Klassische Gitarre lernen

Alles über die klassischen Spielweisen

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tele
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Beitragvon tele » Fr Mär 14, 2014 8:56 am

@Ulrich: Ich besitze nicht den intellektuellen Anspruch, darüber entscheiden zu wollen, inwieweit das Bemühen, eine Fähigkeit mit Hilfe eines Lehrbuchs zu erlernen, "autodidakisch" im engeren Sinne des Wortes ist. Mir ging es in meinem Beitrag darum, Gitarristen, denen es nicht gegeben ist, eine Lehrperson aufzusuchen, darin zu ermutigen, dass sie dadurch nicht komplett auf dem Holzweg sein müssen, zumal dann, wenn sie es rein hobbymäßig betreiben und nie in die Gefahr geraten werden, sich den bewertungsästhetischen Maßstäben des Klassikgitarrenestablishments aussetzen zu müssen. Ich habe die Lehrer meiner Studienzeit dabei als Beispiel dafür angeführt, dass die Arbeit mit einem Lehrer durchaus auch ihre Tücken haben kann. Die Begriffe "Steckenpferd" und "Marotte" hätte ich dabei der größeren Neutraliät halber durch "musikalische Präferenzen" ersetzen müssen. Ich selber hatte während meines Studiums durchaus schon die Selbstsicherheit, entgegen den Anweisungen meines Lehrers die Oberstimme eines Zweistimmigen Renaisssancestücks im Tirando zu spielen, weil mir der dadurch entstehende transparentere Klang stilistisch angemessener schien. Mein Lehrer hat das zumindest toleriert.
Was RobMacKillop angeht, so verfüge ich nicht über solch profunde Kenntnisse wie du, um seine Spieltechnik in den historischen Kontext der Vor-Tarrega-Ära einordnen zu können. In einem Video auf Youtube, wo er seine Gitarrentechnik erläutert, gibt er jedenfalls nur klangliche und spieltechnische Gründe für die Wahl seiner Technik, seiner Saiten oder seines Instruments an, keinerlei Bezug auf historische Vorbilder.

@Andreas; Da du ja der englischen Sprache mächtig zu sein scheinst, könntest du vielleicht mal "Solo Guitar Playing" Band 1 von Frederick Noad ausprobieren. Ich selber habe nur Band 2, aber laut meinen Internetrecherchen dürfte Band 1 genau das richtige für dich sein. Ich bin auf ihn aufmerksam geworden durch "The Baroque Guitar", eine seiner 4 kommentierten Gitarrenliteraturanthologien, mit der ich damals übrigens auch im Alleingang begonnen habe...
Bernd C. Hoffmann
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Beitragvon Bernd C. Hoffmann » Fr Mär 14, 2014 10:04 am

Ich kenne das Werk von Emilio Pujol. Einen Band davon, meine ich, habe ich in einem aussortierten Bestand. Ich hatte mir damals das gesamte Werk vorliegen und mich dagegen entschieden, weil es mir zu trocken war und technisch zu anspruchsvoll, weil ich ab einen Punkt ohne Lehrer nicht mehr durchgekommen wäre. Allerdings hatte ich mir Gitarrenpädagogen zwischendrin auf die Finger schauen lassen.

Was die Vorstellung des Begriffs "Autodiakt" Betrifft, da muss man nicht aus einem Furz eine Philosophie machen. Landläufig wird der Begriff als "Selbstlerner" verstanden, d. h. lernen ohne Lehrer. Das gilt für jede Art von Selbststudium ohne fremde persönliche Anleitung.

Just my 2 cents
Liebe Grüße
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Filigran
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Beitragvon Filigran » Fr Mär 14, 2014 10:16 am

gelöscht
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Ulrich Peperle
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Beitragvon Ulrich Peperle » Fr Mär 14, 2014 3:06 pm

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Bernd C. Hoffmann
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Beitragvon Bernd C. Hoffmann » Fr Mär 14, 2014 8:57 pm

Ulrich, Du hast viel Zeit, nicht wahr? :D Mit meinem Status kann ich sehr gut leben ;-)
Liebe Grüße
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Beitragvon Ulrich Peperle » Sa Mär 15, 2014 1:20 am

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Beitragvon Bernd C. Hoffmann » Sa Mär 15, 2014 1:36 am

Zeit für die Familie nachts um halb zwei? Ein wirklich effizientes Zeitmanagement!

