Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

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dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Hi Stephan,
vielen Dank für das Lob! In Sachen "Hall" sind noch alle Möglichkeiten offen. Mal sehen - ich habe die Aufnahmen erst heute bekommen und werde sie mir noch ein paar mal anhören, bevor ich mich festlege. Dowland ist für mich in erster Linie ein "Songwriter". Häufig komponierte er erst das Lied , bevor er dann eine Fassung für Laute solo verfasste. Und die Sänger singen natürlich sehr legato. Ein großer Vorteil der Steelstring ist , meiner Meinung nach, dass ich die Töne , auf Grund des längeren Sustains der Steelstring, wirklich miteinander verbinden, und somit die Stimmführung einhalten kann. Bei der Laute und auch bei der Konzertgitarre kann dies manchmal leider nur angedeutet werden. Ich möchte mit der Steelstring ja auch nicht die Laute imitieren, sondern die Musik möglichst sinnvoll auf den Stahlsaiten interpretieren.
Sobald die CD gepresst ist , lasse ich es dich wissen. Stücke von Dowland, Frescobaldi, Barrios, Yocoh, Reis und Brouwer werden zu hören sein.

LG Dominik
Harald H. Morton
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Harald H. Morton »

Guten Abend dominik,

als Urheber von diesem Diskussionsfaden möchte ich Dir ein ganz großes Lob für Deine Einspielung aussprechen. Hervorragende Arbeit.

Ich selber spiele ja auch einige klassische Stücke auf Stahlsaiten. Dabei habe ich festgestellt, dass der Ton bei der Verwendung von "Silk&Steel"-Saiten etwas sanfter wird. Vielleicht kannst Du ja nochmal sagen, welche Saiten Du verwendest.

Beste Grüße und noch einen schönen Abend.

Harald H. Morton
dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Hallo Harald,
ich freue mich, dass dir die Aufnahmen gefallen! Für die Aufnahmen habe ich 012-053 Elixir PB verwendet ( bei Dropped-D-Stimmung mit 056er E-Saite).
Gestimmt habe ich die Gitarre auf A=435. Mir kommt es so vor, dass die Gitarre so etwas "voller" klingt. Hinzu kommt eine 028-Korpusform mit 63er Mensur, was auch noch ein wenig die Saiten "entspannt". Gespielt habe ich mit Fingernägeln und Daumenpick.
Silk and Steel mag ich auch, habe aber bislang nur die Martin M130er ausprobiert. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich mit diesen Saiten die dynamischen Möglichkeiten meiner Gitarre nicht voll ausschöpfen kann.

LG Dominik
Harald H. Morton
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Harald H. Morton »

Hallo dominik,

vielen Dank für die ergänzenden Informationen.

Interessant finde ich die geänderte Kalibration. Damit werde ich mich mal beschäftigen. Überrascht bin ich, dass Du für die klassischen Stücke einen Daumenpick benutzt. Ich habe in all den Jahren damit keine ordentliche Ergebnisse erzielt - zeigt aber auch, wie gekonnt Du damit umgehen kannst.

Bin sehr gespannt auf die CD - werde ich mir sicher zulegen.

Beste Grüße und noch einen schönen Tag.

Harald
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tele
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von tele »

Großes Lob auch von mir!
Ich habe mir deine Aufnahme des Barrios Walzers auf Soundcloud angehört und danach das gleiche Stück in verschiedenen Nylonversionen auf Youtube.
Die klingen dann im direkten Vergleich doch ziemlich dumpf...
Much wundert auch ein bisschen, dass du einen Daumenpick benutzt.
Damit ist doch das Abdämpfen tieferer leerer Bsssaiten ziemlich unmöglich, weil es dann Geräusche gibt.(Kunststoff an Metall)
Oder wie machst du das?
Klingt auf jeden Fall klasse!
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dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Hi tele,
danke! Das Abdämpfen mache ich vorwiegend mit dem Handballen, hin und wieder auch mit der linken Hand. Ich finde das Spiel mit dem Pick gibt dem Bass etwas mehr Kontur und mein pizzicato gewinnt auch dadurch.

LG Dominik
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uwesemmelmann
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von uwesemmelmann »

Gerade erst gesehen:

https://www.youtube.com/watch?v=duXmpQ_-apQ" onclick="window.open(this.href);return false;

Da ist die obige Frage wohl geklärt... Obwohl, ist Barock Klassik? :wink:
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

uwesemmelmann hat geschrieben:Obwohl, ist Barock Klassik? :wink:
Und ist das Instrument eine Gitarre?

