Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Wie fang ichs an, wie bleib ich dran ....

Moderator: RB

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wuwei
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von wuwei »

Hihi, Du bist gut, Thomas. Was mach ich denn laufend?

Aber im Ernst: Ich hab nix zu sagen. Bild

Herzlichen Gruß, Uwe
"A Harf’n g’hert in ka Symphonie;
i’ hab’ ma nöt helf’n könna."
(Anton Bruckner über seine 8.)
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Niels Cremer
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von Niels Cremer »

wuwei hat geschrieben:Unsere voneinander abweichenden Interpretationen halte ich allerdings gar nicht für widersprüchlich. Mir scheint, der Unterschied beruht lediglich darauf, daß Du den Text ausschließlich novellistisch auffaßt (woran absolut nichts auszusetzen ist), während ich geneigt bin, ihn zugleich und darüberhinaus als Seelendrama zu lesen.

...

Daß ein Text mehrere Verständnisebenen bei jeweils hinreichender Konsistenz zuläßt, scheint mir dabei nicht merkwürdig, sondern eine unabdingbare Eigenschaft guter Texte zu sein (sonst wären's ja Bedienungsanleitungen geworden).
Da hast du sicher recht, so wie jeder sein Umwelt vielleicht ein wenig unterschiedlich wahrnimmt liest und versteht natürlich jeder auch Texte anders, stellt unterschiedliche Beziehungen her, hat abweichende Erfahrungen die das Gelesene evtl. in anderem Licht erscheinen lassen etc.; dagegen ist, wie du schon sagst, nichts auszusetzten! :-)

LG,
Niels
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wuwei
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von wuwei »

Genau so war's gemeint, Niels. Danke! Was aber durch meine Lust am Fabulieren in Sonatenhauptsatzform offenbar zu wenig deutlich geworden ist, mir allerdings nicht ganz unwichtig scheint, war die auch für mich erstmal verblüffende Feststellung, daß meine Gedanken eben gar nicht vom Text her in Richtung einer zusätzlichen Bedeutungsebene gelenkt wurden, sondern vom musikalisch-künstlerischen Gesamteindruck. Denn auch abseits von Van's ausdrucksstarkem Gesang wartet der Song ja mit bemerkenswerten Details auf, bei denen man (zumindest ich) durchaus ins Grübeln kommen kann. So z.B. der genialische Kommentar des Pianos zu "And they put his fingers through the glass"...

Einlassen muß man sich auf derlei ästhetisches Raffinement wie gesagt nicht (auch wenn das den Hörgenuß ungemein erhöhen kann), denn der Song funzt ja auch so. Auch würde ich nicht so weit gehen wollen wie G. Benn, der irgendwo sinngemäß behauptetet, ein wirklich gelungenes Gedicht könne man auch dann verstehen, wenn es in einer Sprache geschrieben sei, die einem unbekannt ist. Aber 'n bißchen was scheint mir da (nicht zuletzt durch meine Erfahrungen mit diesem Song) schon dran zu sein.

Herzlichen Gruß, Uwe
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RB
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von RB »

Er ist eine charismatische Persönlichkeit, das steckt schon in den ersten Zeilen. Und er läßt sich nichts bieten.

Es gibt Texte, die veranlassen die jeweiligen Autoren später, einzuräumen, daß sie sich selbst bei der Bedeutung nicht festlegen wollten oder konnten. Lyrik ist auch nicht so. Sicher kann man wie Tom Paxton dichten, dessen Texte manchmal eine Art agit prop "I hate unemployment and I’ll tell you why I wanna keep working ‘til the day I die", jedenfalls eine Art sozialdemokratische Agenda an sich hatten, bis hin zu "For What It's Worth" von Jefferson Ariplane (Stephen Stills), in dem ein eigentümlich angespanntes, etwas bedrohlich wirkendes Szenario heraufbeschworen wird, das zwar das erkennen läßt, was man als "gesellschaftliche Spannung" bezeichnen könnte, ein konkreter Bezug - wiewohl gegeben - im Text aber nicht erkennbar wird. Der Text bleibt diffus und vollzieht von einer Strophe zur anderen Wendungen vom Generellen ins Private, die es schwer machen, eine Bedeutung des Textes im Sinne einer kohärenten Botschaft zu erkennen. Extrem in diesem Sinne auch "Protobello Belle" von Mark Knopfler, ein Text, der ähnlich dem Still'schen eben Bilder zeichnet, Vorstellungen und Assotiationen weckt, aber mehr nicht.

