag von pruschel »

Hallo Rüdiger,

Ahorn Fichte ist eine wirkliche Altenative bzw. Ergänzung zu einer Palisander.
Das Klangbild ist etwas heller, silbrig und sehr fein differenziert.
Schau mal auf Y. T. unter Frank Bungarten der spielt Bach auf einer Schnabl Ahorn-Fichte. ( So möchte ich auch spielen können - aber ). Würdest du mir noch verraten, welche Saiten du auf der Tama spielst ? Danke
Gruss pruschel
rwe
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Beitrag von rwe »

... oops, mit den Saiten hast du mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich glaube, dass es D'Addario EJ45 waren.

Es ist leider aufwändig und schwierig, mal einen A/B-Saiten-Vergleich zu machen. In den 10 Minuten, die du brauchst, einen Satz neu aufzuziehen, habe ich den Klangeindruck schnell vergessen, außerdem kannst du dann nicht testen, wie sich die Saiten über einen längeren Zeitraum halten. Man müsste dann systematisch aufnehmen.

Es gab in den 80er Jahren ein Saitenbrevier (von einem Menschen namens - glaube ich - Micheau), bei dem die Klangcharakteristiken versucht wurden, zu beschreiben. Das war ordentlich, aber heute gibt es natürlich noch viel mehr Saitentypen.

Die nächste wird sicherlich eine Gitarre mit "deutscher" Klangfärbung. Ich hatte neulich durch Zufall bei Justmusic in HH drei Fichte/xyz (Mahagoni oder Sapeli, weiß ich nicht mehr / Ahorn / Indischer Palisander) -Instrumente (AER?, weiß ich auch nicht mehr) gespielt, hier war die Ahorn auch die interessanteste. Klang bei Polyphonik sehr schön "analytisch" und trennscharf.

Die Bungarten-Aufnahme: Schxxx, ist das gut... - ich kannte sie nicht, gefällt mir außerordentlich.
rwe
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Re: Tama Klassikgitarre

Beitrag von rwe »

pruschel hat geschrieben:Würdest du mir noch verraten, welche Saiten du auf der Tama spielst ?
Jahre später... Mittlerweile bin ich auf der Tama bei Optima NO6.SHT (HT Carbon) angekommen. Gefielen mir persönlich besser als d'Addario, Savarez ( sowohl carte rouge, Nylon, als auch Carbon) , Lenzner/Fisoma und einige andere. (Und als Alternative ist noch eine Krempel Fichte / Palisander dazugekommen.)
pruschel
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Re: Tama Klassik Gitarre

Beitrag von pruschel »

Moin Rüdiger,

ja ja, lang ist es her!

Ich spiele nach wie vor keine Carbon-Saiten.

Bin aber zu LaBella 413 P Studio gewechselt.

Sanften Rutsch ins neue Jahr und alles Gute für 2018.

pruschel
rwe
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Re: Tama Klassik Gitarre

Beitrag von rwe »

pruschel hat geschrieben:Bin aber zu LaBella 413 P Studio gewechselt.
Ok, kann ich auch mal probieren, die Suche hört ja nie auf:-)

Zu den Carbonsaiten bin ich durch das Orchester gekommen; in dem Kontext denke ich, damit präziser und dynamischer spielen zu können. Beim Alleine-Spielen ist das nicht so das Thema. Tatsächlich hatte ich die Optima mal im Nachbarforum gewonnen, die Saiten haben mich dann ziemlich geflasht.

Auch Dir, Pruschel, ein gutes neues Jahr!
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Gitarrenmacher
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Beitrag von Gitarrenmacher »

rwe hat geschrieben:Moin Pruschel,
.........
z.B.: http://www.acousticguitarforum.com/foru ... p?t=131427" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;: "Jacaranda as used in the English language is not Brazilian Rosewood but Bolivian Rosewood or Pau Ferro, not a TRUE rosewood. Sometimes looks a lot like BRW does does not smell the same nor it is a Dalbergia."

Also 'reinbeißen... (Ich will aber keinen Cut!)

Beste Grüße
Rüdiger
to smell - riechen
to taste - probieren, schmecken

wer den Geruch von dalbergia nigra einmal bewusst wahrgenommen hat, vergisst ihn eigentlich nicht so schnell.
Wer darauf konditioniert ist, erkennt echten Rio unter den verschiedenen dalbergia ssp. mit 90% Sicherheit.

Jacaranda mit großer Sichert als Riopalisander zu verorten halte ich für vorsichtig gesagt für gewagt. Bei den TAMAS Ibanesen u.ä. Japangewächsen aus der Zeit, egal ob Steel-oder Nylonstrings ist die Wahrscheinlichkeit aber recht hoch.
Der Jacaranda, welcher einen der "Inselbäume" Teneriffas darstellt, hat mit dalbergia nicht viel zu tun. Sieht aber wunderschön aus. Am Hafen von Santa Cruz stehen einige Riesen davon. Traumhaft!
Rosewood - Palisander - Rosenholz....ein weites Feld mit vielen Irrtümern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jacaranda" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

Guten Rutsch
Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.
-Benjamin Franklin- *1706 t 1790-
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pruschel
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Re: Tama Klassik Gitarre

Beitrag von pruschel »

Moin Christian,

danke für deine Erklärungen.

Meine 2 ( Rio ) - Jacaranda Klassikgitarren verströmen nach wie vor den einzigartigen Geruch - das auch noch nach den vielen Jahren!

Mir wurde es ausserdem von einem Gitarrenbauer bestätigt, dass es sich um Rio handelt. Eine hat er nämlich selbst gebaut.

Ob Tama das nun als Jacaranda oder Rio-Palisander bezeichnet, ist mir relativ schnurz!

Die Tama wurde übrigens bei Kohno in Japan gebaut! Von der TC 20 gibt es kaum Instrumente. Als Decke wurde Hokaido-Fichte verbaut.

Auch ich wünsche dir und deinen Lieben einen sanften Rutsch in das kommende 2018 und alles Gute.

pruschel
Es335
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Re: Tama Klassik Gitarre

Beitrag von Es335 »

pruschel hat geschrieben:...Die Tama wurde übrigens bei Kohno in Japan gebaut!...
Das ist sogar explizit ersichtlich, wenn man mal in die alten Ibanez Kataloge reinschaut, die es noch im Internet gibt. Dieses Bracing ist ohne Zweifel von Kohno und der Gitarrenbauer auf der zweiten Seite dieses Kataloges von 1980 ist niemand anderer als Masaki Sakurai, Kohnos Neffe und Nachfolger.

Was Riopalisander vs. Jacaranda betrifft, wäre ich mir jedoch nicht so sicher. Masaki Sakurai „definiert“ Jacaranda für Kohno als südamerikanischer Palisander, was für die „gehobeneren“ Modelle eingesetzt wurde. Riopalisander hatte Kohno überwiegend für die jeweiligen Spitzenmodelle eingesetzt, deren Bezeichnung mit den Jahren in Folge der galoppierenden Inflation mehrfach gewechselt hat. Bei meiner Kohno 30 von 1978 besteht in Bezug auf den Rio Korpus kein Zweifel, auch Mitte 1978 das Modell 30 von dem Modell 50 als Spitzenmodell abgelöst wurde. Demgegenüber sieht meine Professional-J mit ausgewiesenem Jacaranda Korpus da deutlich anders aus.

Rio hin oder her, letztlich entscheidend ist, dass sie gut klingen, selbst wenn es Mahagonie wäre! :lol: :D

Auch von mir an alle einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!
CG-Fan
Bernd C. Hoffmann
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Re: Tama Klassik Gitarre

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Meine erste handgebaute Gitarre war eine Flamenca negra (J. L. Marín) aus Riopalisander. Das Korpusholz war wegen der symmetrischen Maserung jedoch sehr ähnlich wie Indiopalisander. Tatsächlich roch sie anders als wie ich es von Indiopalisander gewohnt bin. Um sicher zu gehen, legte ich diese Gitarre Maragrete Bunswicker-Apelt vor. Sie bestätigte mir, dass es sich tatsächlichm Rio handelte und zeigte mir auch, woran das liegt. Zur Krönung zog sie aus einer Schublade ein Stück Bodenrestholz hervor, das fast genauso aussah und zeigte mir auch dort die Merkmale. Später besuchte ich wegen einer Ebayanzeige einen anderen Gitarrenbauer. Dem legte ich die Gitarre auch vor. Er sagte, dass man das mit einem bestimmten Test riechen kann. Er zündete einen Holzstab an und hielt das glimmende Ende in den Korpus. Da trat sofort ein leicht intensiver Geruch heraus. Es war der typische Geruch,den ich kannte, nur deutlich stärker. Dann meinte er, dass es sich wohl eher um Riojacaranda handele. Es gehöre auf jeden Fall in den Bereich des Riopalisanders, wobei die Handelsnamen (in meinem Fall) synonym verwendet werden.

Ich erinnere mich, dass der "alte" bereits verstorbene Hannabach Senior in seinem Katalog Riopalisander und Jacaranda für das Korpusholz separat anbot. Es scheint also etwas an Gemeinsamkeiten und Unterschieden in beiden Holzarten zu geben, die endgültig wohl nur die Spezialisten auseinander halten können.

Auch meinerseits einen guten Rutsch an alle.
Liebe Grüße
Bernd
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