Ulrich Peperle hat geschrieben:Allerdings muß ich zur Hebung meines Egos nicht auch noch ein eigenes Forum pflegen

Bei Deinem altklugen Größenwahn hätte sich dort wahrscheinlich keiner gerne lange aufgehalten. Danke, dass Du uns damit verschonst :wink:
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Herigo
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Beitragvon Herigo » Sa Mär 15, 2014 4:16 am

nun, es ist, wenn ich das bemerken darf, durchaus die familie, die einem dazu treiben kann, auch nach 4 uhr morgens, wenn alles schläft, in foren aktiv zu sein... :wink:
Salud a Familia
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tele
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Beitragvon tele » Sa Mär 15, 2014 8:33 am

Habe gerade mal bei Wikipedia nachgelesen, was da zum Thema "Autodidakt" steht, ob das einfach jemand ist , der seine Fähigkeiten ohne persönliche Unterweisung erlangt, oder ob dazu auch die Erarbeitung einer eigenen Methodik gehört, habe aber keine eindeutige Antwort gefunden. Interessant fand ich aber, dass man wohl nur von Autodidaktik spricht in Bereichen, in denen eine akademische Ausbildung überhaupt zur Verfügung steht, nicht also z.B. bei Schachspielern, Autoren von Unterhaltungsliteratur oder Rock-Gitarristen. Kurt Cobain, Jerry Garcia oder Brian Setzer dürfen sich also nicht rühmen, Autodidakten zu sein, selbst, wenn sie nie jemand in die korrekte Bedienung ihrer Fenders, Gibsons oder Gretschs eingewiesen hat... :wink:
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Beitragvon Klampfen-Uli » Sa Mär 15, 2014 8:43 am

Ulrich Peperle hat geschrieben:
Bin Anfänger und würde Klassik gern von Grund auf lernen.
(...) da ginbt es doch sicher auch vieles das man (...) falsch machen kann.

Ja- insbesonders, wenn man versucht, "Klassik von Grund auf" ohne einen qualifizierten Lehrer, oder zumindest ohne eine kompetente Erstberatung lernen zu wollen.

Leider kann man auch gerade mit Lehrer sehr viel falsch machen!
Ist wie beim Arzt oder Zahnarzt: gehe zu 5 Ärzten und komm mit 10 Meinungen oder sogar kränker wieder raus!

Es gibt viele Typen die sich "Lehrer für klassische Gitarre" nennen, aber nur sehr wenige wirklich pädagogisch und technische gute "echte" Lehrer!
Leider kann sich auch jeder Hinz und Kunz Gitarrelehrer nennen.
Hatte ich schon alles erlebt. Und selbst bei den ausgebildeten oder gar studierten Klassikern gibts auch "Höhen und Tiefen".

Dann gibts die verschiedensten Schulen: der eine sagt Dir, du sollst die rechte Hand abgeknickt halten, der andere sagt das ist unergonomisch und du sollst die Hand gerade und im Winkel zu den Saiten halten.
Der eine sagt du sollst den Nagel rund feilen, der andere verteufelt das und sagt du musst Rampe machen. Die wenigsten Lehrer lassen Dich machen wie du fühlst und empfindest, die drücken Dir ihr Ding auf!

Man kann sich wirklich sehr viel selber beibringen. Und heute gibts Medien im Überfluss. Das gabs zu meiner Zeit noch nicht.

Und es kann sogar sehr gesund und hilfreich sein selber autodidaktisch da ran zu gehen, weil man nicht mit althergebrachtem nie hinterfragtem Wissen konfrontiert wird, sondern selber intuitiv da ran geht. Wo ein Wille da ein Weg, und wenn man auf seinen Körper und innere Stimme hört, dann kommt man z.B. zwangsläufig automatisch zu einer Haltung, und zu einer die zu einem dann auch passt und die man sich selber erarbeitet hat.

Soviel ich weiß brachte sich Villa-Lobos z.B. das Gitarrenspielen autodidaktisch selber bei. Ich habe zumindest Unterlagen darüber wo das Verhältnis Villa-Lobos zu Segovia beschrieben wird. Ein Streitpunkt der beiden war, dass Villa-Lobos also intuitiver Autodidakt es als ganz natürlich ansah, den kleinen Finger der rechten Hand zu nutzen. Das wollte Segovia einfach nicht gewähren lassen. Und ist auch heute immer noch bei den Klassikern meist verpönt.
Villa-Lobos reagierte dann wie folgt: "Ah, it's not used? Then cut it off!"

Es gibt aber auch heute unter den oft verbohrten Klassikern eine kleine Gemeinde die den Kleinfinger der rechten Hand begeistert einsetzt.

Mit einer klassischen Ausbildung hätte man Villa-Lobos das von vornherein ausgetrieben.

Es ist also nicht immer gut, von vornherein einen "Lehrer" zu haben ... vor allem bei dieser Streubreite des seeeeeeehr dehnbaren Begriffs
:twisted:
Hanjo

Beitragvon Hanjo » Sa Mär 15, 2014 1:22 pm

In einem anderen Forum hat ein User gerade einen Thread laufen, wo er seine MP3 vorstellt. Die sind nun wirklich grottenschlecht bei diesem Autodidakten.
Manchmal mögen die Massstäbe unterschiedlich sein. Aber häufig gibt es da auch nicht zu relativieren. Da entwickeln sich Leute trotz üben rückwärts.