Für mich klärt das Video zwei Dinge - 1. die Saiten klingen entschieden zu lange nach (ob wegen des Instruments oder weil er den Hall zu großzügig dosiert hat weiß ich nicht genau) und 2. Bach ist nicht kaputtzukriegen.

Viele Grüße Stephan
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uwesemmelmann
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von uwesemmelmann »

docsteve hat geschrieben:
uwesemmelmann hat geschrieben:Obwohl, ist Barock Klassik? :wink:
Für mich klärt das Video zwei Dinge - 1. die Saiten klingen entschieden zu lange nach (ob wegen des Instruments oder weil er den Hall zu großzügig dosiert hat weiß ich nicht genau) und 2. Bach ist nicht kaputtzukriegen.

Viele Grüße Stephan
Dann ist er halt der "romantischen" Interpretationstradition zuzurechnen... Die haben es oft auch etwas übertrieben mit der "Klangformung"... :wink:
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dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Mir gefällt es sehr gut. Ich finde McManus geht sehr respektvoll und intelligent mit dem Stück um. Hall ist und bleibt natürlich Geschmacksache, aber Bach und seine Zeitgenossen mussten auch oft mit dem Kirchenhall leben (oder haben ihn beim Komponieren evtl. sogar im Hinterkopf gehabt).

LG Dominik
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Schon o. k. Leute –

Ich habe wahrscheinlich einfach zu viel Lautenmusik gehört.

Viele Grüße Stephan
dominik
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Nicht so schnell klein beigeben Stephan. Die Geschmäcker sind zum Glück verschieden. Das macht doch die Musik lebendig.

LG Domink
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docsteve
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Mir fiel bloß auf, dass ich ständig den Hall auf den vorgestellten Aufnahmen kritisiere, und denke mir, damit muss mal Schluss sein (mit meiner Kritik nämlich).

Was Tony McManus angeht, so ist seine Fassung natürlich schon sehr gut. Mich stört eben nur an einigen Stellen, dass das Sustain der Gitarre die Fassung zu verwaschen klingen lässt (ich hab es mir noch mal angehört; es ist tatsächlich die Gitarre, nicht der Hall). Hört euch mal die Stelle bei 2:38 an, wo er eine kleine Sekunde ganz fies ineinander klingen lässt. Seit Bach ist es meines Wissens nach Usus, die Töne nicht mehr so lang wie möglich ausklingen zu lassen, sondern nach Möglichkeit die notierte Dauer zu beachten.

Dabei habe ich eigentlich gar keine Berührungsängste. Es hat schon was tolles, wenn man einen Ton rausschickt und den ganzen Kirchenraum zum Klingen bringt. Und z.B. das Arpeggio am Anfang der Orgeltoccata in D-Moll muss im Raum klingen.

Viele Grüße Stephan
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wuwei
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von wuwei »

Hallo zusammen!

Der Jazzgitarrist Renato Rozic paßt ja eigentlich nicht hundertprozentig in diesen Thread, da er keine Originalliteratur für klassische Gitarre auf der (meist elektrifizierten) Steelstring spielt, sondern diverse Stücke von Bach, Mozart oder Webern. Allerdings dürfte der gebürtige Kroate, obwohl er in Köln lebt, im Forum nicht allzu bekannt sein. Deshalb hier, wo er von einschlägig Interessierten wohl eher gefunden wird als im YouTube-Sammelfaden, der Hinweis auf ihn. Seine weitgehend (er-)improvisierte Anverwandlung einzelner Sätze aus den Cellosuiten von J.S.Bach finde ich sehr stark:

J.S.Bach, BWV 1011, Cellosuite Nr. 5, c-Moll, Gavotte 1 & 2 - Renato Rozic.

Und für die, die ihn auch in Aktion sehen wollen: J.S.Bach, BWV 1008, Cellosuite Nr. 2, d-Moll, Sarabande - Renato Rozic.

Herzlichen Gruß, Uwe
"A Harf’n g’hert in ka Symphonie;
i’ hab’ ma nöt helf’n könna."
(Anton Bruckner über seine 8.)
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uwesemmelmann
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Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von uwesemmelmann »

wuwei hat geschrieben:...Der Jazzgitarrist Renato Rozic...
Sehr geil!

Übrigens, nachdem Rolli irgendwo das "Dowland-Set" von Clive Carroll verlinkt hatte, habe ich meine alten John-Dowland-Noten herausgesucht und übe zur Zeit die "Frog-Galliard". Als wäre meine Fylde dafür gebaut...

[Nach wie vor irritiert mich allerdings die auf fis heruntergestimmte G-Saite bei Lautentranskriptionen...]
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