Arpeggio und Daumen Apoyando

Alles über die klassischen Spielweisen

Moderator: RB

Benutzeravatar
bandit67
Beiträge: 42
Registriert: So Mai 18, 2014 6:11 pm

Arpeggio und Daumen Apoyando

Beitrag von bandit67 »

Hallo Zusammen,

Heute war mir mal danach etwas zu probieren, was in meiner Gitarrenschule noch gar nicht dran ist und dabei kommen meistens irgendwelche blöden Fragen auf. :D

Mir ist eine Internetseite eingefallen auf der als erste Anschlagsübung ein Arpeggio auf offenen Saiten geübt wird und das wollte ich probieren.
http://www.gitarrenlinks.de/workshops/rechte_hand.htm

Der Anschlag an sich funktioniert bei mir einiger maßen, sowohl Apoyando als auch Tirando mit P I M A , wobei der Daumen immer Tirando schlägt, Apoyando mit dem Daumen krieg ich noch nicht hin, egal.
Aber das ganze geht bei mir nur wenn ich wie gewohnt aus der Luft anschlage und nicht wie gefordert die Finger nach jedem Schlag sofort wieder auf die Saiten lege um den nächsten Schlag sozusagen vor zu bereiten.
Dabei verkrampfe ich leider ziemlich.
Nun meine Frage, ist das üblich bzw. notwendig für bestimmte Situationen ein Arpeggio als quasie vorbereiteten Anschlag zu spielen mit dem sofortigen abdämpfen der Saite?
Muss bzw. sollte ich das weiterüben?
Ich fürchte ich weiß schon was kommt aber ich wollte sichergehen. 8)

Gruß
RG
Zuletzt geändert von bandit67 am So Jul 13, 2014 8:05 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Ich denke, das sofortige Legen der Finger auf die Saite, die er gerade gespielt hat, hat hauptsächlich den Sinn, das Hangelenk zu stabilisieren, damit die Anschlagbewegung wirklich aus dem Fingergelenk kommt. Musikalisch macht das nämlich keinen Sinn, die Akkordtöne sollen ja zusammenklingen. Also ruhig aus der Luft anschlagen, wenn du darauf achtest, dass das Handgelenk ruhig ist.
Benutzeravatar
bandit67
Beiträge: 42
Registriert: So Mai 18, 2014 6:11 pm

Beitrag von bandit67 »

Hallo Tele,

vielen dank für die Antwort, das ist ja besser als ich gehofft hatte.
Das Problem mit dem instabilen bzw. einknickenden oder verrutschenden Handgelenk habe ich übrigens wenn ich versuche Apoyando mit dem Daumen zu spielen, weshalb ich damit noch warte bis ich mir das mal live zeigen lassen kann aber das ist eine andere Geschichte.

Gruß
RG
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Appoyando mit dem Daumen gespielt habe, der ist doch so schon laut genug. :wink:
Ich habe bei Youtube gerade mal "Thumb Rest Stroke" eingegeben.
Es scheint so als ob die Daumen-Appoyando-Technik im Flamenco verbreitet ist, sogar mit einer Bewegung aus dem Handgelenk,http://www.youtube.com/watch?v=3l-pPSt4CXY
Aber für Renaissance, Barock oder Klassik scheint mir das eher schädlich, hier kommst du erst mal mit dem Tirando aus.
Vielleicht wenn eine Bassmelodie besonders betont werden soll, wie beim Prelude Nr. 1 von Villa-Lobos http://www.youtube.com/watch?v=3l-pPSt4CXY
Aber über sowas würde ich mir erst mal keine Sorgen machen.
Benutzeravatar
bandit67
Beiträge: 42
Registriert: So Mai 18, 2014 6:11 pm

Beitrag von bandit67 »

Hallo Tele,

danke für deine Recherchen, ich denke ja auch das ich im Moment mit Tirando gut bedient bin aber irgendwann möchte ich auch noch Apoyando lernen.
In meinem Buch gibt es auf Seite 35 das Stück "Pay Me" welches komplett mit Daumenapoyando gespielt werden soll, deshalb habe ich die Sinnhaftigkeit auch bis jetzt nicht hinterfragt.
Aber gut zu wissen das Tirando auch erst mal reicht.

Gruß
RG
Ulrich Peperle
Beiträge: 643
Registriert: Do Sep 01, 2005 1:27 am

Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 10:00 am, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
juergenfr
Beiträge: 8
Registriert: Di Jul 30, 2013 4:32 am
Wohnort: 49635 Badbergen

Beitrag von juergenfr »

@Ulrich Peperle
Hallo Ulrich. Mein Kompliment. Du hast es treffsicher und sehr gut erklärt.
Deinen Ausführungen ist, meiner Meinung nach, nichts mehr hinzuzufügen.

LG
Jürgen
Der Papa
Beiträge: 328
Registriert: Mo Feb 06, 2012 1:34 pm
Wohnort: Finsdorf

Beitrag von Der Papa »

Ich bin wie immer geschockt, wie Ulrich
diese Details in den Abläufen auf dem Punkt
bringt :shock:

Hervorragend :r: :!:
Benutzeravatar
JazzDude
Beiträge: 2068
Registriert: Di Aug 28, 2012 7:54 pm
Wohnort: Bielefeld
Kontaktdaten:

Beitrag von JazzDude »

Ulrich Peperle hat geschrieben:Apoyando ist nicht nur eine Frage der Lautstärke, sondern der Klangfarbe und des technischen Spielflusses. Wenn dein tirando-Daumen in Relation zu den Fingern "schon laut genug" ist, ist dein Fingeranschlag wahrscheinlich zu leise ;) !
Das Problem kenn ich! Bei mir ist der Daumen auch tirando meist lauter als die Finger. Gibt es spezielle Übungen, um die Balance zu verbessern?
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Den wissenschaftlichen Ausführungen von Ulrich habe ich natürlich nur dilettantisches Gelaber entgegenzustzen, abe ich denke für den Anfang genügt es, sich auf einen Tirando-Daumen zu konzentrieren und in der Oberstimme beide Anschlagarten zu kultivieren. Später kann dann, als Spezialeffekt der Appoyando-Daumen geübt werden. Wichtig ist am Anfang auch, sich nicht zu verzetteln. :wink:
Ich habe gerade noch mal diverse Gitarrenschulen durchgeblättert und festgestellt: der Daumenschlag wird hier ausschließlich im Tirando gelehrt. In den Schulen von Teuchert, Käppel, Langer oder Kreidler wird ausdrücklich betont, dass der Daumen nach dem Anschlag die nächsttiefere Saite nicht berührt.
Lediglich Christopher Parkening erwähnt die Möglichkeit des Thumb-Rest-Strokes, meint aber gleich:"The thumb is most often played free stroke".
Die Versuchung beim Antworten auf solche Anfragen ist natürlich immer da, die eigene Erudition zu beweisen, anstatt konkrete Tipps für den Fragesteller zu geben, aber ich denke, in Übereinstimmung mit den Autoren der Gitarrenschulen mache ich nichts falsch, wenn ich empfehle: Damen-Appoyando erst mal vergessen. :!:

Different strokes for different foks :wink:
Benutzeravatar
bandit67
Beiträge: 42
Registriert: So Mai 18, 2014 6:11 pm

Beitrag von bandit67 »

Vielen Dank an Alle die sich hier so rege beteiligt haben!

Das ganze sollte eine kleine Abwechslung vom normalen Übungsalltag werden aber ich werde mich bestimmt nicht all zu sehr verzetteln oder stressen.

@Ulrich Peperle,

Danke für Deine ausführlichen Übungen, das hat spaß gemacht!
Mein Favorit ist natürlich immer noch der 2. Anschlag, der erste geht auch noch aber ich habe bei dieser Übung noch große Probleme mit dem Timing, es entsteht immer eine kleine Pause weil ich das anschlagen von P und das aufsetzen der restlichen Finger noch nicht so synchron hinbekomme.
Und die Harfen Übung, was soll ich dazu sagen, das ist ja was für die ganz
harten, da habe ich noch nicht die richtige Koordination dafür.

Sehr gut ist auch die Daumen Übung, wenn ich mit den zwei am weitesten entfernten Saiten beginne geht es tatsächlich besser allerdings fällt es mir leichter M P I zu spielen als M P keine Ahnung warum.

So jetzt widme ich mich wieder meiner Gitarrenschule und bleibe schön auf dem Teppich!!!

Einen schönen Sonntag noch an Alle
Gruß
RG

P.S. und bitte nicht Streiten, letzten Endes kann man doch von allen Antworten profitieren.
Ulrich Peperle
Beiträge: 643
Registriert: Do Sep 01, 2005 1:27 am

Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 10:01 am, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Interessantes Hintergrundwissen! Aber gibt es denn überhaupt eine Nicht-Flamenco-Anfängerschule, die den Appoyando-Daumen lehrt? In Jean Maurice Mourats "six cordes.. une guitare" ist zum Beispiel zu lesen: "La Pouce devra éviter de toucher une corde voisine". (Der Daumen sollte vermeiden,eine benachbarte Saite zu berühren.)
Oder in Kindergitarrenschulen wie "Fridolin" steht ähnliches...
Benutzeravatar
bandit67
Beiträge: 42
Registriert: So Mai 18, 2014 6:11 pm

Beitrag von bandit67 »

Nabend,

@Tele und Ulrich,
Ich hab jetzt mal den Thread Titel leicht abgeändert damit es wieder passt!

Übrigens ich hätte bei Jedem von Euch gerne richtigen Unterricht (obwohl ich bei Ulrich wahrscheinlich Angst hätte es gibt einen blauen Brief an meine Eltern wenn ich nicht genug Übe! :D ) denn ich denke Ihr Beide versteht Euer Handwerk.

Gruß
RG

P.S. Und jetzt wird aber Fußball geguckt!!
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

einen überragend voluminösen Ton erreichen kann - das reicht mir schon als Argument.
Wobei ich mich aber frage, ob schieres Klangvolumen eine der Prioritäten beim Erlernen des klassischen Gitarrenspiels darstellt?
Ich für meinen Teil habe mich mit dem Saloncharakter meines Tons arrangiert.
Aber ich muss ja auch nicht gegen lärmende Kastgnetten ankämpfen. :wink: http://www.youtube.com/watch?v=3YB4agGh1b8
Deshalb bleibe ich, ganz ohne ideologisch begründete Referenzen auf irgendwelche gitarrsitische Vaterfiguren dabei:
Erlernt man klassische Gitarre für den Hausgebrauch, kann man das Daumenappoyando erst mal hintanstellen!

@bandit 67:Ich hoffe unsere Fachsimpeleien nehmen dir nicht die Lust nehmen. Aber wie beim Fußball: Ohne dass Olli Kahn seinen Senf dazugibt, läuft gar nichts. :wink:
Antworten