@Bernd Auch wenn Ulrich es besonders geschickt schafft Dich scheinbar rein sachlich anzumachen, Du wirst immer persönlich wenn Du gestresst bist.
Da gehst Du dann so hart ran, dass Du Dich per se ins Unrecht setzt, ohne dass die Sachfrage überhaupt Relevanz hat.
Ulrich Peperle
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Beitragvon Ulrich Peperle » Sa Mär 15, 2014 2:27 pm

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Hanjo

Beitragvon Hanjo » Sa Mär 15, 2014 2:47 pm

Sorry Ulrich,
mit freiem Markt für freie Bürger hat das rein gar nichts zu tun. Stell Dir vor Du erwachst nach einer Blinddarm OP und erfährst, dass der Chirurg ein Klempner ist, der jetzt zum 2ten Mal in der Freizeit operiert hat. Seine Kenntnisse hat er sich in Doku Soaps angeeignet. Zum Glück undenkbar.
Wenn ich einen Elektriker bezahle will ich einen Handwerker, der das gelernt hat. Beim Architekten verlasse ich mich darauf, dass das Haus nicht zusammenbricht. Und was auf der Gitarre zeigen darf jeder. Aber die Berufsbezeichnung zu schützen ist Mindeststandard. Wenn der Titel nicht geschützt ist, benutzt ihn jeder halt zurecht.
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Beitragvon tele » Sa Mär 15, 2014 3:03 pm

[quote]Leider kann sich auch jeder Hinz und Kunz Gitarrelehrer nennen.
Das ist wohl wahr, in Deutschland ist die Berufsbezeichnung "Gitarrenlehrer" ebensoweing geschützt, wie die Bezeichnung "Übersetzer", wahrscheinlich weil es in beiden Bereichen genügend Beispiele für Menschen gibt, die das hobbymäßig betreiben und sich trotzdem ganz wacker aus der Affäre ziehen.
Obwohl ich dem Thema Autodidaktik der klassischen Gitarre durchaus aufgeschlossen gegenüber stehe, will ich jetzt doch mal eine Lanze brechen für den Berufsstand des professionellen Musikschullehrers.
Ich denke, ein relativ sicherer Weg, einen qualifizierten Lehrer zu finden, ist, sich bei einer VdM-Musikschule nach einem Lehrer mit einem Hochschuldiplom im Bereich Musikerziehung mit Hauptfach klassischer Gitarre zu erkundigen. Vorraussetzung für den Erwerb eines solchen Diploms ist ein 4-jähriges Studium, während dessen nicht nur hohe Fachkompetenz auf dem Instrument, sondern daneben Fächer wie Pädagogik, Didaktik, Musiktheorie, Musikgeschichte, Gehörbildung, Ensemblemusizieren u.s.w. vermittelt werden. Ein Student der ein Instrumentallehrer-Diplom erlangen will, muss z.B. Lehrproben halten, wo seine methodischen Fehler diskutiert werden und den Lehrproben seiner Komillitonen beiwohnen.
Sicher, sich vertraglich an eine Musikschule zu binden bringt viele scheinbare Nachteile für den Klienten: Durchbezahlen der Ferienzeit, Bezahlung von aus eigenem Verschulden ausgefallenen Stunden...Dies dient aber lediglich dazu, einem professionellen Musiklehrer ein einigermaßen geregeltes Einkommen bei einigermaßen planbarer Arbeitszeit zu garantieren. Warum sollte er auf sein Honorar verzichten, nur weil sich der Schüler 20 Minuten vor Beginn der Unterrichtsstunde überlegt, dass er bei dem schönen Wetter doch lieber seinen Garten umgräbt?
Natürlich kann es einem auch an einer Musikschule passieren, dass man an einen komischen Kauz gerät, mit dem man persönlich nicht klarkommt, aber dann genügt in der Regel ein Gespräch mit dem Leiter der Musikschule, der dann eine Alternative empfiehlt.
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Holger Hendel
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Beitragvon Holger Hendel » Sa Mär 15, 2014 3:25 pm

Wenn der Titel nicht geschützt ist, benutzt ihn jeder halt zurecht.


;) Natürlich doch - mit wachsender Begeisterung...und ganz besonders kreative Dienstleister erkennt man an Unternehmensnamen wie "Gitarreninstitut an der Elbe" o.ä.

Vor einigen Jahren habe ich mich sehr gefreut im letzten "Diplom"-Jahrgang zu sein in meinem Fach, vor Umstellung auf Bachelor & co. Aus heutiger kann ich sagen: Hätte ich die Freude mal für etwas wirklich wichtiges eingesetzt; insbesondere in der Welt der Musik, Kunst etc. darf man es sich erlauben, die Beherrschung eines Musikinstruments nicht nur als Handwerk zu verstehen. Würde jemand ernsthaft (also mit einer gewissen Zielführung ;) ) auf die Idee kommen die re. Hand Spieltechnik von Doc Watson zu kritisieren? Sie bietet genug Angriffsfläche, aus heutiger Sicht...und es ist, war und bleibt Doc Watson der mit dieser Technik und seinen aufgenommenen Songs unsterblich geworden ist. 8)

Aber hey - habt ihr es denn noch nicht mitbekommen? Konventioneller Unterricht ist ohnehin Schnee von gestern...

http://sologuru.de/bilder/Vergleich-Dia ... lehrer.png

:lol:
http://www.holgerhendel.com
Heavy Silence - Wir shuffeln das! | Akustik-Rock-Cover

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