Stütze oder Fußbank ?

Alles über die klassischen Spielweisen

Moderator: RB

Es335
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Beitrag von Es335 »

Ich bin nach vielen Jahren mit unterschiedlichsten Stützen/Kissen wieder zur Fußbank zurückgekehrt und bin hin und weg, wie natürlich und selbstverständlich mir das Spiel jetzt wieder vorkommt.

Was ist anders? Im Bewußtsein meiner ehemaligen Rückenprobleme, die anderweitig bedingt und durch das Spielen mit Fußbank noch verstärkt wurden, verstehe ich das Gitarrenspiel jetzt auch als körperliche "Anstrengung" und dabei ist die Vorbereitung (warm machen), gelegentliche Lockerung zwischendurch, Aufbau von Verspannungen erkennen und vermeiden und Dehnen zum Schluß eigentlich die Regel.

Seitdem ich das so auffasse und praktiziere, was zum nicht unerheblichen Teil auch eine reine Kopfsache ist, habe ich mit Rückenproblemen kaum noch zu tun. Der "Zeitverlust" beträgt dabei nur ca. 5 min! Das sehe ich übrigens unabhängig davon, ob eine Fußbank oder Stütze verwendet wird.
Ulrich Peperle
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Beitrag von Ulrich Peperle »

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Bernd C. Hoffmann
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Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Ich muss zugeben, dass mein Wechsel zur Stütze nicht so direkt war, wie man es annimmt. Ich hatte immer gerne "hoch" gespielt, d. h. ich habe die Fußbank umgedreht (mit einem Gefälle nach vorn) und sie nah an den Stuhl gezogen. Wegen einer leichten Arthrose am Handgelenk hatte ich nach einigen Minuten Schmerzen bekommen. Darum habe ich mit überschlagenem Bein (rechts über links) für ein paar Jahre eingenommen. Stützkissen und Stütze hatte ich in den 90er Jahren schon ausprobiert und fand es klasse. Allerdings hatten insbesondere die Stützen noch den Ruf einer Hilfsprothese, während mir das Stützkissen zu aufwändig war; bei jedem Aufstehen muss man es erst in die Hand nehmen. Als die Stützen dann Salonfähig wurden, bin ich "mitgeschwommen".

Zwischendrin, auch beim Testen im Musikhandel, spiele ich mit dem überschlagenem Bein. Aber die Stütze möchte ich nicht mehr missen.
Liebe Grüße
Bernd
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tele
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Beitrag von tele »

Ich predige ja immer, dass Instrumentallehrer neueren Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen sein sollten und will das jetzt mal selbst beherzigen und eine Stütze ausprobieren. Ob ich sie dann tatsächlich dauerhaft einsetze, wird sich zeigen. Ich habe ein bißchen recherchiert und denke, es wird auf eine Ergoplay Tappert hinauslaufen. Eine Sache gibt es da aber, die mir Bedenken macht: bei Thomann auf der Produktseite steht, dass sie nicht für Nitrolack geeignet ist. Meine Hanika ist zwar nicht mit Nitro-sondern mit Schelllack lackiert, der ist aber extrem empfindlich. Als ich die Gitarre neu hatte, habe ich einmal den Fehler gemacht, sie für Strumming zu benutzen, und schon waren unschöne Kratzer im Deckenlack. Man kann natürlich argumentieren, das sind normale Gebrauchsspuren, aber die Attraktion von Relic-oder Roadworngitarren wird mir wohl auf immer verborgen bleiben. Deshalb jetzt meine Frage: hat jemand von euch Erfahrungen mit der Kombination Saugnapf-Schelllack?
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juergenfr
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Beitrag von juergenfr »

Hallo Tele,

Ich spiele auch eine Hanika mit Schellack. Benutze von Anfang an eine Tappert Ergoplay Stütze. Keinerlei Probleme. Dort wo die Saugnäpfe der Stütze an der Gitarre platziert werden, habe ich die mitgelieferte Folie aufgebracht.

LG
Jürgen
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tele
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Beitrag von tele »

Und die Folie ist selbstklebend, schadet aber dem Lack nicht?
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juergenfr
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Beitrag von juergenfr »

Hallo Tele,

Beobachte und überprüfe die Folie regelmäßig. Keine negativen Auffälligkeiten bisher.

LG
Jürgen
Kerstin Muc
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Beitrag von Kerstin Muc »

Hallo in die Runde,

Ich mag diebErgoplay Stütze sehr, bin aber wieder zur Fußbank zurückgekehrt. Warum? Nun trotz Folie am Korpus und Pflege der Saugnäpfe hält meine Stütze einfach nicht dauerhaft. Und das ständige Nachjustieren, wieder anpappen der Stütze, hat mich auf Dauer genervt.

