Klassische Gitarre lernen

Alles über die klassischen Spielweisen

Moderator: RB

Ulrich Peperle
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tele
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Beitrag von tele »

@Ulrich: So wie man ein Buch, gefüllt mit Halbwissen und Spinnereien, erwerben kann, so kann man an einen halbwissenden Spinner als Lehrer geraten. Nur ist es realistischer seine Information aus mehreren Büchern gleichzeitig zu ziehen, als bei mehreren Lehrern gleichzeitig Unterricht zu nehmen. Wenn das rauskommt, dann ist das Eifersuchtsdrama vorprogrammiert.

Wie man das vermeidet, und gleich an einen guten Lehrer gerät, darüber habe ich ja schon doziert, es gab auch einige Einwände, die durchaus berechtigt waren. Ich hatte es ja als ziemlich sicheren Weg dargestellt, sich an eine Musikschule in öffentlicher Trägerschaft zu wenden, und nach einem klassischen Gitarrenlehrer zu fragen. Ulrich hat aber eingewandt, dass an Musikschulen teilweise fachfremde Kräfte unterrichten und Bernd, dass auch private Musikschulen ihre Daseinsberechtigung haben. Beides ist wohl wahr, und ich habe nicht den Überblick über das deutsche Musikschulwesen, dass ich mich für die musikalische Qualifikation aller Kräfte an solchen Instituten generell verbürgen könnte. Ich habe das eher mal als erste Anlaufstelle für den komplett Ahnungslosen gesehen.
Ob aber über Musikschule, Annonce in der Zeitung oder das Internet, wichtig scheint mir, dass der Lehrer klassische Gitarre an einer Hochschule studiert haben sollte. Hierbei sei vor folgenden Etikettenschwindeln gewarnt:

-"Ich verfüge über ein abgeschlossenes Musikstudium", kann auch jemand behaupten, der einen Magister-Artium (heute Bachelor) in Musikwissenschaft erworben hat. Dieses eher theoretische Studium an einer Universität befähigt den Absolventen vielleicht in der örtlichen Tageszeitung eine sachkundige Kritik über das letzte Konzert des Ensembles für alte Musik im Saal der VHS zu schreiben, als Qualifikation für klassischen Gitarrenunterricht taugt es ebensowenig, wie ein Gesellenbrief als KFZ-Mechatroniker.

-"Ich habe Gitarre an einer Hochschule studiert" kann ein Klarinettist behaupten, der im Rahmen eines Lehramtsstudiums für Grund-Haupt-und Gesamtschule an einer pädagogischen Hochschule Kurse in schulpraktischen Gitarrenspiel belegt hat. Das befähigt ihn vielleicht, seine Schulklasse bei ihren Gesangsversuchen zu begleiten, als Qualifikation für klassischen Gitarrenunterricht....

Zu meiner Zeit, als es noch das gute alte Diplom gab, war die Zielsetzung eines instrumentalpädagogischen Studiums von vornhereinklar, erst studierte man 8 Semester im Gundstudium, um ein Diplom als "Privatmusikerzieher" (im Gegensatz zum Lehrer an allgemeinbildenden Schulen) zu erwerben, dann konnte man bei entsprechender Begabung ( bei mir leider nicht vorhanden) die höheren Weihen der Konzertreife erlangen.(Ich muss mich hingegen mit gelegentlichen Auftritten auf Vernissagen zufiedengeben.)
Im Zeitalter von Bachelor und Modulen scheint der Gitarrist schon während des Grundstudiums eher in pädagogischer oder künstlerischer Richtung studieren zu können, so ganz blicke ich da nicht durch, wichtig scheint mir aber, dass er eine Eignungsprüfung (15 min Vortrag von Stücken aus 3 Epochen), 8 Semester Einzelunterricht und eine Abschlussprüfung (60 min Vortrag) absolviert hat.
Ich denke, wer das bewerkstelligt hat, bei dem ist die Gefahr ein halbwissender Spinner zu sein, einigermaßen gebannt.

