Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Alles über die klassischen Spielweisen

Moderator: RB

Es335
Beiträge: 775
Registriert: So Nov 18, 2012 10:54 am
Wohnort: Niederrhein

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Es335 »

uwesemmelmann hat geschrieben:
wuwei hat geschrieben:...Der Jazzgitarrist Renato Rozic...
Sehr geil!

Übrigens, nachdem Rolli irgendwo das "Dowland-Set" von Clive Carroll verlinkt hatte, habe ich meine alten John-Dowland-Noten herausgesucht und übe zur Zeit die "Frog-Galliard". Als wäre meine Fylde dafür gebaut...

[Nach wie vor irritiert mich allerdings die auf fis heruntergestimmte G-Saite bei Lautentranskriptionen...]
Gerade die Frog-Galliard oder auch Tarleton’s Resurrection lassen sich auch problemlos mit klassischer G-Stimmung der G-Saite spielen! :wink:
Benutzeravatar
wuwei
Beiträge: 2629
Registriert: Di Jun 28, 2011 9:07 pm
Wohnort: Im größten Dorf der Welt
Kontaktdaten:

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von wuwei »

uwesemmelmann hat geschrieben:
wuwei hat geschrieben:...Der Jazzgitarrist Renato Rozic...
Sehr geil!
Ja! Vor allem (mal abgesehen von der gitarristischen Klasse) unglaublich sophisticated, was sich aber möglicherweise erst nach mehrmaligem Hören erschließt und nur dem, der die Stücke, oder besser den ganzen Zyklus, gut kennt.

Jedenfalls scheint er sich sehr intensiv mit den Cellosuiten beschäftigt zu haben. Zwischen den beiden verlinkten Aufnahmen (wohl die einzigen, die es bisher von ihm zum Thema gibt) liegen immerhin 11 Jahre. Das ist mMn auch deutlich zu hören.

Nun ja - ins Mythische gehende "Inkubationszeiten" haben bei diesem Zyklus fast schon Tradition: Bei Pablo Casals sollen's zwanzig Jahr vom Beginn der Beschäftigung bis zur ersten Aufführung gewesen sein und bei Wieland Kuijken (der sie auf einer Viola da Gamba spielt) gar deren dreißig. Daß dabei was anderes rumkommt als bei frischgebackenen Diplomcellisten, die diese Meisterwerke, freilich technisch perfekt, nur so runterperlen, ist klar. Insofern liegt Renato Rozic noch gut im Rennen. Man darf also gespannt sein, ob's auch von ihm eines Tages den kompletten Zyklus zu hören geben wird. Drin hätt' er's, meine ich.
uwesemmelmann hat geschrieben:Übrigens, nachdem Rolli irgendwo das "Dowland-Set" von Clive Carroll verlinkt hatte, habe ich meine alten John-Dowland-Noten herausgesucht und übe zur Zeit die "Frog-Galliard". Als wäre meine Fylde dafür gebaut...
Laß doch mal hören wenn's so weit ist. (Den Phil Hare z.B. höre ich am liebsten wenn er auf seiner kleinen Fylde zuppelt. Klingt einfach klasse und irnxwie very special.)

Dowland hatte ich ja auch schon mehrmals im Visier. Allerdings schien mir jedesmal (ohne daß ich's je ernsthaft probiert hätte) mein spieltechnisches Rüstzeug arg dürftig. Da wären bei mir wohl erstmal 'n paar verschärfte Übungseinheiten angesagt, damit die Sache auch ein Gesicht bekommt. Bild

Herzlichen Gruß, Uwe
"A Harf’n g’hert in ka Symphonie;
i’ hab’ ma nöt helf’n könna."
(Anton Bruckner über seine 8.)
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

wuwei hat geschrieben:Der Jazzgitarrist Renato Rozic
Wow. Leider kann ich seine Website nicht aufrufen. Wie soll man denn da die CD kaufen?

Hier noch die Sarabande aus der Cellosuite BWV 1008.

Viele Grüße Stephan
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Und wenn noch etwas Eigenwerbung gestattet ist: die 6 Stücke für Gitarre und Orgel von Andreas Willscher, die ich schon an anderer Stelle vorgestellt hatte. Vom Erhabenen zum Lächerlichen :oops:

"La fille aux cheveux de lin" von Debussy funktioniert übrigens sehr gut auf einer Telecaster. Eine Aufnahme habe ich allerdings (noch) nicht gemacht. Das Stück ist original für Klavier, läuft hier also außer Konkurrenz, existiert aber in zahlreichen Bearbeitungen für klassische Gitarre und Jazzgitarre (Ted Greene, Johnny Smith).