Wenn jemand eine Lösung hat, wie die Saugnäpfe richtig lange halten (hatte die Gitarre immer mit Stütze in den Ständern gestellt) freue ich mich über Tipps.

Bis dahin Fußbank .

LG kerstin
Bernd C. Hoffmann
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Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Es gibt auch die Wolf-Stütze, die ohne Saugnäpfe auskommt. Sie hat eine Klemmvorrichtung für die Übergange an Decke, Boden und Zarge und wird über ein Gewindeschaft mit Stützplatte aufs Bein gelegt.
Liebe Grüße
Bernd
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docsteve
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Beitrag von docsteve »

Ich spiele die Ergoplay mit einer Schellack-lackierten Gitarre und kann weder durch die Saugnäpfe noch durch die Folie irgendwelche Lackschäden feststellen. Da ist meine Spielweise wesentlich schädigender (das Instrument ist deswegen gerade beim Doc, aber das ist eine andere Geschichte. Dort habe ich mit Fußbank ein paar Instrumente ausprobiert, war sehr ungewohnt).

@Kerstin: Die Stütze ist nicht zum Dranlassen gedacht. Auch bei meiner hochglanzversiegelten Yamaha bin ich mal nachts wachgeworden, als die Stütze sich verabschiedet hat. Seitdem nehme ich die Stütze nach dem Spiel und in den Pausen ab - ich stell ja nach dem Üben den Stuhl auch wieder zurück. Die Lösung befindet sich also nicht unter, sondern hinter der Gitarre ;-)

Noch ein paar Argumente:

+ Stütze kann schnell mal verstellt werden
+ Stütze kann stufenlos verstellt werden und passt sich im Winkel an
+ keine Probleme mit dem Lack
- Stellschraube klemmt manchmal
- Stütze hält nicht dauerhaft an der Gitarre,
+ aber das tut eine Fußbank auch nicht ;-)

Viele Grüße, Stephan
mrguitarpete
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Fußbank vs Stütze

Beitrag von mrguitarpete »

Fußbank:

+ sehr stabile Haltung
+ leichter zu verstauen als Ergoplay
+ keine Veränderung an der Gitarre

- einseitige Haltung, die auf Dauer zu Verspannungen führen KANN - dies lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Dispositionen der einzelnen Spieler nicht verallgemeinern
- man ist als Spieler sehr "fixiert" und genießt wenig Bewegungsfreiheit, was die einseitige Haltung noch verstärkt



Stütze (Ergoplay)

+ lässt sich durch unterschiedliche Höhen und sogar Neigungswinkel sehr ergonomisch einstellen
+ beide Füße auf dem Boden, bessere Zentrierung, bessere Position der Wirbelsäule
+ deutlich geringere Anfälligkeit für Rückenprobleme

- etwas instabiler als die Haltung mit dem Fußbänkchen. Das wirkt sich aber erst in besonderen Spielsituationen aus wie z.B. Llobos-Etüde Nr 2. die spiele ich lieber mit Fußbänkchen, da die Gitarre hier mit 4 körpernahen Kontaktpunkten besser fixiert ist (die Stütze hat nur 3 Kontaktpunke, der 3te auf dem Bein ist zudem nicht körpernah)
- unhygienische Befestigung, Spuren auf dem Lack
- nicht für alle Lackierungen geeignet (z.B. Lasur oder Schellack), weitere Hilfsmittelnötig
- nimmt beim Transport mehr Platz weg, in einem Gitarrenkoffer kaum zu transportieren

Unterm Strich - nachdem ich viele Tausend Stunden mit Fußbänkchen gespielt hatte, möchte ich heute die Stütze nicht mehr missen, da der Entlastungsfaktor für mich wesentlich höhere Priorität hat, als die Stabilität der Haltung. Ich verwende sie seit 1997. Für bestimmte Stücke bevorzuge ich trotzdem das Bänkchen, was aber kaum noch zum Einsatz kommt.

Greetz, euer mrguitarpete
Das Leben ist zu kurz für eine schlechte Gitarre
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tele
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Beitrag von tele »

Die Alternative zur herkömmlichen Gitarrenfußbank:der Nursing Stool.http://www.amazon.com/My-Brest-Friend-A ... sing+stool,benutzt vom Präsidenten der Sacramento Guitar Society.http://www.youtube.com/watch?v=pS7iNbgS-kQ
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RB
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Beitrag von RB »

@Ulrich: im Steelstring-Bereich gibt es keine "Haltungstradition", die den Haltungslehren und -diskursen des klassischen Gitarrenspiels vergleichbar wäre.
Ulrich Peperle
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Beitrag von Ulrich Peperle »

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Holger Hendel
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Beitrag von Holger Hendel »

Hier ist mein Fußstuhl, verstärkt für die Ewigkeit. Der wird gewiss nicht unter mir auseinanderfallen wie viele der anderen, die dafür aber professionellen Ansprüchen genügen.

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