So, in meiner nächsten Kolumne fasse ich dann noch einmal meine Literaturtipps fürs mögliche Selbstsudium zusammen, bis dahin viel Erfolg bei der Suche nach dem definitiven Gitarrenguru...
Bernd C. Hoffmann
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Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Ich halte die Anmerkung mit Büchern, die mit Halbwissen gefüllt sind, für falsch. Natürlich kann man als Nichtwissender nicht entscheiden, ob ein Buch was taugt. Aber wenn man sich Empfehlungen von Leuten holt, die sich auskennen, kann man das Problem vernachlässigen. Es ist ja auch so, dass die Autoren innerhalb ihres Kompetenzbereichs bewegen und weitläufig bekannt sind. Von daher ist es durchaus ok, wenn man sein erstes Wissen aus geeigneten Büchern bezieht.

Davon abgesehen sind längst nicht ausschließlich diplomierte Gitarrenpädagogen gute Stoffvermittler. Gerade, wenn jemand ausschließlich an einfacher Liedbegleitung interessiert ist, kann man sich überlegen, ob man das nicht auch bei einem Freizeitgitarristen lernen kann und damit eine Menge Geld spart, die durch einen diplomierten Pädagogen auch nicht mehr Wert darstellen. Ob die einfache Liedbegleitung allerdings das ist, was das Gitarrenspiel eigentlich ausmacht, steht auf einem ganz anderem Blatt.

Geht es um Klassik, dann ist es zunehmend eine Geldfrage, ob ich zu einem Diplomierten gehe oder zu jemand, der auf einem gewissen Niveau spielt und pädagogische Fähigkeiten hat, mit denen er gezielte Unterrichtspläne für die jeweiligen Schüler aufstellen kann, an denen er sich orientiert. Sowas spricht sich schnell herum. Liederbolt unterrichtet bis Unterstufe 2 und reicht seine Schüler danach weiter. Ich hatte es genauso bis zur Mittelstufe gemacht. Dabei ist es ein Unterschied, ob man es nebenher oder hauptberuflich macht. Schüler, die dann aus Kostengründen zu einem "5 € Lehrer" aus der Parallelklasse im 7. oder 8. Schuljahr gehen, sind dann erstmal weg. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die meisten bald wieder zurück waren. Soviel zu meiner Erfahrung.

Man kann durchaus mit Büchern lernen. Was man an Kosten damit einspart, ist rein praktisch nur ein Kompromiss, mit dem man das Risiko für eingeschlichene, unbewusste Fehler bezahlt. Deswegen hatte ich mir von Profis auf die Finger schauen lassen und bin sehr gut damit gefahren. Nur weil zu beobachten ist, dass dies bei einigen Leuten funktioniert, sollte man nicht daraus schließen, dass es auch allgemein funktioniert, denn insbesondere ist es eine Frage von hoher Selbstdisziplin und Ausdauer, die ein entsprechendes Umfeld erfordert.
Liebe Grüße
Bernd
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Ulrich Peperle
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Beitrag von Ulrich Peperle »

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OV1667
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Beitrag von OV1667 »

Irgendwie liegt die "Wahrheit" Unterricht vs. reines Selbststudium vielleicht dazwischen? Wenn ich 1...2 mal in der Woche für je eine Stunde Unterricht nehme, übe ich dazwischen ja auch alleine. Mit Unterricht reflektiert jemand von außen meine Fortschritte und korrigiert ggf. (nach eigenem Wissen und sicherlich auch eigener Meinung/Philosophie) Fehler. Ohne Unterricht bin ich auf meine Eigenreflexion angewiesen und genau die macht für mich den "erfolgreichen Autodidakten" aus: erkennen, dass, neben viel Übung, auch technische, Haltungs- oder sonstige Fehler mich am Weiterkommen hindern.
Nehmen die angesprochenen Bücher solche Themen auf? Finde ich dort Antworten zu genau meinen Problemen und davor auch Hinweise, diese (selbst) zu erkennen?
Ein Selbstdarsteller mit DER Methode macht mich (live wie online) eher misstrauisch. Ich erfahre fast jeden Tag, auf wie viele unterschiedliche Arten und Weisen ich Lehrgangsteilnehmern den Stoff vermitteln kann und auch muss, da nicht jeder gleich lernt. Die veraltete "Friss-oder-stirb-von-oben-herab-Methode" ist lange überholt. Das gilt aber für Lehrer wie Autoren gleichermaßen.
Nur meine Wahrnehmung ...

Andreas wird sich der Nachteile des Selbststudiums bewusst sein aber er hat Gründe für diese Unterrichtsform. Ich, an seiner Stelle, wäre froh über die gegebenen Hinweise und suchte nun meinerseits nach Wegen, zumindest zu Anfang und dann in den mir möglichen, regelmäßigen Abständen einen Lehrer aufzusuchen.

In meinem Job ist Fernunterricht und e-Learning seit einiger Zeit ein Thema. Beides wird aber immer mit Präsenzveranstaltungen verbunden.
[edit]
Gibt es Musikunterricht in "Coaching-Form"?
[/edit]

Was meint Ihr?
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Ulrich Peperle
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Beitrag von Ulrich Peperle »

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Beitrag von RB »

Ulrich, ich habe aus antiquarischer Liebhaberei Unterrichtswerke aus vergangener Zeit, die mich am schönen Bild einer früher selbstverständlichen höheren Bildungsethik zweifeln lassen, das möchte ich colorandis causa am Rande anmerken.
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OV1667
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Beitrag von OV1667 »

@RB

"Früher" war der Schüler Schuld, wenn er es nicht verstanden hat, heute hat es der Lehrer methodisch-didaktisch nicht richtig gemacht ... OK, etwas schwarz-weiß aber die Tendenz entspricht meiner Wahrnehmung.
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.
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tele
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Beitrag von tele »

"Gerade, wenn jemand ausschließlich an einfacher Liedbegleitung interessiert ist, kann man sich überlegen, ob man das nicht auch bei einem Freizeitgitarristen lernen kann"[quote]

Wenn jemand auschließlich an einfacher Liedbegleitung interessiert ist, kann er das auch bei Youtube-Videos(down-down-up-up-down-up) oder im VHS-Kurs erlernen, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass hier beim anschließenden Kneipenbesuch der gesellige Aspekt des Gitarrespielens betont wird.


"Und dieser Kompetenzbereich ist bisweilen nicht größer, als ein Suppenteller."[quote]

Hier müssste man zuerst mal kären, welcher Kompetenzen es zum Erstellen eines Anfänger-Lehrwerks für Gitarre bedarf. Sind dies ausschließlich Fertigkeiten auf dem Instrument oder gehört dazu auch ein gewisser Basiskontakt zum Bereich des Anfängerunterrichts? Ich denke da speziell an die Gitarrenschule eines bekannten Kölner Konzertgitarristen und Hochschuldozenten. Er verfügt über eine brillante Gitarrentechnik, einen Ton, der, obwohl überwiegend im Tirando erzeugt, so tragfähig ist, dass selbst die Besucher auf den hinteren Rängen seiner Konzerte nicht bereuen, Geld für eine Eintrittskarte hingeblättert zu haben, und, als optisches Pendant zu seinem strahlenden Ton eine silbergrau glänzende Mähne. Ich habe mal erlebt, wie er als Zugabe ein Stück für Gitarre und Ping-Pong-Ball gespielt hat, der Saal hat Kof gestanden. Ein idealer Lehrer also für Meisterkurse und begabte Hochschulstudenten. Aber Anfängerunterricht? Den zu erteilen hat er doch schon lange nicht mehr nötig. Warum er dennoch eine Gitarrenschule für Anfänger verfasst? Ich nehme mal an, weil sich eine Anfängergitarrenschule beim angesagten AMA-Verlag doch öfter verkauft als die Bearbeitung einer Bach-Suite beim eher biederen Schott-Verlag. Nicht, dass seine Schule wirklich schlecht wäre, sie zeichnet sich aber vor allem durch viel weißes Papier, übergroße Griffdiagramme und wenige motivierende Stücke aus (sieht man mal vom flotten "Guitar-Rag ab"). Für 25€ würde ich mir mehr erwarten als bloßes Gewicht, das der arme Schüler dann in seiner Gitarrentasche zur Musikschule schleppen muss.
Meine Erfahrung bei Lehrbüchern: am ehesten findet man sein Glück jenseits der "big names". Aber darauf möchte ich im nächsten Beitrag eingehen (vielleicht Nr.100).
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rwe
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Beitrag von rwe »