Viele Grüße Stephan
Benutzeravatar
wuwei
Beiträge: 2629
Registriert: Di Jun 28, 2011 9:07 pm
Wohnort: Im größten Dorf der Welt
Kontaktdaten:

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von wuwei »

docsteve hat geschrieben:
wuwei hat geschrieben:Der Jazzgitarrist Renato Rozic
Wow. Leider kann ich seine Website nicht aufrufen. Wie soll man denn da die CD kaufen?
Die HP konnte ich auch nicht erreichen; lag also offenbar nicht an meinem veralteten Browser. Wegen der CD habe ich mich mal schlau gemacht, soweit möglich. Rozic hat auf jeden Fall 2006 eine Bach-CD veröffentlicht. Die scheint jedoch nicht mehr am Markt zu sein. Lediglich ein Restexemplar aus Lagerbestand schwimmt noch im Urwaldfluß. Allerdings kann die dortige Inhaltsangabe unmöglich stimmen: Cellosuiten 2, 5 & 6 nebst Weiterem bei einer Gesamtspieldauer von 46 Minuten. Der Schnitt meiner Aufnahmen von 2, 5 & 6 liegt bei etwa 80 Minuten. Und ausgehend von den zwei verfügbaren Clips dürfte Rozic grob geschätzt die doppelte Zeit dafür brauchen. Es könnte sich demzufolge höchstens um jeweils ein, zwei Sätze aus den entsprechenden Suiten handeln. Für mich leider nicht wirklich interessant. Ob das die einzige reine Bach-CD ist, die er gemacht hat, ist mir bei der Recherche nicht recht klar geworden, scheint aber so.
docsteve hat geschrieben:Und wenn noch etwas Eigenwerbung gestattet ist: die 6 Stücke für Gitarre und Orgel von Andreas Willscher
Coole Sache, Stephan! Jedes Stück hat 'ne ganz eigene Stimmung. Assoziativ spannt sich bei mir der Bogen von Fellini-Filmen über Paris, Texas bis hin zu Fahrstuhl zum Schafott. Gefällt mir. Lebt der Komponist in München?

Herzlichen Gruß, Uwe
"A Harf’n g’hert in ka Symphonie;
i’ hab’ ma nöt helf’n könna."
(Anton Bruckner über seine 8.)
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

wuwei hat geschrieben: Lebt der Komponist in München?
[/quote][/quote]

Nein, soweit ich weiß in Hamburg.

Viele Grüße Stephan
dominik
Beiträge: 218
Registriert: Fr Mär 02, 2007 11:56 am

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von dominik »

Und jetzt auch LJ !!!: Laurence Juber auf einer uralt Martin mit klassischem Repertoire: Dowland , Bach, de Visee, Giuliani und vieles mehr: http://www.laurencejuber.com/touchstones/" onclick="window.open(this.href);return false; . Kann man auf YouTube schon anhören.
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Auf Soundcloud gibt es die Musik auch, ich höre sie gerade. Der Mann hat ja weniger Follower als ich. 8)

Mir fehlen etwas die Dynamik und Phrasierung - vielleicht kommen sie am Headset nur nicht rüber. Aber seine Beatles-Arrangements gefallen mir besser.

Viele Grüße Stephan
Benutzeravatar
Lotti
Beiträge: 268
Registriert: Di Feb 23, 2010 2:21 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Lotti »

Hier mal was Klassisches für die Plektrum-Spieler...
https://www.youtube.com/watch?v=ezrCn270Pr4" onclick="window.open(this.href);return false;

Hab mir den Truefire-Workshop von Tony Sotherman zugelegt, wobei er in dem Video eine Konzertgitarre flatpickt :shock:
Hört sich auf einer Steelstring mit Plek natürlich ebenso gut an.

Ansonsten kenne ich nur William Bay und Oliver Waitze, die Klassik mit Plek auf Stahl spielen (beide haben auch Bücher zu dem Thema rausgebracht).
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Klassik mit dem Pick ist ja eines meiner Lieblingsthemen. Hatte ich HVL Prelude 3 schon hier gepostet? Dass ich gerade Debussy mit Pick UND elektrisch spiele, hatte ich bereits erwähnt. Im Moment ist Clair de Lune dran, ich habe aber nur eine sehr unvollständige Bearbeitung. Warum Debussy? Zum einen, weil es sowieso Bearbeitungen sind, zum anderen, weil das Schwebende, Träumerische sich gut auf der E-Gitarre mit etwas Delay abbilden lässt, und zumindest bei mir besser klingt als auf Nylon.

