Bach für Gitarre

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tele
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Bach für Gitarre

Beitragvon tele » Do Apr 09, 2015 7:09 am

Im Gegensatz zu seinen Kollegen Sanz und de Visée hat der Thomaskantor wahrscheinlich nie im Leben eine Klampfe in den Fingern gehabt. Und selbst bei seinen Lautensuiten ist sich die Fachwelt wohl nicht ganz einig, ob die tatsächlich für das Zupfinstrument Laute oder für das Keyboard Lautenwerk komponiert wurden.
Trotzdem sind Bach-Stücke aus dem Repertoire klassischer Gitarristen nicht mehr wegzudenken, seien es Transkriptionen jener Lautensuiten, der Suiten für Cello, Violine oder Transkriptionen von Stücken für andere Instrumente.
Eine Art "Bach's gratest hits for guitar" bietet das Heft "Bach for Guitar" von Martin Hegel erschienen bei Schott.http://www.schott-musik.de/shop/1/show,306351.html
Darin sind 27 Stücke von Bach mit Fingersätzen für die linke Hand für Gitarre eingerichtet.
Zu finden sind neben den "üblichem Verdächtigen", dem Prelude in d-moll BWV999 oder der Bourrèe in e-moll BWV996 auch Stücke, die man erst mal nicht mit der Gitarre in Verbindung bringen würde.Die Badinerie in h-moll, ein beliebtes Showstück für virtuose Flötisten.https://www.youtube.com/watch?v=Gf1ngUirGD4
Dass es bei entsprechender Technik auch auf der Gitarre kilngt, zeigt der Autor des Hefts.https://www.youtube.com/watch?v=lefQxQmhwMs

Ein Kuriosum in Bachs Schaffen, das ich durch das Heft erst entdeckt habe, ist die Arie "So oft ich meine Tobackspfeife"https://www.youtube.com/watch?v=fkgKdVzexsI
Auf der Gitarre klingt sie hoffentlich weniger gesundheitsschädlichhttps://www.youtube.com/watch?v=mOlZyT3yBWM

Was sind eure Erfahrungen mit Bach auf der Gitarre? Welche Ausgaben bevorzugt ihr?
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JazzDude
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Beitragvon JazzDude » Do Apr 09, 2015 8:18 am

Ich habe auch das Heft von Martin Hegel.
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Filigran
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Beitragvon Filigran » Do Apr 09, 2015 9:12 am

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Ulrich Peperle
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Beitragvon Ulrich Peperle » Do Apr 09, 2015 10:59 am

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JazzDude
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Beitragvon JazzDude » Do Apr 09, 2015 12:07 pm

Mich beeindruckt bei Bach neben der Erhabenheit und dem emotionalen Gehalt die Unversalität der Musik. Bachs Stücke klingen auf verschiedenen Instrumenten gut, für meine Ohren. Ich empfinde seine Musik oft als transzendierend, allgemeingültig, zeitlos. Ich habe allerdings überhaupt keine Ahnung von Barockmusik, kann also nichts über die Qualitäten der verschiedenen Transkriptoren sagen. Ich spiel das einfach gern, egal, ob Klavier-, Lauten- oder Cello-Stücke. Nebenbei kann man zB. Teile der Violin-Sonaten und Partiten auf der Stahlsaitengitarre als alternate picking-Übung mißbrauchen. :wink:

Eine der interessanteren Interpretationen auf anderen Instrumenten ist zB. diese Aufnahme des Brandenburgischen Konzertes No. 3.

Oder das Orgelvorspiel "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" auf der 8-saitigen Gitarre.
Filigran
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Beitragvon Filigran » Do Apr 09, 2015 12:21 pm

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Zuletzt geändert von Filigran am Mi Mai 18, 2016 5:26 pm, insgesamt 2-mal geändert.
jürgenM

Beitragvon jürgenM » Do Apr 09, 2015 8:57 pm

Bin ich ungebildet oder einfach nur doof?

Ich habe in meiner Zeit als Blasmusiker nie kapiert, was an Bach so toll sein soll.
Ich fand diese Musik immer so mathematisch, logisch, vorausschaubar...

Irgendwie bedrückend, protestantisch, calvinistisch...lustfeindlich.

Jetzt mal ohne Quatsch: Kann mir mal jemand erklären, was an Bach so toll sein soll? Das Bildungsbürgertum in aller Wellt schmückt sich mit Bachkenntnis...ich finde diese Musik kalt.

Ganz ehrliche Frage: Habe ich da irgendwas nicht kapiert?

Gruß...j.

PS. und edit: "Jesu bleibet meine Freude" ist für Gitarre gut geeignet, scheint mir aber mehr eine Tonübung als ein herzerweichendes Vortragsstück zu sein
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Beitragvon Toco » Fr Apr 10, 2015 8:48 am

Ach, wie schön.... mir geht es ganz genauso wie jürgenM! :)
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Liederbolt
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Beitragvon Liederbolt » Fr Apr 10, 2015 9:19 am

jürgenM hat geschrieben:
Jetzt mal ohne Quatsch: Kann mir mal jemand erklären, was an Bach so toll sein soll? Das Bildungsbürgertum in aller Wellt schmückt sich mit Bachkenntnis...ich finde diese Musik kalt.


"Ich sprach mir's aus: als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte, wie sich's etwa in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung möchte zugetragen haben; so bewegte sich's auch in meinem Innern und es war mir als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen und weiter keine übrigen Sinne besäße noch brauchte."

Goethe in einem Brief an Zelter über Bach's Musik.
"Mit Harrfen und Lauten schönen Metzen hofieren, solches nimmt ein böses Ende"
Reformator Johann Mathesius 1560
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berndwe
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Beitragvon berndwe » Fr Apr 10, 2015 9:40 am

Man kann Musik nach den Kriterien sachverständiger Experten beurteilen oder danach ob sie einen selbst emotional anspricht.

Ich hab mir letzteres angewöhnt und bin mir (sofern ich ihn richtig verstanden habe) mit Goethe darin einig ;-)

Als ich als als Jugendlicher klassischen Gitarrenunterricht hatte, habe ich die Stücke von Bach geliebt, obwohl sie fast immer im Grunde zu schwer für mich waren. Ich konnte sie irgendwie durchspielen, aber es hat sich nie richtig wie Musik angehört .
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tele
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Beitragvon tele » Fr Apr 10, 2015 1:12 pm

Für mich ist Bach jetzt auch nicht "Anfang und Ende aller Musik".Dafür klingen mir einige seiner Werke doch ein bisschen zu sehr wie am Computer konstruiert.
Irgendwie bedrückend, protestantisch, calvinistisch...lustfeindlich.

Also die "Erbaulichen Gedanken eines Tobackrauchers" sind ja wohl alles andere als lustfeindlich :wink:
Oder die "Air on a G-String" BWV 1068. Da geht doch das Herz jedes Melodieseligen auf.https://www.youtube.com/watch?v=X3CAeQh46qg
(übrigens auch in dem Buch)

Grundsätzlich halte ich Bach auf der Gitarre für sehr problematisch. Das ist wie mit Albéniz. Gegen die originalen Klavierstücke können die Gitarren-Versionen nicht mithalten. Das ist nur noch Postkarten-Kitsch im Briefmarken-Format.


Im Gegensatz zu Albeniz sind aber bei Bach die meisten Transkriptionen von Streichinstrumenten. Und da bietet die Gitarre die Möglicheit ein paar Harmonien einfließen zu lassen.
Zum Beispielhttps bei der Bourrée aus der 3.Cello-Suite.
Cellohttps://www.youtube.com/watch?v=ok24iv3Fcxc
Gitarrehttps://www.youtube.com/watch?v=vFyR-EZ2HUc