tele hat geschrieben: -"Ich verfüge über ein abgeschlossenes Musikstudium", kann auch jemand behaupten, der einen Magister-Artium (heute Bachelor) in Musikwissenschaft erworben hat.
... das wäre ziemlicher Etikettenschwindel, MuWi ist nicht Musik, Musik ist nicht MuWi.
Bernd C. Hoffmann
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Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

tele hat geschrieben:im VHS-Kurs erlernen, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass hier beim anschließenden Kneipenbesuch der gesellige Aspekt des Gitarrespielens betont wird.
Die VHS war damals mein ungewollter Schülerlieferrant. Dabei war es egal, ob man einen Klassik- oder Liedbegleitkurs belegt hat. Der Unterricht richtet sich immer nach den Schlafmützen. Mit solchen Leuten muss man nicht anschließend noch in eine Kneipe gehen ...
tele hat geschrieben:Ein idealer Lehrer also für Meisterkurse und begabte Hochschulstudenten. Aber Anfängerunterricht? Den zu erteilen hat er doch schon lange nicht mehr nötig. Warum er dennoch eine Gitarrenschule für Anfänger verfasst? Ich nehme mal an, weil sich eine Anfängergitarrenschule beim angesagten AMA-Verlag doch öfter verkauft als die Bearbeitung einer Bach-Suite beim eher biederen Schott-Verlag. Nicht, dass seine Schule wirklich schlecht wäre, sie zeichnet sich aber vor allem durch viel weißes Papier, übergroße Griffdiagramme und wenige motivierende Stücke aus (sieht man mal vom flotten "Guitar-Rag ab"). Für 25€ würde ich mir mehr erwarten als bloßes Gewicht, das der arme Schüler dann in seiner Gitarrentasche zur Musikschule schleppen muss.
Ich denke, dass Du das nicht wirklich beurteilen kannst. Hubert Käppel hat seine Bücher nicht nur im AMA Verlag herausgebracht. Insbesondere hat er u. a. pädagogische Bücher für Methodik und Didaktik für alle Spielstufen im Gitarreunterricht geschrieben. Du solltest nicht den Fehler machen, zu verallgemeinern, was Deiner Meinung nach die Nachteile des AMA Lehrwerks betreffen. Dort gibt es nämlich auch zusammengestelltes Ergänzungsmaterial für die Unter- und Mittelstufe, die fast jeder Klassiker schon mal selbst durch hatte. Dir gefällt das Lehrwerk nicht, anderen gefällt es eben doch. Die von Dir angesprochenen übergroßen Griffbilder kenne ich hauptsächlich aus der Tabulaturbearbeitung. Da ich in den 90er Jahren Notensatz gemacht hatte, weiß ich dass Verlage nicht selten erheblichen Einfluss auf das Layout nehmen.
Was seine Lehrtätigkeit für Studenten betrifft, warum sollte er sich nicht hauptsächlich dem widmen, wo er gerade sein Hauptinteresse hat? Ganz egal, ob er das nötig hat, es ist seine persönliche Entscheidung. Davon abgesehen ist es reichlich lukrativer, Meisterkurse für einen bezahlbaren Preis anzubieten anstelle von Anfängerunterricht, den sich nur wenige leisten können werden. Ich finde das völlig in Ordnung.
Liebe Grüße
Bernd
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tele
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Beitrag von tele »

@rwe: Der in musikalsichen Dingen Unkundige weiß das aber nicht, welchem Etikettenschwindel er hier erliegt Ebenso wie es bei Berufen, die sich um das Seelenheil ihrer Mitmenschen bemühen, oft eine ziemliche Vegriffsverwirrung gibt (Psy-Chiater,-Chologe) ist dies bei musikalischen Abschlüssen so. Woher soll der musikalisch unbeleckte wissen, dass der Gitarrenlehrer, der sich ihm vorstellt, Musikwissenschaft studiert hat, weil er die Aufnahmekriterien für ein Musikstudium nicht erfüllt?

