Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Alles über die klassischen Spielweisen

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dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

...und Danke für den Link zu Lyle Lovett! Den kannte ich ja noch gar nicht :oops: ... werde mir wohl doch noch ein neues CD-Regal besorgen müssen. Schön ,was und wen man hier so alles kennenlernt!
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tele
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von tele »

Hi Dominik,

ist das auf den Soundcloudaufnahmen deine Launhardt?
Die klingt ja wirklich klasse!
Besonders gefällt mir Julia Florida.
Da kann Tatyana Ryzhkova einpacken. :wink:
Spielte Barrios nicht auch Stahlsaiten?
Liegt aber wahrscheinlich nicht nur an der Gitarre, sondern auch am Spieler, dass das bei dir so überzeugt.
Man muss wahrscheinlich Klassik auf Stahlsaiten ernsthaft üben und nicht nur eben mal so als Zugabe spielen.
Ich übe gerade eine Siciliana von Carulli und die klingt auf Stahl irgendwie nach Generalbassspinett.
Passt überhaupt nicht zu der Musik.
Ich habe aber mal ein klassisches Arrangement von Greensleeves als Demo für meine Furch aufgenommen.
Das geht dann mehr in Richtung Dowland, kommt also nicht so ganz übel.
Kein Vergleich mit Julia, aber als Dreadnoughtdemo vielleicht brauchbar?
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tele
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von tele »

Ach ja, von Lyle Lovett empfehle ich seine CD I love everybody von 1994.
Rein akustisch arrangierte Songs, Folk wie z.B. Sonja und Blues wie Record Lady.
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dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Hi tele,

ich finde dein "Greensleeves" auf der Dread funktioniert super! Überhaupt macht man sich, meiner Meinung nach, im Moment zu viele Vorgaben in Sachen Gitarrenform. Die ganzen richtungsweisenden Steelstring-Aufnahmen aus den 70-80er Jahren, wie etwa von W.Lämmerhirt oder M. Hedges wurden doch alle auf Dreads eingespielt. Kennst du die Greensleeves-Version von Francis Cutting? Die lässt sich schön mit deiner kombinieren.
Ich freue mich, dass dir meine Aufnahme gefällt. Die Launhardt hatte ich zu der Zeit noch nicht. Gespielt habe ich auf einer Stoll PT69 (auch ne Dread ). Mein Anliegen ist es, die Steelstring immer nach Steelstring klingen zu lassen ( ich benutze z.B. Fingerpicks) und sie nicht in Richtung Konzertgitarre zu schieben.
Von Barrios erzählt man , dass er eine e`-Saite e aus Stahl benutze. Ob er dies aus klanglichen Gründen oder aus klimatischen Gründen ( schnelles Reißen der Darmsaite) tat, ist mir nicht bekannt.
Ich finde auch, dass die Klangkultur der Klassik und Romantik nicht zur Stahlsaite passt. Wenn es dann aber wieder im 20. Jahrhunderts folkloristischer wird, wie etwa bei Barrios oder aber auch bei einigen Stücken von L.Brouwer, funktioniert es , nach meinem Geschmack, wieder ganz hervorragend.

Liebe Grüße,
Dominik
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Dominik,

"Julia Florida" ist echt schön! Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut funktioniert. Auf Nylon klingt Barrios immer so kitschig, das finde ich hier gar nicht.

(Lustigerweise gefällt mir mir "Old and Dirty", also die Blues-Nummer, nicht besonders. Nicht deswegen, weil der Sound sehr hifi für einen Blues ist, sondern wegen einigen Timing-Problemen. Das aber nur am Rande.)

Zwischen Weihnachten und Neujahr mache ich mal wieder ein paar Aufnahmen. Macht euch auf Villa-Lobos Prelude Nr. 3 auf Stahl gefasst. Klingt super, IMHO - aber ich bin auf eure Reaktion gespannt.

Viele Grüße Stephan
dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Hi Stephan,
freut mich, dass dir "Julia Florida" gut gefällt. Bei "Old and dirty" legst du den Finger in die Wunde... E s ist einfach bei jeder Musikrichtung das Gleiche: mal eben machen geht nicht. Ich wollte einfach mal einen Blues schreiben und spielen, ohne mich eingängig und längere Zeit mit der Musik zu beschäftigen.... so etwas kann nicht funktionieren. Sei`s drum: aus Erfahrung soll man ja klug werden...
Ich freue mich schon auf dein Villa-Lobos Prelude. Das Sustain der Steelstring tut dem Stück mMn sehr gut.