Das ist das Kreuz mit der Lyrik, aber auch das Schöne daran. Sie kann die Vorstellungswelt des Zuhörers ansprechen und - ähnlich abstrakter oder surrealer Malerei - einen Eindruck schaffen, sozusagen ein Bild malen.

Die als Beispiele genannten Texte einmal zur Veranschaulichung auszugsweise zitiert:

For What It's Worth:

There's something happening here
What it is ain't exactly clear (womit über den Text eigentlich schon alles gesagt ist)
There's a man with a gun over there
Telling me I got to beware


und am Schluß

Paranoia strikes deep
Into your life it will creep
It starts when you're always afraid
Step out of line and the men come to take you away


Portobello Belle

She sees a man upon his back there
Escaping from a sack there
And belladonna lingers
Her gloves they got no fingers
And the blind man singing the Irish
He get his money on a tin dish
Just a corner serenader
Upon a time he would have made her

She thinks she's tough
She ain't no English rose
Oh, but the blind singer
He's seen enough and he knows

And the barrow boy are hawking
And a parakeet is squawking
Upon a truck there is a Rhino
She get the crying of a wino
And then she get the reggae rumble
Belladonna's in the jungle
But she is no garden flower
There is no distress in the tower


Ein sehr interessantes Thema.
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RB
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von RB »

Oder auch im hiesigen Dialekt:

Nächstens oder Mittwoch, morgen oder gleich
hocken wieder schwarze Vögel auf dem Deich.
Jemand steht auf einem Eimer, mit der Hand
droht er und stößt Wolken in das Land.
Beweg' dich nicht. Wo ist dein Mund?
Schließ' noch nicht die Augen, sieh in den Himmel, und
dann merk' dir ganz genau,
wo der Polarstern steht,
eh' der große Bär ihn frisst.
Ritz' dir in die Hand
die Marschzahl, wenn es geht,
eh' man die Windrose bricht.


und zB

Sein Wagen hockte neben der Tür zur Bar
Ein kurzer Wagen aus Polster und Chrom
Sie rauchten und strichen die Angst ins Haar
Als sich die Straße im Wind verlor

In einem Feldweg verdrehte er seine Hand
Eine kurze Hand mit Nägeln aus Chrom
Als sie in ihrem Körper verschwand
Wußte sie, daß sie fror


Die haben mich schon als Kind schwer beeindruckt.
WolfF
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von WolfF »

RB hat geschrieben:Das ist das Kreuz mit der Lyrik, aber auch das Schöne daran. Sie kann die Vorstellungswelt des Zuhörers ansprechen und - ähnlich abstrakter oder surrealer Malerei - einen Eindruck schaffen, sozusagen ein Bild malen.
Wie wahr! Ich grüble schon seit ein paar Jahren (wenn auch nicht ununterbrochen :wink: ) über den Refrain eines Songs von Mickey Newbury nach:

"It’s the 33rd of August, Lord, and I’m finally coming down,
Eight days from sunday finds me saturday bound."

Was mag uns der Künstler damit sagen wollen? Hat irgendjemand irgendeine Idee?