@Bernd: Dass der große K die 33 wichtigsten Etuden für die Unterstufe ausgewählt und herausgegeben hat, ist reine Schreibtischarbeit und hat nichts mit der zum Teil schweißtreibenden Realität des Anfängerunterrichts zu tun (90% Transpiration, 10% Inspiration). Ich werfe ihm auch nicht vor, dass er von Meisterkurs zu Meisterkurs jettet, ich denke nur, um eine durch und durch überzeugende Schule für Anfänger zu verfassen, ist er von den Problemstellungen des Anfängerunterrichts für Normalbegabte ein bißchen zu weit weg. Sein ehemaliger Schüler und jetziger AMA-Kollege Jens Kienbaum, der wohl als Gitarrenlehrer an der Musikschule Frechen unterrichtet, verfügt zwar nicht über K's Haarpracht, als Lehrbuchautor zieht er sich aber meiner Meinung nach etwas besser aus der Affäre (Abenteuer Gitarre). Nochmal: ich finde die Käppelschule nicht völlig unbrauchbar, aber im Verhältnis zu der Masse an Papier, das dafür geopfert wird, ist die musikalisch motivierende Substanz doch eher überschaubar,
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Beitrag von rwe »

tele hat geschrieben:@rwe: Der in musikalsichen Dingen Unkundige weiß das aber nicht, welchem Etikettenschwindel er hier erliegt Ebenso wie es bei Berufen, die sich um das Seelenheil ihrer Mitmenschen bemühen, oft eine ziemliche Vegriffsverwirrung gibt (Psy-Chiater,-Chologe) ist dies bei musikalischen Abschlüssen so. Woher soll der musikalisch unbeleckte wissen, dass der Gitarrenlehrer, der sich ihm vorstellt, Musikwissenschaft studiert hat, weil er die Aufnahmekriterien für ein Musikstudium nicht erfüllt?
Was heißt Etikettenschwindel? So lange MuWis sich nicht selbst als studierte Musiker ausgeben (ok, einige sind beides), evtl. ihren Gegenübern das auch noch klar machen, und studierte Musiker sich nicht als Musikwissenschaftler ausgeben, ist doch alles ok. -
Ich selbst kenne keinen Musikwissenschafter (ohne abgeschlossenes Musikstudium), der von sich selbst behaupten würde, dass er "studierter Musiker" sei. Hier ist dann der "mündige Konsument" gefordert (der auch eine falsche Idealvorstellung ist, weiß ich).
Das ist aber auch bei anderen Berufsabschlüssen so, und nicht auf unser Metier beschränkt. ("Du arbeitest doch bei Siemens, kannst Du mir nicht mal eine neue Steckdose legen?")

(Übrigens gibt es auch Leute, die aus anderen Gründen MuWi studiert haben, als auf Grund fehlender Aufnahmekriterien für das Musikstudium.)
Bernd C. Hoffmann
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Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

tele hat geschrieben:aber im Verhältnis zu der Masse an Papier, das dafür geopfert wird, ist die musikalisch motivierende Substanz doch eher überschaubar,
Genau aus dem Grund hat man als Lehrer einen Bestand an ergänzender Sekundärliteratur sowie einen Überblick darüber, was man an welcher Stelle sinnvoll einsetzt. Daher ist es grundsätzlich falsch, dies dem Lehrwerk zuzuschieben. Deine Betrachtung ist also sehr einseitig.
Käppel hat auch seine Fans, die grundsätzlich alles kaufen, was er herausbringt. Die haben auch kein Problem damit, sich elementare Grundzüge aus seinem Lehrwerk zu ziehen, denn nichts anderes hat es zum Ziel.
Liebe Grüße
Bernd
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Principal
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Beitrag von Principal »

Na toll, nach über 30 Jahren Steelstring im Eigenstudium (zu meiner Zeit hat man mit Peter Bursch angefangen...) habe ich aus unerfindlichen Gründen Lust darauf entwickelt, Klassische Gitarre zu erlernen. Also habe ich mit Eifer diesen Faden verfolgt, um zu entscheiden, ob ich es wieder im Selbststudium versuche oder tatsächlich Unterricht nehme.
Nun steh ich da, ich armer Tor und bin so schlau als wie zuvor.
Einmal war ich bei einem Gitarrenlehrer, der hörte sich mein Picking an, kommentierte es mit den Worten: "Du kannst wirklich schön spielen, machst aber alles falsch. Dir kann ich keinen Unterricht geben. :cry:
Ich sehe schon, es läuft auf Selbststudium hinaus, auch wenn ich dann wieder alles falsch mache.
Aber immerhin habe ich schon eine Hanika!
:lol:
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