Der körpenahe Einstieg

Alles über die klassischen Spielweisen

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tele
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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon tele » So Nov 22, 2015 3:14 pm

OK danke für diese Erlauterungen.
Ich glaube, das Hauptmissverständnis lag darin begründet, dass "wird er sogar in den hohen Lagen anfangen" für mich bedeutet, dass der erste Ton, den der Nachwuchs überhaupt spielt, irgendwo um den 9.Bund liegt, also der komplette Einstieg in die Welt der Gitarrenmusik in körpernahen Regionen stattfindet.
Wenn aber weiterhin die leere g-Saite im Daumenschlag als Anfang erlaubt ist, ohne einen Strafzettel von der Qualifikationspolizei verpasst zu bekommen, und parallel dazu ein paar "Fingerbusters up the Neck" geübt werden, dann ist die methodische Welt für mich wieder in Ordnung.
Eine weniger Verwirrung stiftende Formulierung wäre vielleicht gewesen "wird er von Anfang an die hohen Lagen für Fingerübungen mit einbeziehen".
Wobei man dann wieder darüber streiten könnte, ob ein Lehrer, der im Unterricht eines 7-jährigen bewusst andere Prioritäten setzt als ein gezieltes Training der Greifhandfinger, als wenig qualifiziert einzustufen ist.
Aber die Würmerdose lass ich mal lieber zu. :wink:
Die Frage nach aktuellen Entwicklungen ist dabei für mich eher zweitrangig.
Man muss ja nicht jedem Modetrend hinterherturnen.

Ich bin dann mal weg und vergieße die ein oder andere Träne in körpernahen Regionen :cry:https://www.youtube.com/watch?v=3s4p252NvM8
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Taihushui
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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon Taihushui » Mi Nov 25, 2015 11:31 am

Ich melde mich zu diesem Thema einmal nicht als Lehrer, sondern als Vater eines kleinen Jungen (7 Jahre) der seit Januar 2015 mit seinem Lehrer und der Gitarrenfibel von Teuchert versucht, das Gitarrenspiel zu erlernen.
tele hat geschrieben:..........
-Herbeiführung eines Aha-Erlebnisses durch die Beherrschung einfacher, bekannter Melodien im Fünftonraum g,a,h,c,d unter Verwendung von Leersaiten

..........

Zusammenfassend: Das vorrangige Ziel des Kinderunterrichts ist es, die Freude am Instrumentalspiel hervorzurufen und zu vertiefen, die Gitarre also als ernstzunehmende Konkurrentin von Sportverein und Daddelstation zu etablieren.
Im Konzert der möglichen Widersacher dieses Unterfangens spielt die leichte Abspreizung des linken Arms um die erste Lage zu bedienen lediglich eine zweite Geige.

Ich kann aus der Erfahrung das oben von Tele Gesagte genau nachvollziehen. Lars (der kleine Junge) hat nun Band 1 der Fibel durch. Die Lehrstücke in dieser Fibel sind niedlich bebildert und die Texte witzig (also durchaus motivierend), aber die Melodien eher weniger bekannt und auch nicht besonders eingänglich. Dieses liegt natürlich an der Begrenztheit der Möglichkeiten zu Anfang. Jetzt hat Lars aber parallel zur Gitarrenfibel (die übrigens m.E. in Band 2 viel interessanter wird) mit dem Lehrer ein Weihnachtslied einstudiert, das er natürlich schon lange kennt. Seitdem er dieses geschafft hat, legt er die Gitarre kaum noch aus der Hand und auch die Fortschritte in der Gitarrenfibel gehen leichter voran.

Ursachen, die ihn vom Gitarre spielen bisher dann und wann abgehalten haben, sind anders zu begründen, als mit der Abspreizung des linken Arms.
Gruß vom Niederrhein

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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon tele » Mi Nov 25, 2015 3:02 pm

Die Gitarrenfibel mag zwar methodisch in Ordnung sein, vom Songmaterial her ist sie aber die gebündelte Langeweile!
"Moro&Lilli" oder "Gitarre spielen mit Lena und Tom" sind da zeitgemäßer. Es gibt auch eine Menge an zusätzlichen Spielheften.
Wenn es dich interessiert schicke ich dir mal eine kleine Liste per P.M.
Oder ihr schaut mal bei der Notenschleuder vorbei. Hier kann man die Lieder je nach Bedarf transponieren, ob man jetzt Basssaiten oder Kreuzchen üben will.
Notenschleuder

Wenn Wechselshlag auf den hohen Saiten das Thema ist, kann Kalinka in A-moll geübt werden. Der kleine Finger links hat dann erst mal Pause
Bild
wenn der 4.Finger auf Vordermann gebracht werden soll;Kalinka in E-mollhttp://www.free-notes.net/cgi-bin/noten_Song.pl?song=Kalinka&profile=null&low=59&lang=de&db=Main
b statt h: Kalinka in d-mollhttp://www.free-notes.net/cgi-bin/noten_Song.pl?song=Kalinka&profile=null&low=57&lang=de&db=Main
Meiner Erfahrung nach finden die Finger bei Kindern eher ihren Weg über die Musik als über rein technische Übungen.
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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon Taihushui » Do Nov 26, 2015 9:45 am

Da gebe ich Dir Recht, Tele. Das meinte ich bei der Gitarrenfibel mit "Lieder sind eher unbekannt und wenig eingängig". Plötzlich mit einem bekannten Lied, in diesem Falle "Ihr Kinderlein kommet", hatte Lars mehr Interesse und er spielt jetzt intensiver als zuvor.