Was den verlinkten Kurs angeht: HVL Etude 1 oder La Catedral mit dem Pick - um eine gute Pick-Technik zu erarbeiten, sind diese Stücke sicherlich eine Herausforderung, aber ob ein Pick dem musikalisch etwas hinzufügen kann? Spannend ist ja nicht, was technisch geht, sondern ob es musikalisch etwas bringt. Berichte doch mal.

William Bay's Buch habe ich, finde aber die Kompositionen nur so mittelgut. Ich habe den Eindruck, er hat ein Stück in E-Dur, eines in E-Moll, eines in A-Dur und A-Moll, eines in D-Dur, eines in D-Moll - und dann jedes Stück fünfmal. Will sagen, die Stücke geben nicht nur wenig her, sondern sind sich auch noch sehr ähnlich. Da verweise ich lieber nochmal auf Gilbert Isbin und Christian Vasseur.

Und vielen Dank für den Hinweis auf Oliver Waitze, da sollte ich mal vorbeischauen. Ist ja nur einmal übern Berg.

Viele Grüße, Stephan
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

PS Ich erinnere mich daran, dass eine amerikanische Klassik-Gitarristin auf Pick umgestiegen ist, weil sie eine fokale Dystonie hatte und deshalb nicht mehr mit den Fingern spielen konnte. Das ist natürlich eine ganz andere Motivation. Weiß einer, wer das istß

Viele Grüße Stephan
Benutzeravatar
Lotti
Beiträge: 268
Registriert: Di Feb 23, 2010 2:21 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Lotti »

Hatte ich HVL Prelude 3 schon hier gepostet?
Meisterlich gespielt :r: So ein Level muss man erstmal erreichen. Von daher ist mir auch William Bay viel zu schwer. :aua: :aua: :aua:

Vielleicht könnte dich auch das Buch von Felix Schell interessieren:

http://www.schellmusic.com.de/epages/64 ... 2011076%22" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

und hier nochmal Oliver Waitze:

http://www.schellmusic.com.de/epages/64 ... %205630%22" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

Stephan, wenn du noch weitere gute Quellen für die Solo-Flatpicking Gitarre hast, dann lass es mich wissen. Muss nicht zwingend Klassik sein. Bin durch dieses Forum
z.B. auch auf Jürgen Treyz aufmerksam geworden. Er hat gerade ein Buch über alte Deutsche Tanzmusik in DADGAD veröffentlicht. Arrangiert für die Plektrum-Solo-Gitarre - brauchst also keinen Jam-Track mit Begleitung.

Suche alles aus dem Bereich Bluegrass, Blues, Celtic, Rock - und Rockabilly, sowie Klassik.


Gruß

Jan
Lothar

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Lothar »

@ docsteve
Bei der Klassikdame könnte es sich um Liona Boyd handeln.

Gruß
Lothar
Es335
Beiträge: 775
Registriert: So Nov 18, 2012 10:54 am
Wohnort: Niederrhein

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von Es335 »

Lothar hat geschrieben:@ docsteve
Bei der Klassikdame könnte es sich um Liona Boyd handeln.

Gruß
Lothar
... aber nur vorübergehend und weil sie eine zweite Karriere als Singer/Songwriter begonnen hat. Klassisch spielt sie heute wieder ganz konventionell mit Daumen und Fingern. Das aber nicht mehr auf dem ehemaligen Niveau und demzufolge auch nicht mehr öffentlich.
Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 680
Registriert: Mo Okt 01, 2012 2:39 pm

Re: Klassik auf Stahlsaitengitarre - geht das?

Beitrag von docsteve »

Hallo Jan,

zunächst mal vielen Dank für die Blumen :D

Das Buch von Felix Schell kenne ich. Das meiste darin habe ich irgendwann schon mal mit den Fingern gespielt, insofern war es für mich eher eine Anregung, die Sachen auch mal mit Pick zu versuchen.

Ansonsten kann ich Gilbert Isbin und Christian Vasseur wirklich nur empfehlen. Die Stücke gehen von leicht nach schwer und geben mMn mehr her als die von William Bay. Gilbert Isbin wurde bei Mel Bay verlegt und ist als PDF erhältlich. Christian Vasseur gibt es bei Edition Bergmann im Netz als PDF zu kaufen. Auf beide hat mich der großartige Rob MacKillop aufmerksam gemacht, schau dich mal auf seiner Website um.

Die New Acoustic Gallery ist von hier aus tatsächlich nur einmal über den Berg. Samstag will ich hin und schaue mir dort an, was Oliver Waitze so zu bieten hat. Ich bin v.a. an Jazz und Klassik interessiert. Jan, auf welchem Level spielst du? Ich kann Oliver um Empfehlungen bitten.

Viele Grüße Stephan
Antworten