Flametal

Alles über die klassischen Spielweisen

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tele
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Beitragvon tele » Mo Okt 12, 2015 8:34 am

Mein neuer Guitar-Hero heißt Ben Woods. Er befreit an sich brauchbare Flamencotechniken vom Joch hispanischer Musikplattitüden und wendet sie auf kompositorische Meisterwerke von

Judas Priest https://www.youtube.com/watch?v=uEsbGXUdse8
Iron Maiden https://www.youtube.com/watch?v=uEsbGXUdse8
oder Metallica anhttps://www.youtube.com/watch?v=g0yKdkEqRJs

Er braucht auch keine teure Flamencogitarre, sondern zaubert Flamencolicks aus einer Cordoba-Mini M https://www.youtube.com/watch?v=rCxKVpm07pc

Muy con gusto Señor Woods! :wink:
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Holger Hendel
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Beitragvon Holger Hendel » Mo Okt 12, 2015 10:07 am

Irrer Typ. Sehr schön, da zuzuhören! Eine vortreffliche Songauswahl bietet er an - und nicht nur seine Gitarre rockt schwer - Ben Woods spielt phantastisch!

Er befreit an sich brauchbare Flamencotechniken vom Joch hispanischer Musikplattitüden


:wink: :lol:
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Bernd C. Hoffmann
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Beitragvon Bernd C. Hoffmann » Mo Okt 12, 2015 12:51 pm

Naja, unter kompositorischen Meisterwerken verstehe ich was anderes als die verlinkten Beispiele. Auch sind gewählten Darstellungen von benjamin Woods nur ein billiger Abklatsch. Billiger Abklatsch, weil er noch sehr viel bessere Sachen drauf hat als die verlinkten Beispiele; die ordne ich in einer Skala ganz unten ein. Evtl. gibt es seine richtigen "Kracher" noch.
Im klassischen Vorgängerforum war er mal ein Thema. Damals waren auch Flamenco-Interpretation als Heavy Metal Versionen verlinkt, womit er sich einen Namen gemacht hat (wenngleich mir diese Sachen klanglich nicht gefielen).

Dass er keine teuren Gitarren benötigt, um aus ihnen einen besonderen Ton herauszuholen, sollte man nicht überbewerten. Die Aufnahmen wurden für Cordoba Guitars gemacht bzw. von der Firma gesponsert. Auf der Bühne spielt er, soweit ich informiert bin, nur auf handgebauten Instrumenten. Wie das für einen einzelnen Anbieter nach außen aussieht, ist reine Verhandlungssache, sonst nichts.
Liebe Grüße
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Holger Hendel
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Beitragvon Holger Hendel » Mo Okt 12, 2015 1:05 pm

Die Aufnahmen wurden für Cordoba Guitars gemacht bzw. von der Firma gesponsert.


Haja, doch schmälern all diese Kombinationen (TE - Maton, Dave Goodman - Yamaha etc.) ja in keiner Weise die klangliche Güte des Vortrags. Man muss halt im Bewußtsein leben und damit klarkommen, dass diverse Künstler einen Teil ihrer Einnahmen mit entsprechenden deals regeln - wie glaubwürdig das im Einzelfall abgewickelt wird...

bessere Sachen [...]


Sprichst Du z.B. zu einem wahrhaften Heavy Metal-Jünger dann wird die Luft sehr dünn - was soll da noch kommen? Saxon, Manowar? :lol: Alles eine Frage der Perluktive, um es mit den Worten von Bud Spencer zu sagen.
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Beitragvon Bernd C. Hoffmann » Mo Okt 12, 2015 2:27 pm

Saxon hat bei mir immer einen Beigeschmack von einer Lachnummer. Das zeigt sich am pubertären Größenwahn des Sängers, wenn Saxon als Headliner seine Vorgruppen in schlechteres Licht stellte, bis hin zu angezettelten Schlägereien. - Mal abegesehen davon, dass er in Interviews angab, seine engen Satinhosen im Schritt mit ein paar Socken auszustopfen...

Obwohl ich "Metal Daze" damals recht mochte, war Manowar mir immer wieder zu großkotzig. Sie maßten sich an festzulegen, was echter Heavy Metal sei, der sog. "True Metal". Danach sind "Poser" diejenigen, die Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen. Wemm man sich die Szene anguckt, dann sieht man schnell, wer selbst am meisten posiert: Manowar und alle, die nach ihrem Dafürhalten zum True Metal gehören. Gewisse Allüren zeigt auch B. Woods in den verlinkten Videos mit seinen komischen Beinbewegungen. Ich finde diese überflüssigen körperlichen Darbietungen lächerlich. Doch dazu kann jeder seine eigene Meinung haben. Es gibt bestimmt Leute, denen gefällt diese Ausdrucksform. Ich gehöre nicht dazu.

Was die Einnahmen betrifft, glaube ich nicht, dass B. Woods in Cash bezahlt wurde sondern in Naturalien. Ein technischer Ausnahmegitarrist wie damals Eddie van Halen, Jake E. Lee oder TE (als Akustiker) ist er nicht. Trotzdem hat er etwas ungewöhnliches gewagt, mit dem er Erfolg hat. Die geneigte Fangemeinde kauft sicherlich für etwas mehr Geld eine Gitarre von seinem Idol als direkt von Cordoba. So kann BW bei Gelegenheit die eine oder andere Gitarre vom Stapel ziehen und zu Geld machen. Warum auch nicht. Das hat er sich verdient.

Ich spreche von einem Gitarristen, der seine Kreativität unterm Scheffel hält.
Liebe Grüße
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Beitragvon Holger Hendel » Mo Okt 12, 2015 3:53 pm

Mal abegesehen davon, dass er in Interviews angab, seine engen Satinhosen im Schritt mit ein paar Socken auszustopfen...


Seit er "This is Spinal Tap" gesehen weiß er, dass man dafür eine Gurke verwenden sollte. Auch scheinbar allmächtige Rock´n Roll-Stars lernen halt nie aus. ;)

Wemm man sich die Szene anguckt, [...]


Ich tue es noch, wenn auch immer seltener. Dabei scheint sie mir von mal zu mal intoleranter zu werden, diverse Anhänger verschiedener Sub-Genres scheinen ihre Erfüllung im gegenseitigen "Dissen" zu finden. Brrrr. Fast wie im Gangsta-Rap. Wobei diese Art der Attraktion scheinbar dazu gehört. Wobei, es mag angehen, dass das schon immer so war und ich es jetzt dank der sozialen Netzwerke einfach nur klarer bemerke.

Absolute Zustimmung bzgl. "Posertum". :D

Trotzdem hat er etwas ungewöhnliches gewagt, mit dem er Erfolg hat.


Und das allein zählt am Ende, finde ich. Also - der Erste zu sein, der irgendwas Originelles macht.

Vgl. Adam Rafferty und sein Beatgeboxe simultan zum Gitarrenspiel - es gibt mittlerweile sicherlich Kollegen, die das technisch ausgebuffter zelebrieren; doch AR steht stellvertretend für dieses Arrangement, zumindest meiner Einschätzung nach / was den Bekanntheitsgrad anbelangt.

Wenn man ein schlüssiges künstlerisches Gesamtkonzept kompromisslos durchzieht ist so einiges möglich. Ben Woods mit entsprechendem Repertoire auf´nem dicken Moppedclub-Treffen zur Nachmittags-Spielzeit? Why not?

Vgl. "Steven Seagulls" - Auftritt in Wacken...

https://www.youtube.com/watch?v=UwSigpOWx_o

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Beitragvon tele » Di Okt 13, 2015 7:12 am

Naja, unter kompositorischen Meisterwerken verstehe ich was anderes als die verlinkten Beispiele.


Ich natürlich auch, das war eher ironisch gemeint. Aber zumindest sind es Songs mit einer einigermaßen eingängigen Melodie, etwas, was ich im Flamenco sonst doch eher vermissse. Zum Beispiel die Eigenkomposition "Tarantula", die Ben Woods für den Guitar Salon spielt: gitarristisch hochvirtuos, aber ohne jeden Wiedererkennungswert.https://www.youtube.com/watch?v=OoHOe40w62g

Da hört der einfach gestrickte Hörer doch lieber das Album "Heavy Mellow"https://www.youtube.com/watch?v=FW3KsmFqIPg
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Beitragvon tele » Mi Okt 21, 2015 1:27 pm

"Plattitüden" ist natürlich etwas provokant, was ich meine, ist, dass mir scheint, dass inspiriertes Songwriting im Flamenco eher eine untergeordnete Bedeutung hat.
Ich habe mal bei Wikipedia nachgelesen, wer die bedeutensten Flamenco-Sänger sind, und da wurde unter anderem El Cameron genannt.https://www.youtube.com/watch?v=0PB7KesvhIw
Auf mich wirkt die Gesangsmelodie eher improvisatorisch, deshalb meine Frage an die Flamenco-Afficionados im Forum:
Gibt es so etwas wie Flamenco-Pendants zu.
-Greensleeves(Renaissance)
-Schwanensee (Romantik)
-Bolero(Impressionismus)
-El Condor pasa (Andenmusik)
-Libertango (Tango)
-Freight Train (American Folk)
u.s.w., also Songs mit einer griffigen Melodie, die dem Newbie den Einstieg erleichtert? Spielt der inspirierte Einfall eine Rolle?
Oder werden Bulerias und Co eher zum Tanzen und auf der Gitarre zaubern gespielt, und die Melodik ist dabei zweitrangig?
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Beitragvon Ulrich Peperle » Mi Okt 21, 2015 2:17 pm

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 9:40 am, insgesamt 1-mal geändert.
Hanjo

Beitragvon Hanjo » Fr Okt 23, 2015 7:06 am

Hmm Ulrich,
Recht hast Du ja wohl, aber dennoch ist doch die Musik eher eine Komunikationsform für die rechte Gehirnhälfte. Deswegen wäre für mich dann durchaus nach emotionalen Kriterien bewertbar. "Spricht mich nicht an" würde ja bereits beide Elemente einer adäquaten Bewertung enthalten.

Erst das Unterfüttern mit Sach- uund Qualitätsargumenten durch Tele hat hier nach meinem Gefühl zu Deinem berechtigten Widerspruch geführt.

Zum eigentlichen Gegenstand des Threads Metal-Flamenco Crossover, oder wie man es nennen mag, hast Du Dich leider nicht geäussert.

Ich kann es nur aus meiner emotionalen Ecke beurteilen. Für mich wird da Metal etwas beliebig und austauschbar. Aus der Verbindung von beidem
wird für mich maximal hochwertige Kaufhausmusik.

Für mich ist Flamenco auch ohne tiefe Kenntnis etwas, dass sofort an der Stelle wirkt, wo Bilder und Emotionen entstehen. Auch ohne die eingängige Melodielinie entsteht sofort Vertrautheit. Dafür muss ich weder den Compas noch die Harmonik intellektuell begreifen.
Gruss Hanjo
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Beitragvon berndwe » Fr Okt 23, 2015 9:30 am

Man kann eine Flasche Rotwein auf verschiedene Arten genießen. Die eine Art besteht darin sich ein Glas einzugießen und seine Zunge Tröpfchen für Tröpfchen zu benetzen. Was man dann fühlt, spürt oder schmeckt ist (hoffentlich) der Genuss.

Eine andere Art besteht darin, dass man sich intensiv mit dem Thema Wein beschäftigt, zum Beispiel um besser beurteilen zu können, warum einen der Wein schmeckt. Da ist es hilfreich, Rebsorten, Anbaugebiete und Jahrgänge auseinanderhalten zu können. Idealerweise betätigt man sich einige Jahre selbst als Winzer. Im Grunde kann man nur dann ein wirklich fundiertes Urteil darüber fällen, ob ein Wein gut ist oder nicht. (Ja - das ist sehr überspitzt formuliert).

Ich werde bezüglich Rotwein auf Genussmethode 1 beschränkt bleiben, weil ich keinen Weinberg betreibe. Weil ich auch nicht mehr ausreichend intensiv in die Hintergründe des Flamenco einsteigen kann um Expertenniveau zu erreichen, wird es auch hier bei der Genussmethode 1 bleiben müssen.
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Beitragvon tele » Fr Okt 23, 2015 1:14 pm

Also, ich denke man sollte vielleicht unterscheiden zwischen ursprünglicher Faszination, die eine bestimmte Musikrichtung auf den Hörer ausübt, und Expertentum im Sinne eines fähigen Musikkritikers zum Beispiel.

Die Ausgangsfaszination von Musik ist wohl eher emotional zu begründen.
Man wird eher Beethoven-Fan, weil man in jungen Jahren an den Melodien von "Ode to Joy", "Für Elise" oder der Pastorale Gefallen geunden hat, als deshalb, weil man intellektuell die Sonatenhaupstsatzform verstanden hat und Beethoven als gekonnten Architekten von Durchführungen schätzt.

Natürlich arbeitet man sich dann von "Für Elise" zu anspruchsvolleren Werken vor, aber wenn die Anfangsfaszination nicht da ist...

Ist wie beim Wein: wem Wein einfach nicht schmeckt, der kann so viele Weinseminare besuchen wie er will, da geht theoretisches Wissen über Rebsorten einfach ins Leere.
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Beitragvon Ulrich Peperle » Fr Okt 23, 2015 1:55 pm

[Beitrag vom Verfasser entfernt]

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