Der gute Ton

Alles über die klassischen Spielweisen

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tele
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Beitragvon tele » Fr Aug 22, 2014 7:55 pm

Ich habe mir Monsieur Delcamps Vortrag noch einmal angeschaut und muss Ulrich Recht geben, er übertreibt es einfach mit der Agogik, das würde vielleicht zu einem Stück aus der Romantik passen, aber nicht zu einfachen Liedvariationen der Renaissance.
Diesen Gestaltungszwang habe ich aber schon öfter bei Klassikgitarristen bemerkt, die sich so wahrscheinlich von ihren stur durchspielenden Rock-und Folkkollegen absetzen wollen.
Dieser Gitarrist ist da nicht so von befallen, mal ein kleines rit. am Ende einer Variation, aber ansonsten ganz straight.
https://www.youtube.com/watch?v=d-ZZ-6M9VKk
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docsteve
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Beitragvon docsteve » Di Aug 26, 2014 12:18 pm

Ulrich Peperle hat geschrieben:
Meinem Geschmack nach ist der Site Admin von Ton und Gestaltung klar überlegen

Die Grenzen zwischen einem reflektierten Gestaltungswillen und einer rein äußerlich aufgesetzten Attitüde, die Gestaltung nur vorspiegelt, sind bisweilen nicht leicht zu ziehen. Aber mal von einem wabbernden Begriffsvakuum wie "Geschmack" abgesehen: durch welche tonlichen und gestalterischen Faktoren soll sich im konkreten Fall die angeblich "klare Überlegenheit" manifestieren?
Fragen wir mal andersherum: hast du schon mal "Greensleves" gespielt, z.B. in den Lauten-Variationen von Cutting? Wenn ja: würdest du da ein beschwingt-tänzerisches und relativ konstantes Tempo oder eher starke Temposchwankungen, auch jenseits der üblichen Toleranzbreite eines tempo rubato als "stilistisch angebracht" (hier konkret bezogen auf Musik der Renaissance) empfinden?

mfG
Ulrich


Ich hab mir beide Fassungen noch mal angehört und habe wohl bei der von Josh Turner zu früh abgeschaltet. IMHO ist die Präsentation des Themas unspannend, und die visuelle Präsentation (Junger Mann im Halbdunkel schaut an der Kamera vorbei) wenig ansprechend. Im Laufe des Vortrags wird das Spiel dann sehr viel besser.

Der Ton - ich bleib dabei, das ist Geschmackssache. Ich mag den gedämpften Klassikton von Josh Turner, so wie er über das Video rüberkommt, nicht so gern, da fehlt mir die Brillianz.

Fazit: zu schnell nach dem ersten (optischen) Eindruck geurteilt ;-) Delcamp präsentert sich besser.

Und natürlich habe ich Renaissance-Variationen selbst recht streng im Tempo gespielt, abgesehen von den Ritardandi am Ende eines Abschnittes, die jeder macht. (Über deren Notwendigkeit könnte man mal einen eigenen Thread eröffnen, wobei ich nichts Falsches an ihnen finden kann.)

Viele Grüße, Stephan
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tele
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Beitragvon tele » Fr Aug 29, 2014 8:57 pm

Noch ein Beispiel für eine Bad Tone Celebrity: Sharon Isbin
http://www.youtube.com/watch?v=fTPNPsBRCrg
Ich habe sie mal live gesehen und kann bestätigen: sie weiß perfekt, sich optisch in Szene zu setzen, aber ihr Ton ist hart und metallisch.
Die schlechte Akustik im Weißen Haus spielt da eine untergeordnete Rolle.
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Herigo
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Beitragvon Herigo » Fr Aug 29, 2014 9:52 pm

tele hat geschrieben:Noch ein Beispiel für eine Bad Tone Celebrity: Sharon Isbin
http://www.youtube.com/watch?v=fTPNPsBRCrg
Ich habe sie mal live gesehen und kann bestätigen: sie weiß perfekt, sich optisch in Szene zu setzen, aber ihr Ton ist hart und metallisch.
Die schlechte Akustik im Weißen Haus spielt da eine untergeordnete Rolle.


also ich kann dir in so weit beipflichten als mir auch etwas der mir gefällige schmalz einer nylonstring fehlt. warum das so ist kann ich nicht sagen, die aufnahme scheint unkomprimiert zu sein, zumindest kommen die peaks knallhart rüber.
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Der Papa
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Beitragvon Der Papa » Sa Aug 30, 2014 12:33 pm

tele hat geschrieben:Noch ein Beispiel für eine Bad Tone Celebrity: Sharon Isbin
http://www.youtube.com/watch?v=fTPNPsBRCrg
Ich habe sie mal live gesehen und kann bestätigen: sie weiß perfekt, sich optisch in Szene zu setzen, aber ihr Ton ist hart und metallisch.
Die schlechte Akustik im Weißen Haus spielt da eine untergeordnete Rolle.


also ob das nun etwas härter im Ton ist oder nicht...


ich als Normalsterblicher , wäre froh ich hätte nur die Hälfte
der musikalischen und technischen Fähigkeiten einer
Klassikgitarren - Ikone wie Sharon Isbin und werde mir jeden
Kommentar oder Kritik zu ihr verkneifen .

Ein Freund von mir der ein wirklich sehr guter Gitarrist ist , hat ein
paar Youtube Aufnahmen reingestellt , die wirklich grottig sind .
Er performt auch auf einer Lattice und hatte recht einfaches
Aufnahmeequipment .

Wenn man ihn live hört und auf einigen CD Einspielungen,die vernünftig
recorded sind glaubt man nicht das er das ist der auf Yt spielt . Ich habe 2 Cds von ihm , eine auf ner traditionellen aufgenommen ...toller Ton ,
eine auf einer Lattice ...klanglich schlimm obwohl technisch perfekt gespielt .


Leider wird oftmals in den Konzerten der schöne Ton einer traditionell
gebauten Gitarre den lauten , nasalen Klängen dieser Lautstärkegitarren
Doubletops und Lattice geopfert . Fast alle dieser Gitarren haben diesen
metallischen , harten Ton der mir persönlich auch nicht gefällt .

Vielleicht liegts auch da dran
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tele
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Beitragvon tele » Sa Aug 30, 2014 1:11 pm

ich als Normalsterblicher , wäre froh ich hätte nur die Hälfte
der musikalischen und technischen Fähigkeiten einer
Klassikgitarren - Ikone wie Sharon Isbin und werde mir jeden
Kommentar oder Kritik zu ihr verkneifen .

Soll auch keine allgemeine Kritk an Frau Isbins Fähigkeiten als Gitarristin sein.
Ich habe mal einen Meisterkurs besucht, wo unter anderem Roland Dyens, Alvaro Pierri und Sharon Isbin als Dozenten waren. Es gab dann auch jeweils ein Konzert mit jedem Dozenten, alle im gleichen Konzertsaal. Bei Sharon Isbin ist mir spontan ihr dünner Ton aufgefallen, während Dyens und Pierri angenehm warme Gitarrenklänge produziert haben.
Außerdem haben alle anderen Gitarristen auf hell erleuchteter Bühne gespielt, nur bei Sharon Isbin war die Bühne dunkel und ein Spot auf sie und ihre Gitarre gerichtet, das fand ich ein bisschen affig, so wie bei Bon Jovi oder so. :wink:

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