Ja, es wäre nett, wenn Du mir eine PN mit einer Liste von Spielheften schicken würdest. Die Notenschleuder habe ich auch schon mal entdeckt, es ist aber nicht ganz einfach, passende Lieder zu finden. Häufig sind es Kreuz- oder b-Tonarten, oder es sind Töne drin, die Lars noch nicht kennt. Beim Transponieren passiert es dann leider auch oft, dass ich zwar die Halbtöne weg bekomme, aber in höheren oder tieferen Lagen sind dann Töne dabei, die er noch nicht kennt und ich will selbstverständlich dem Lehrer da nicht vorgreifen.
Gruß vom Niederrhein



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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon Bernd C. Hoffmann » Do Nov 26, 2015 11:18 am

tele hat geschrieben:Die Gitarrenfibel mag zwar methodisch in Ordnung sein, vom Songmaterial her ist sie aber die gebündelte Langeweile!

Es gibt keine Lehrwerke ohne Mängel, ob nun für Kinder oder Erwachsene. Deshalb wird man nie um ergänzendes Sekundärmaterial herumkommen.

Dass Kinder eher auf Lieder ansprechen, ist klar. Aus eigener Erfahrung widerspreche ich jedoch, dass sie schwierig auf technische Übungen ansprechen. Das ist lediglich eine Frage der Kreativität des Lehrers. Wenn er die nicht hat, geht der Schwerpunkt über die Sekundärliteratur. Andernfalls ist das kein Problem.
Liebe Grüße
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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon tele » Do Nov 26, 2015 2:20 pm

Es gibt keine Lehrwerke ohne Mängel, ob nun für Kinder oder Erwachsene.

Es gibt aber Kindergitarrenlehrwerke, die bei ähnlichem methodischen Vorgehen wie die Fibel, ansprechenderes Liedmaterial bieten.
In "Gitarre spielen mit Lena und Tom" ist z.B. eine einfache Version von "This Land is your Land" im Daumenschlag".
Da kann man dann als Hausaufgabe geben, das Lied zu üben und sich auf Youtube die Version vom "Boss" anzuhören Springsteen
Dann fühlt sich der Nachwuchs seinem Traum vom Rockstar gleich ein Stück näher...

@Taihushui: Am Wochenende werde ich mal meinen Noten durchschauen.
Aber wie du schon gesagt hast, es ist wichtig das mit dem Lehrer zu koordinieren.
Und leichte Weihnachtslieder gibt's ja noch mehr...
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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon Ulrich Peperle » Do Nov 26, 2015 6:22 pm

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
Zuletzt geändert von Ulrich Peperle am Sa Apr 09, 2016 9:37 am, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der körpenahe Einstieg

Beitragvon tele » Do Nov 26, 2015 7:20 pm

Wenn man hier einen alternierenden Wechselschlag (m-i oder i-m) üben soll, muss man auf jegliche rhythmische und metrische Konsistenz verzichten und zudem bereits sperrige Saitenwechsel "über Kreuz" meistern.


Es ging mir nicht um das Einüben des Wechselschlags anhand von Kalinka, sondern als ein Beispiel für ein Stück, das mit einer gewissen Erfahrung in dieser Technik quasi als Abschluss des Kapitels "Wechselschlag auf den höchsten vier Saiten" stehen könnte. Die anschlagtechnisch schwierige Oktavierung des E in Takt 20 könnte man streichen oder eventuell nur den Refrain bis Takt 8 spielen.
Der daktylische Rhythmus ist auch Bestandteil von "Ihr Kinderlein kommet", dürfte also kein unüberwindbares Hindernis darstellen.
Ich hatte das Lied ganz auf die Schnelle als Beispiel dafür rausgesucht, wie man bei der Notenschleuder durch die Transponierfunktion ein Stück verschiedenen Anforderungen anpassen kann, und nicht als Beispiel für ein methodisch schlüssiges Stück zum Training des Wechselschlags.
Für weniger geübte Wechselschläger würde sich zum Beispiel "Freight Train" anbieten.Bild

Oder noch früher
Bild
(Den Text sollte man vielleicht entmilitarisieren :wink: )
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