Liebe Grüße,
Dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Es335 »

Hi Dominik,
Julia Florida ist wirklich gut gelungen. Gefällt selbst mir als eingefleischtem Nylonspieler besser als viele klassische Einspielungen! Dabei meine ich mich zu erinnern, dass Barrios auch Stahlsaiten genutzt haben soll, zumindest gelegentlich aus Mangel an Darmsaiten!? :D
Gruß es335

Edit: Wie durch Zufall gerade im Delcamp Forum kolportiert, hat Barrios sogar ausschließlich auf Stahlsaiten gespielt. Deshalb wurde er zumindest anfänglich ziemlich belächelt. Andererseits ist es damit recht plausibel, dass seine Musik auf Stahlsaiten gut klingen sollte! :wink: :D
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tele
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von tele »

Überhaupt macht man sich, meiner Meinung nach, im Moment zu viele Vorgaben in Sachen Gitarrenform. Die ganzen richtungsweisenden Steelstring-Aufnahmen aus den 70-80er Jahren, wie etwa von W.Lämmerhirt oder M. Hedges wurden doch alle auf Dreads eingespielt.
Ich mag, wenn ich Klassik auf Stahlsaiten spiele, kleinere Gitarrenformen auch nicht aus klanglichen Gründen mehr, sondern weil ich sie in der "klasssischen" Haltung bedienen kann, die für mein Empfinden beiden Händen doch größere Geschicklichkeit gibt.
Wenn es dann aber wieder im 20. Jahrhunderts folkloristischer wird, wie etwa bei Barrios oder aber auch bei einigen Stücken von L.Brouwer, funktioniert es , nach meinem Geschmack, wieder ganz hervorragend.
Von Brouwer habe ich mal die Etüde 5 auf Stahlsaiten gespielt. Der Anfang ist ja vom Rhythmus fast ein Folkpickingpattern, kam also ganz gut.
Aber Sor kann auch folkig klingen. Die ersten 5 Etüden vom Opus 44 sind alle in C-Dur und haben einen leichten Volksliedcharakter.
Opus 44 nr. 5 habe ich mal für unseren Kater auf Stahlsaiten gezupft, das hat ihm ganz gut gefallen.
Wenn ich mich mich da richtig erinnere hat der Daumen in der Etüde ein bisschen was zu tun, sie bot sich also als Übungsstück für einen Thumbpick-Newbee an.
Aber wie gesagt, ich mache das nicht ernsthaft, sondern eher so als Bonus, wenn ich denke, das könnte jetzt passen.
Aber auf Stephans Villa-Lobos bin ich ja wirklich mal gespannt...
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Zählt „Maria durch ein Dornwald ging“ als Klassik? Sonst verschiebe ich es nach „Mein mp3“. Sind ohnehin 3 Gitarrenspuren.

Viele Grüße Stephan
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wuwei
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von wuwei »

Hallo Stephan,

das Stück hat sich schön entwickelt, sofern ich Deine frühere Aufnahme noch richtig im Ohr habe. Vor allem das Intro, das irgendwie an einen Gang durch dichtes Gestrüpp erinnert, gefällt mir. :r:

Herzlichen Gruß, Uwe
"A Harf’n g’hert in ka Symphonie;
i’ hab’ ma nöt helf’n könna."
(Anton Bruckner über seine 8.)
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Vielen Dank, lieber Uwe!

Coole Assoziation. Das Intro hatte ich ohne weitere Hintergedanken hinterherimprovisiert, weil mir plötzlich so frisellesk ums Herz war. So fügt sich alles auf das wunderbarste.

Eine Spur ist leider etwas verrauscht, ich glaub, die mache ich heute abend neu. Komischerweise klingt die nur über Lautsprecher so schlimm, nicht über Kopfhörer. Aber ich schweife ab.

Viele Grüße Stephan
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tele
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von tele »

Das ist ja mal ein Zufall: eine verswingte Version von Maria durch ein Dornwald ging.
Die gleiche Idee hatte ich nämlich auch, gespielt aber auf der Ukulele.
Bei der Frage, ob das Lied Klassik ist, kommt es wohl hauptsächlich auf die gitarristische Umsetzung an.
Das Guitar Duo KM spielt eine Fassung, die ich schon als klassische Gitarrenmusik bezeichnen würde.
Deine Version ist eher Jazz/Freestyle/Folk/World Music. Aber sehr gelungen.
Hast du die Gitarren mit Pickup aufgenommen? Klingt für mich ein bisschen danach...
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Deine Version klingt für mich sehr folkig. Schönes Bild bei 0:50, was ist das?

Das Gitarrenduo hat auf jeden Fall eine klassische Spielauffassung, das Arrangement könnte ich mir auch in einem anderen Kontext vorstellen.

Und die Gitarre ist mit K&K Pure Western Pickup aufgenommen. Um mal eben was aufs iPad zu bringen, finde ich ihn völlig in Ordnung. So klingt dieselbe Gitarre mit Mikro, der Hall kommt beide Male aus dem Rechner. Pickup ist unkomplizierter und klingt nicht unbedingt schlechter.

Viele Grüße, Stephan
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tele
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von tele »

Schönes Bild bei 0:50, was ist das?
Meinst du dieses Bild?
Bild
Das ist die Weihnachtskarte Maria durch ein Dornwald ging, gestaltet von Beate Heinen.
Habe ich über die Google Bildersuche gefunden und gerade nachgeschaut, von wem das Bild ist.

Der Pickup klingt OK, aber die Mikrofonaufnahme des Heiland-Blues gefällt mir klanglich doch besser.
Wieso ist ein Pickup unkomplizierter als ein Mikrofon?
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Den Pickup muss ich nur einstöpseln. Beim Mikro muss ich auch noch alle Nebengeräusche ausschalten, die richtige Position finden, die Uhr abhängen... wenns schnell gehen soll, ist der Pickup die bessere Wahl.

Aber danke fürs Feedback, ich werde das Mikro wieder öfter bemühen.

Viele Grüße Stephan
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