Dem seriösen Klassiker wird die Cello-Fassung eher zusagen, aber der wird sich auch nicht durch ein für die Gitarre maßgeschneidertes Werk eines Kleinmeisters wie Guiliani bekehren lassen.
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Beitragvon wuwei » Fr Apr 10, 2015 2:25 pm

Ich mag den ollen Bach und behaupte mal ganz frech, wer Glenn Gould kennt, muß ihn (den ollen Bach) einfach lieben. 8)

Was mich an den meisten Gitarrenadaptionen von Bachs Musik stört, ist der mehr oder weniger stark ausgeprägte romantische Touch, den die Stücke dadurch bekommen. Dem entgehen selbst Spitzenspieler wie Stanley Yates kaum: BWV 1009 - Prelude. Barockfeeling kommt da, zumindest bei mir, nur sehr bedingt auf...

Herzlichen Gruß, Uwe
"A Harf’n g’hert in ka Symphonie;
i’ hab’ ma nöt helf’n könna."
(Anton Bruckner über seine 8.)
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Beitragvon uwesemmelmann » Sa Apr 11, 2015 12:17 pm

jürgenM hat geschrieben:...was an Bach so toll sein soll.
Ich fand diese Musik immer so mathematisch, logisch, vorausschaubar...


Hör Dir mal konzentriert eine anständige Aufnahme (z.B. von Glen Gould) an, nimm die mehrstimmigen Inventionen, die Englischen Suiten oder das Wohltemperierte Klavier (vermeide dabei den "Ave-Maria-Gassenhauer" in C-Dur und achte vor allem auf die Fugen weiter hinten)... und vielleicht nicht unbedingt einen von den ob ihrer Melodei so beliebten Bach-Schlagern (Badinerie...).

Wenn Du versuchst, mal den einzelnen Stimmen zu folgen, wirst Du vom (Vor-)Urteil der "Vorausschaubarkeit" wohl abweichen...

Aber vieles ist subjektiv... Ich gebe zu, dass ich den mathematischen Bereich wirklich nicht liebe, aber wenig Musik kenne, die mir auch intellektuell einen derartigen Kick versetzt wie Bach... Wenn ich mir da so manchen meiner Lieblingsgitarristen anhöre, wirkt dort vieles im Vergleich einfach nur banal... :cry:
Fylde Orsino (Zeder/Mahag.)
Lowden O 35 (Zeder/Blackwood)
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scifi
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Beitragvon scifi » Fr Mai 01, 2015 4:25 pm

Liederbolt hat geschrieben:
jürgenM hat geschrieben:
Jetzt mal ohne Quatsch: Kann mir mal jemand erklären, was an Bach so toll sein soll? Das Bildungsbürgertum in aller Wellt schmückt sich mit Bachkenntnis...ich finde diese Musik kalt.


"Ich sprach mir's aus: als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte, wie sich's etwa in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung möchte zugetragen haben; so bewegte sich's auch in meinem Innern und es war mir als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen und weiter keine übrigen Sinne besäße noch brauchte."

Goethe in einem Brief an Zelter über Bach's Musik.


Das ist toll :-)

Ganz unakademisch und unverbildet: meine Frau singt viel Barock zu Hause und die Bach-Sachen "fangen" mich jedes mal ein, wenn ich ihren Gesang nebenbei im Hintergrund höre. Obwohl ich von dieser Art Musik wirklich keine Ahnung habe und musikalisch wo ganz anders herkomme - aber Bach wirkt auf naive Weise absolut magisch auf mich.
jürgenM

Beitragvon jürgenM » So Mai 03, 2015 10:46 pm

Hi scifi,
weil Deine Frau es gut findet, findst Du es auch gut?

bedenkliche Weltsicht!

hör mal selbst hin: dudel, dudel, keine gefühlsstarken Höhepunkte, dudel, dudel...selbst in den Fugen kommt eine Verschachtelung immergleichen Gedudels rüber...

Bob, Janis und Jimi haben mir den Glauben an die Mucke zurückgegeben, bevor mir J.S.B. die Sache fast versaut hat...echt

...J.

P.S.: ich spiele Nylon!

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