:D Wolfgang
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Angorapython
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von Angorapython »

"For What It's Worth" von Jefferson Ariplane (Stephen Stills) :?:
ich tippe auf: "von Buffalo Springfield :?:
Ever tried, ever failed? No matter. Try again, fail again. Fail better.--Samuel Beckett
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RB
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von RB »

Stimmt. Mein altersschwaches Gehirn hat versagt.
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wuwei
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von wuwei »

Danke für Deine gehaltvolle Einlassung, Reinhard. Da muß ich mir erstma in Ruhe 'nen Kopp drüber machen. Falls ich mein Anliegen vielleicht nochmal abschließend auf den Punkt bringen darf (der Faden scheint ja hurtig Fahrt aufzunehmen - fein, fein!):

Was einerseits erstaunt, ist, daß unter so vielen Musikern hier, die den Song wahrscheinlich schon kannten oder die ihn sich anläßlich dieser Diskussion mal angehört haben (und von denen die meisten sich noch dazu selber mit Songwriting bzw. dem Arrangieren von Songs beschäftigen), scheinbar nicht einem die eklatante Schwäche des Songs aufgefallen ist, die er doch unüberhörbar hat - zumindest wenn man die sich aufdrängende, vordergründige Lesart für die einzig richtige hält und jede andere Interpretation für mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogen. Andererseits gibt's freilich keinen schöneren Beleg für das von mir behauptete Zwingende, das dem Song innewohne.

Worin besteht aber nun dieser mMn. nicht hinnehmbare handwerkliche Fehler des Songs, der möglicherweise nur durch die bewundernswerte Eloquenz der Ausführung so mühelos überspielt wird, daß sich selbst die geübten Ohren von Musikern täuschen lassen? Nun, auch wenn man sich auf die von mir bereits angedeutete, ihm eignende ästhetische Hochseilartistik nicht einlassen mag, kann es doch überhaupt nicht angehen, daß Klimax von Text und Musik so weit auseinanderklaffen wie hier. Denn die schöne Anmerkung von Niels, "Die Verzweiflung dieses - fiktiven - Linden Arden spiegelt Van the Man für mich einzigartig in seinem zerrissenen, stimmlich an die Grenzen gehenden Gesang wider, für mich das eigentliche Highlight des songs.", wäre doch nicht einmal halb wahr, wenn nicht unterschwellig eine zweite Textebene mitlaufen würde, die dem Ausbruch und zugleich Höhepunkt dieser Verzweiflung auf "Linden Arden stole the highlights" die nötige Deckung verschaffen würde. Sie wäre doch, künstlerisch betrachtet, völlig hohl, wenn diesem Vers in der Wiederholung nicht die zentrale Bedeutung im Text zukäme. Ist dem aber so?

...Nur durch dieses ästhetische Problem sah ich mich genötigt, nach einer Antwort zu suchen. Denn der Song (mag er toll sein, wie er will) könnte es bei mir niemals nicht auf's Stockerl schaffen, wenn es hierfür keine befriedigende Lösung gäbe. Er wäre höchstens ein besonders schmuckes Exemplar meiner Sammlung "gut gemeint, aber nicht gekonnt", weil er einem Western gliche, bei dem die dramatische Inszenierung ihren Höhepunkt nicht beim Shootout erreicht, sondern beim anschließenden Pferdestriegeln.

Herzlichen Gruß, Uwe
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docsteve
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von docsteve »

WolfF hat geschrieben:
RB hat geschrieben:Das ist das Kreuz mit der Lyrik, aber auch das Schöne daran. Sie kann die Vorstellungswelt des Zuhörers ansprechen und - ähnlich abstrakter oder surrealer Malerei - einen Eindruck schaffen, sozusagen ein Bild malen.
Wie wahr! Ich grüble schon seit ein paar Jahren (wenn auch nicht ununterbrochen :wink: ) über den Refrain eines Songs von Mickey Newbury nach:

"It’s the 33rd of August, Lord, and I’m finally coming down,
Eight days from sunday finds me saturday bound."

Was mag uns der Künstler damit sagen wollen? Hat irgendjemand irgendeine Idee?

:D Wolfgang
So was wie "jetzt schlägts dreizehn"? Ich finde es eine coole Zeile, kann ich mir sofort was drunter vorstellen. Erinnert mich an "The Weight" von The Band: "Pulled into Nazareth, I was feeling about half past dead". "Half past dead" ist vermutlich genau das, was auch Mickey Newbury meint.

Und das Montagmorgen- oder Sonntagabend-Gefühl, dass jetzt aber mal endlich Wochenende sein müsste, kennt jeder, ist aber viel schöner ausgedrückt als z.B. das vergleichsweise platte "Monday I've got Friday on my mind".

Viele Grüße Stephan


PS zum Thema Vorstellungswelt: Die Zeile in "The Weight" wurde inspiriert vom Label in einer Martin. Abgesehen davon, dass viele Hörer egal sein dürften, wo Martin seine Gitarren baut, bringt Nazareth durch die biblische Referenz eine weitere Bedeutungsebene ins Spiel, die dem ganzen Text eine mythische Dimension verleiht. "Pulled into Kalamazoo" wäre bei weitem nicht so stark.
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wuwei
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von wuwei »

WolfF hat geschrieben:"It’s the 33rd of August, Lord, and I’m finally coming down,
Eight days from sunday finds me saturday bound."

Was mag uns der Künstler damit sagen wollen? Hat irgendjemand irgendeine Idee?
Finde den Text von "The 33rd Of August" insgesamt interessant und mit durchaus eigenständigem "taste and feel". Würde ihn thematisch im Bereich Sinn-/Heilssuche verorten. Von daher tendiere ich zu der Auffassung, "It's the 33rd of August, Lord, and I'm finally coming down" drückt etwas wie die (bisherige) Vergeblichkeit dieser Suche aus (von wegen Zeitüberschreitung), was durch "Eight days from sunday finds me saturday bound" nochmal bekräftigt wird (acht Tage, von Samstag (= Werktag) an gerechnet, haste schon einen Sonntag (= Tag des Herrn) passiert und bist wieder an 'nem Sonntag angekommen, ohne doch das Heil gefunden zu haben - s.a. erste Textzeile: "Well, today there's no salvation").

Vielleicht ja Quatsch, aber möglicherweise trotzdem anregend. :)

Herzlichen Gruß, Uwe
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von WolfF »

wuwei hat geschrieben:
WolfF hat geschrieben:"It’s the 33rd of August, Lord, and I’m finally coming down,
Eight days from sunday finds me saturday bound."

Was mag uns der Künstler damit sagen wollen? Hat irgendjemand irgendeine Idee?
Finde den Text von "The 33rd Of August" insgesamt interessant und mit durchaus eigenständigem "taste and feel"...
Vielen Dank schon mal für das Mit-Überlegen! Ich finde den Text auch sehr spannend (sonst würd’ er mich ja auch nicht so "verfolgen") und cool – wie den ganzen Song, vor allem in der Version von David Allen Coe. Das mit der "Dreizehn, die geschlagen hat", wäre ja so etwas wie eine Redensart, aber da nehme ich doch an, dass Google die dann auch in einem anderen Zusammenhang gefunden hätte? Ich denke eher in die Richtung wie du, Uwe: Es hat irgendwas mit Erlösung, Ewigkeit, Relativität von Zeit und Raum zu tun, mit außerhalb von Raum und Zeit sein. So etwas wie die Vergeblichkeit des Bemühens, bestimmte Dinge in festen Zeitbegriffen zu fassen. Zu den "eight days": Wir sagen ja auch "in acht Tagen", wenn wir eigentlich eine Woche meinen. Aber von Sonntag bis Samstag sind’s nur sechs Tage … Also auch irgendwie außerhalb der "normalen" Zeitbegriffe …

:D Wolfgang
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wuwei
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von wuwei »

Gern, Wolfgang. Genau die Aufnahme von David Allen Coe hatte ich mir angehört. Obwohl musikalisch eigentlich nicht meine Welt, finde ich sie sehr stark und überzeugend. Ich kann also Deine Begeisterung durchaus mitvollziehen. Meine Spontanübersetzung des Refrains wäre ja einfach "(Ich bin) aus der Zeit/der Welt gefallen" gewesen. Um jedoch der Gefahr des völligen Mißverstandenwerdens zu entgehen, hab ich's halt mal mit Rantasten versucht. 8) Da wir aber den Text offenbar sehr ähnlich auffassen, ist's hiermit nachgeholt.

Herzlichen Gruß, Uwe
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wuwei
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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von wuwei »

RB hat geschrieben: Extrem in diesem Sinne auch "Portobello Belle" von Mark Knopfler, ein Text, der ähnlich dem Still'schen eben Bilder zeichnet, Vorstellungen und Assotiationen weckt, aber mehr nicht.
Ja, tiefgründig ist der Text sicher nicht, aber er regt die Phantasie an. Und obwohl manche Verse den Eindruck erwecken, sie wären eher des Reimes als des Sinnes wegen da, finde ich schon, daß er auch 'ne stringente Geschichte erzählt. Er spielt halt 'n bißchen mit der Assoziation Portobello (Road) - Belle - Belladonna und der Doppeldeutigkeit von Belladonna (schöne Frau und Tollkirsche: "Die Schwarze Tollkirsche gilt als alte Zauberpflanze mit der Fähigkeit Erregungszustände auszulösen."). Eine interessante Kurzinterpretation hab ich auf songmeanings.com gefunden:

Belladonna:
She is a young irish girl, who has had, what she think it was, a “hard life”. So, now she is trying to leave it all behind. She have changed her style, her clothes and is trying to be a grown-up tough girl. She think that she has moved on, and that she is stronger now, but she is still an innocent and young girl.

The-Blind-Singer:
I think he is an old man. He is an old street musician who plays for money. I don’t know if he is really blind. I think he is blind to superficial things, like Belladonna’s look and style. He can see more than that. What he have “seen before” is that kind of girls, trying to run away from her past and living a rock-life for a while. So that’s why he knows Belladonna, he knows what she is trying to do, how she is trying to look like, and who she is trying to be.

The Story:
She is walking through the high street. She is in a new place, no one know her, and she don’t know anyone. And she don’t care. She is trying really hard not to be an “english rose” nor a “garden flower”: a nice, cute and sweet girl. She is another flower, a Belladonna. But he sees her. The blind singer is the only one who know what’s going on and what she is doing. So, he plays a song, the irish song, about an irish girl. I think he is like mocking at her in a really sweet way. I don’t know if she hears the song, but if she does, I think she wouldn’t like it. Because the song he plays is like “Oh girl, u can’t fool me, I know who you are and where u came from. I’ve seen girls like u before”. If Belladonna listened the song, I think she would be mad at him. He is pointing what she wanna hide. No one else would know it. No one else would get who he is playing for. Just them know what he is talking about.
Then he makes a description of her travels, the things she have seen and the things she is living. “Belladonna is in the Jungle”. I think that, yes, it talks about big cities, the big world, the crazy people. But i think that the Jungle is her mind in that moment. That moment when she realize that he is right: He knows! She feels like exposed to this man who don’t know her ...but he does.
Then, at the end of the song, “Belladonna is taking control”. She is really mad at the blind singer, so she insult him, and tells him he is wrong (but both know that he is right), she is really angry. At this part of the song you can see that the music changes. I think it is because till this part, the Blind Singer is in some way Mark Knopfler: we have HIS point of view, not hers. But now, “she is taking control”, the music change, now Belladonna is who is talking. “SHE sing a song about a long-gone irish girl”.

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Re: Sammelthread für unverständliche Songtexte/Textstellen

Beitrag von RB »

Ich habe nicht gesagt, der Text sei nicht tiefgründig. Das Fehlen einer inhaltlich und sprachlich unmittelbar gemeinten Aussage führt nicht zum Fehlen einer Aussage schlechthin, sondern lediglich zum Treffen einer Aussage, bei der die Sprache auf eine andere Art genutzt wird. Sprache ist ein mächtiges Instrument. Man kann viel mit wenigen Worten und wenig mit vielen Worten von sich geben.
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