Bach für Gitarre

Alles über die klassischen Spielweisen

Moderator: RB

Benutzeravatar
scifi
Beiträge: 3359
Registriert: Do Jun 17, 2010 10:28 am

Beitrag von scifi »

jürgenM hat geschrieben:
Bob, Janis und Jimi haben mir den Glauben an die Mucke zurückgegeben, bevor mir J.S.B. die Sache fast versaut hat...echt

...J.

P.S.: ich spiele Nylon!
Lustig, bei mir ist es genau umgekehrt ;-)
So gerne ich das Zeug früher gehört und gespielt habe...
Bernd C. Hoffmann
Beiträge: 3567
Registriert: Di Mär 01, 2005 1:11 pm
Wohnort: Fulda

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

jürgenM hat geschrieben:hör mal selbst hin: dudel, dudel, keine gefühlsstarken Höhepunkte, dudel, dudel...selbst in den Fugen kommt eine Verschachtelung immergleichen Gedudels rüber...
Das ist eine der typischen Stammtischplattitüden von Leuten, die von Bach überhaupt nichts verstanden haben. Das gilt generell meist für klassische Musik.
Liebe Grüße
Bernd
:
Klassik & Flamenco
Tabulaturservice auf Anfrage
=> Klassikliste anfordern
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Beitrag von docsteve »

Hallo Bernd,
"Jesu bleibet meine Freude" ist für Gitarre gut geeignet, scheint mir aber mehr eine Tonübung als ein herzerweichendes Vortragsstück zu sein
Wer Bach nur in den Steelstring-Versionen von Michael Fix & Co. kennt, dem ist so etwas nachzusehen :-D

Re gefühlsstarke Höhepunkte:

Hört euch mal eine der Passionen an. Wer da keine Gefühle findet, dem ist nicht zu helfen.

Viele Grüße, Stephan
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

"]keine gefühlsstarken Höhepunkte, "
Hör dir mal "So oft ich meine Tobackspfeife" anhttps://www.youtube.com/watch?v=fkgKdVzexsI
Da bekommt man doch als Nichtraucher Wallungen!
Benutzeravatar
Liederbolt
Beiträge: 449
Registriert: Sa Aug 18, 2012 2:57 pm
Wohnort: Bremen
Kontaktdaten:

Beitrag von Liederbolt »

tele hat geschrieben:"]keine gefühlsstarken Höhepunkte, "
Hör dir mal "So oft ich meine Tobackspfeife" anhttps://www.youtube.com/watch?v=fkgKdVzexsI
Da bekommt man doch als Nichtraucher Wallungen!

Die Melodie der Tobackspfeife stammt möglicher Weise gar nicht von Johann Sebastian:

"Dadelsen vermutet aus Handschriftenvergleichen die kindliche Handschrift von Gottfried Heinrich Bach."
(Wiki)

Dies war sein geistig behinderter Sohn, der laut Carl Phillip Emmanuel Bach ein "...ein großes Genie (war), welches aber nicht entwickelt wurde.“
(Wiki)

Vielleicht von Johann Sebastian überarbeitet und harmonisert, wie viele der Stücke aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, ist es womöglich ein Beispiel dafür, wie des Feierabends ausgelassene bachsche Familien-/ Hausmusik geklungen haben mag.

Mag sehr gerne dieses Stücklein - klingt mir irgendwie "kindlich ausgelassen". Habe es daheim auf 'ner alten DDR-Schallplatte mit Originalinstrumenten aus dem Bachhaus in Eisenach. Da klingt es nochmal um einiges "unbedarfter". :-)

https://www.youtube.com/watch?v=STWtdOTmqus
"Mit Harrfen und Lauten schönen Metzen hofieren, solches nimmt ein böses Ende"
Reformator Johann Mathesius 1560
Bernd C. Hoffmann
Beiträge: 3567
Registriert: Di Mär 01, 2005 1:11 pm
Wohnort: Fulda

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

docsteve hat geschrieben:Wer Bach nur in den Steelstring-Versionen von Michael Fix & Co. kennt, dem ist so etwas nachzusehen :-D
Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen - außer vielleicht meine bescheidene Meinung, dass ich ihn auf Grund seiner arrangement-seitigen Schaffenskraft für eine qualitativ große Niete halte.
Liebe Grüße
Bernd
:
Klassik & Flamenco
Tabulaturservice auf Anfrage
=> Klassikliste anfordern
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen - außer vielleicht meine bescheidene Meinung, dass ich ihn auf Grund seiner arrangement-seitigen Schaffenskraft für eine qualitativ große Niete halte.
Für eine qualitativ große Niete bringt er aber gehörigen Drive in Brahms' Ungarischen Tanz Nr.5https://www.youtube.com/watch?v=iH2DPTVzggc

Alleine mit seiner Maton mehr als die 7 SpielerInnen des EMU Guitar Ensemble mit ihren Klassikgitarren,https://www.youtube.com/watch?v=QsjTZ4C4GiM
Bernd C. Hoffmann
Beiträge: 3567
Registriert: Di Mär 01, 2005 1:11 pm
Wohnort: Fulda

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Na und? Das ändert überhaupt nichts an seiner Oberflächlichkeit. Seine plattfüßigen Arrangements kommen darüber nicht hinaus.
Liebe Grüße
Bernd
:
Klassik & Flamenco
Tabulaturservice auf Anfrage
=> Klassikliste anfordern
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Um nochmal auf die angebliche Gefühlsarmut Bachscher Musik zurückzukommen. Was kann ergreifender sein als eine Kantate mit dem Titel:"Ich steh mit einem Fuß inm Grabe"?
(Wahrscheinlich zuviel Pfeife geraucht).

Ein weiteres Kennzeichen großer Komponisten wie Bach oder Lennon/Mc Cartney ist, dass man ihnen Werken auch mittels Akordeonhttps://www.youtube.com/watch?v=RLlhUkYh2Ms
oder neapolitanischen Mandolinenklängen Gewalt antun kann, und sie es gelassen hinnehmen.https://www.youtube.com/watch?v=ge7WK-EgTJQ

Die besagte Kantatehttps://www.youtube.com/watch?v=_-2FVcWkPCs
Bernd C. Hoffmann
Beiträge: 3567
Registriert: Di Mär 01, 2005 1:11 pm
Wohnort: Fulda

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

tele hat geschrieben:Um nochmal auf die angebliche Gefühlsarmut Bachscher Musik zurückzukommen. Was kann ergreifender sein als eine Kantate mit dem Titel:"Ich steh mit einem Fuß inm Grabe"?
Ich frage mich nach dem Sinn dieser schmalzige Lobhudelei. Noch dazu mit so einer belanglosen Präsentation auf einer Quetschkommode. Da gibt es wirklich weitaus interessanteres. Allein schon deshalb, weil es hier um Spieltechnik an der Gitarre geht.
Liebe Grüße
Bernd
:
Klassik & Flamenco
Tabulaturservice auf Anfrage
=> Klassikliste anfordern
Benutzeravatar
JazzDude
Beiträge: 2075
Registriert: Di Aug 28, 2012 7:54 pm
Wohnort: Bielefeld
Kontaktdaten:

Beitrag von JazzDude »

Bernd C. Hoffmann hat geschrieben:Ich frage mich nach dem Sinn dieser schmalzige Lobhudelei. Noch dazu mit so einer belanglosen Präsentation auf einer Quetschkommode. Da gibt es wirklich weitaus interessanteres.
Ganz schön arrogant.
Hanjo

Beitrag von Hanjo »

Kantaten sind nicht mein Ding. Aber die angeprangerte Vorhersehbarleit bei den Fugen oder sogar die simplen Präludien liebe ich wirklich. Ich muss sowas zwischendurch hören um mich zu erden, um Musik auf was Grundsätzliches zurückzuführen.
Um mein Gehör wieder zu tunen. Jesus meine Freude ist für mich so ziemlich das Grossartigste was ich hören kann. Der Puls verlangsamt sich trotzdem total ist das Herz beschwingt und leicht.

Auch leicht angeshuffelt auf der Gitarre finde ich es grossartig:
http://youtu.be/pEemo9i-sCI

Es müssen doch nicht alle den gleichen Geschmack haben. Michael Fix liegt mir auch nicht besonders. Aber Klassik kann nur popularisiert werden, wenn man erkennt, dass klassische kompositionen auch unsere Volksmusik sind.
Es ist völlig ok sie auf der Mundharmonika oder Mandoline zu spielen.
Da gibt es keinene exklusiven Nutzungsrechte für den subventionierten Kulturbetrieb.
Mit Gesang mag ich sehr gerne Kompositionen von Dufay.
http://youtu.be/CvYGeiKw_zo
Ulrich Peperle
Beiträge: 643
Registriert: Do Sep 01, 2005 1:27 am

Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 9:41 am, insgesamt 1-mal geändert.
Hanjo

Beitrag von Hanjo »

Die Zeit humanistischer Gymnasien ist nunmal vorbei. Die Klassik hatte einen
in den letzten 50 Jahren einen Anteil am Musikkonsum von knapp 10 %.
Mit geänderter Prägung durch Elternhaus und Schule wird das schon innerhalb
einer Generation auf unter 5 % zurückgehen. Die klassik muss man nicht massenkompatibel machen. Sie ist es. Das Segment Country oder Jazz,
oder viele andere Genres des Pop sind kleiner als die Klassik. Die werden auch nicht durch eine Demarkationslinie abgeteilt. Viele Veröffentlichungen im Pop sind auch nicht massenkompatibel. Die finden halt auch nicht in den Mainstream Rundfunksendern statt.

Auch die langsam in die Kiste springende Generation (gehöre ich ja auch schon zu) hat zu 90 % das konsumiert, was die echten Klassiker als Semi-klassik bezeichnen. Einen kleinen Happen aus Carmina Burana, einen Satz aus der Neunten, also insgesamt 600 Stücke (Ausschnitte) machen über 95 % der verkauften Tonträger aus. Das ganze dann noch möglichst von Andé Rieu gesofftet - nur es wird noch schlimmer. Selbst im Altersheim dominiert bald Rock und Metal (wo ich aber auch nichts gegen habe).

Wenn eine Entwickung dir lieb ist, die den Elfenbeinturm der Klassik noch erhöht, damit die Ignoranten fernbleiben, dann sollte man natürlich nicht popularisieren, schnell solche Dinge wie den Klassik Echo abschaffen. Auch die Elbphilharmonie wird sich nicht primär an die Hard Core Klassiker wenden.
Natürlich war Mozart zu seiner Zeit kein Populärmusiker, natürlich spielte kein Sinfonieorchester im Bauernhaus Strauss. Popularisierung jenseits traditioneller Gesänge gab es erst mit dem Radio.

Vielleicht fühlt sich ja Frau Mutter schlecht, wenn sie in Ihren konzerten nur "best of" Verschnittte spielt. Selbst da geht es ihr nicht anders wie vielen Rockmusikern.
Einige Klassiker wie Boulez geben ja immer wieder Ihre elitäre Gesinnung sogar in Interviews zum Besten.

Eine klassik die sich elitär empfindet schürt auch die typischen Voruteile gegen Klassikhörer. das auf dem Rundfunksektor einige klassische Formatradios Zuwachs haben ist kein Gesamtphänomen, sondern unterstreicht die Problematik. Klassisches Formatradio ist ein Streichelzoo für Minderheitengeschmack.

Ich mag Musik die mich anspricht. Und das hat wenig mit dem Genre zu tun.
Und da kann ich gut gregorianische Gesänge und Hard Rock hintereinander in einem Atemzug hören.
Benutzeravatar
tele
Beiträge: 1520
Registriert: Do Mär 21, 2013 12:16 am
Wohnort: Saarland

Beitrag von tele »

Ich frage mich nach dem Sinn dieser schmalzige Lobhudelei. Noch dazu mit so einer belanglosen Präsentation auf einer Quetschkommode. Da gibt es wirklich weitaus interessanteres. Allein schon deshalb, weil es hier um Spieltechnik an der Gitarre geht.
Das liegt wohl daran, dass meine Technik nicht der Rede wert ist, und ich mich statt dessen in schmalzigen Lobhudeleien ergehen muss, will ich irgendwas zum Thema sagen
Die Foristen mit Technikratschlägen zur klassischen Spielweise zu belämmern überlasse ich einem erklärten Nylonsaitenexperten wie dir, weil, do häss Ahnung vun dä Technik, vun der ich nix verstonn. :wink:

Was die Frage "Soll klassische Musik popularisiert werden?" angeht, so nehme ich eine Haltung zwischen der von Ulrich und von Hanjo ein
Sicher, vieles im Klassiksektor ist elitär, das heißt, es erfordert eine große Hörerfahrung, Konzentration und musikalische Bildung.
Andererseits gibt es aber auch Stücke, die wohl nur deshalb nicht den Weg in die MP3 Player der jungen Leute finden, weil sie nicht im Formatradio in der Power-Rotation gespielt werden.

Indiesem Zusammenhang fällt mir eine Idee für einen Kinderfiilm ein:
"Einmal rund um die Welt mit Anna Magdalena Bach."
Darin reist A.M. Bach mit ihrem Notenbüchlein um die Welt und übt mit den Musikern vor Ort auf deren lokalen Instrumenten Stücke aus ihrem Notenbüchlein ein.
Der pädagogisch- didaktische Anspruch ist dreifach:
-Kindern die Musik Bachs näherzubringen
-Instrumentenkunde
-Erdkunde

Hier ein kleiner Traillerhttps://www.youtube.com/watch?v=oEt6wlW ... e=youtu.be
Zuletzt geändert von tele am Sa Mai 16, 2015 8:22 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten