Mit f?nfzig...

Wie fang ichs an, wie bleib ich dran ....

Moderator: RB

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Angie
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Mit fünfzig...

Beitrag von Angie »

Hey,
nach fast dreißigjähriger Nahezu-Schreibblockade hab ich nachts um zwei auf einmal ein fast fertiges Lied/Gedicht im Kopf, die Quellen sind doch noch nicht ausgetrocknet. Weil ich den Eindruck habe, mit diesem Thema nicht ganz allein hier zu sein, stelle ich es rein in der Hoffnung, dass es dem einen oder anderen gefallen mag.
Wer findet, es könnte sich zum Vertonen eignen (ich finde ja, bin aber musikalisch weniger fit) - immer zu, das wär mal toll!

***

Mit fünfzig ist das Ende näher als der Anfang.
Die Kinder sind erwachsen, gehen ihren Weg.
Noch nennt dich niemand Oma oder Opa,
doch nur, weil man heut später Kinder kriegt.

Mit fünfzig ist der Abschied näher als die Ankunft.
Die Eltern sterben, räumen dir den Weg.
Die Zeit war reif, du kleidest dich in Fassung,
während das Nichtbegreifen dir die Luft abdreht.

Nicht den Tod und nicht das Sterben
fürchtest du. Das geht vorbei, dann bist du weg.
Die Angst, die dich des Nachts jetzt immer öfter weckt,
ist die, dein Leben nicht gelebt zu haben.

Mit fünfzig ist das Alter näher als die Jugend.
Die Freunde kriegen Krebs und Schlaganfall.
Bei jedem Klassentreffen lichten sich die Reihen,
und manchen siehst du hier zum letzten Mal.

Mit fünfzig sind mehr Träume übrig als noch Leben:
die Weltreise, das Haus, das nicht gemalte Bild...
In Wirklichkeit bist du halb gar geblieben:
hast alles angefangen, nichts erfüllt.

Nicht den Tod und nicht das Sterben
fürchtest du. Das geht vorbei, dann bist du weg.
Die Angst, die dich des Nachts jetzt immer öfter weckt,
ist die, dein Leben nicht gelebt zu haben.

Mit fünfzig solltest du vielleicht den Rucksack packen.
In diesem Alter braucht der Mensch nicht mehr
auf eine Zukunft irgendwann zu hoffen.
Das Konto, das du jetzt nicht füllst, bleibt offen.
Das weißt du. Und machst weiter wie bisher.

***

LG
Angela
Mario
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Beitrag von Mario »

Liebe Angela,

sehr schön und wie ich finde eine Ausdruck sehr intimer Gedanken, die aber aufgeschrieben plötzlich für viele wie die eigenen Gedanken erscheinen. Du hast ja schon an anderer Stelle gesagt, dass du hier die Bj 56er Fraktion verstärkst und ich bin sicher, dass fast alle 56er hier schon mal diese Gedanken hatten - insbesondere den letzten Satz erkennt wohl jeder :wink:

Ich habe das Gedicht eigentlich schon mit einer Melodie im Kopf gelesen - bis halt auf den letzte Satz. Und in fast allen Strophen bin ich mit der Meldoie im Kopf in der letzten Zeile durcheinander gekommen.

Welche Tonart bzw. welche Griffe sind für dich im Moment (in Verbindung mit dem Folkpattern) am einfachsten zu spielen? Ich versuche dann mal die Meldoie irgendwie so hinzukriegen und aufzunehmen, dass du es auch spielen kannst. Aber erwarte bitte nicht zu viel :oops:

Mario
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Angie
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Beitrag von Angie »

Lieber Mario,

herzlichen Dank für Dein Lob! Das bedeutet mir eine ganze Menge - wegen der ausgetrocknet geglaubten Quellen und so.

Das find ich ja nun irre, dass Du das Ding schon mit einer Melodie im Kopf gelesen hast - echt?! Warum gerade die letzte Zeile nicht reinging, keine Ahnung - liegt vielleicht gerade am doch ziemlich gleichmäßigen Metrum? Hättest Du die letzte Verszeile jeweils kürzer empfinden wollen?

Aber egal - wenn Du das vertonen magst, wär das das Größte! Zu viel erwarten kann ich gar nicht bei meinem musikalischen Level. Tiefstapeln wolltest Du damit aber nicht, oder? Ich hab in Deine Lieder reingehört, mir machst Du nichts vor! :wink:

Das Pattern übe ich z.Z. bloß in G-Dur, am einfachsten greifen sich für mich D-Dur und A-Dur - aber das ist eh unwichtig, da mein Stimmumfang mittlerweile sehr geschrumpft und meine Stimmlage irgendwie untypisch ist - ich muss fast alle Songs für mich transponieren. Die Griffe sind das kleinere Problem, manchmal geht's in höheren Lagen im Barree sogar leichter als unten.

Also ich bin ganz aufgeregt jetze! :oops:
Angela
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saite
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Beitrag von saite »

Super Einstand Angie!

Auf das Ergebnis eurer "Zusammenarbeit" bin ich sehr gespannt. Bin gerade 40 geworden :wink:

@mario Mir hat "Manchmal" sehr gut gefallen! (@all- das Lied dass er ins Deerbridge -Forum gestellt hat)

Ich kann leider gar nichts dichten, meine Kollegin z.B. hat so ein riesen Talent, ich kann da immer wieder nur sprachlos davor stehen.

Gruß Kerstin
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H-bone
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Beitrag von H-bone »

Hallo Angie, auch von mir erstmal ein herzliches Willkommen !!

Dein Text ist in meinen Augen hervorragend gemacht - inhaltlich jedoch macht er mich einigermassen betroffen ! Betroffen deshalb, weil ich darin sehe wie extrem unterschiedlich Menschen ihr Alter und den damit verbundenen Status empfinden.

Der Tenor des Textes (vor allem des letzen Verses) erscheint mir wie: "Nun bist du fünfzig, lass' alle Hoffnung fahren, setz' dich ruhig in's Eck und warte bis es zu Ende geht..." - soll heissen: Hier hat der Jugendwahn einen klaren k.o.-Sieg errungen... Nur Warum bitte ?

Ich bin auch fünfzig... und ich denke ich habe in den letzten zwei Jahren eine "Zukunftsenergie" entwickelt, wie wahrscheinlich noch nie im Leben. Und sie hält noch an..

Wenn dein Text überschrieben wäre: "Mit siebzig" würde ich sagen: "Ja, schau' mer mal...", aber der Aussage:

"Mit fünfzig solltest du vielleicht den Rucksack packen.
In diesem Alter braucht der Mensch nicht mehr
auf eine Zukunft irgendwann zu hoffen."

kann ich eigentlich nur sagen:

"Rucksack packen ist o.k. - aber dann auf zu neuen Ufern, und vergiss' die Abenteuer-Ausrüstung nicht... das Leben fängt gerade neu an... und ist spannend !!"

Bitte diese Kritik nicht falsch verstehen, wenn du so fühlst, dann wünsche ich dir viele neue Impulse im weiteren Leben, vor allem aber Hoffnung auf eine neue Zukunft !

Wir sind noch verdammt jung !! :wink:

Gruss, Martin
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ulf
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Beitrag von ulf »

Glückwunsch zu deinem Text!
Laß die Quelle weiter sprudeln.

Menschlich gesehen bin ich allerdings noch nicht zufrieden. Wenn das alles wirklich so ist wie du schreibst, dann tauchen in mir viele Fragen auf.

Dein Talent und deinen Mut
doch am End´ find ich gut.

Gruß

Ulf
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Harald
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Beitrag von Harald »

Hi Angie,
ein wirklich zu Herzen gehender Text, sehr gut geschrieben, finde ich.

Der Inhalt wäre aber in seinem Pessimismus nur dann so ganz nachvollziehbar, wenn er von einem wirklich alten Menschen stammen würde. Wenn Du wirklich so fühlst, dann hast Du sicher noch net gemerkt, dass wir in einer Zeitl leben, in der die Menschen demnächst hundert Jahre alt und älter werden. Menschenskinder, Du hast grad die erste Hälfte rum und dann so am Boden wegen ner Zahl, die nur im Kopf wirklich existiert???

Ich bin 55 und denk noch immer, es kommt noch ne ganze Menge Tolles auf mich zu, und wenn das nicht auf mich zukommen will, ja Mensch, dann geh ich eben in seine Richtung.

Kopf hoch und mal wieder n bißchen Sonne an Dich ranlassen.

Aber das hat mit der Qualität des Textes jetzt alles nix zu tun. Den find ich gut, hab ich ja schon gesagt. Aber eben nur, wenn Johannes Heesters ihn singt.

Einen etwas freudvollen Tag wünsch' ich Dir.
"... und hätte aber die Liebe nicht ..."

http://www.youtube.com/watch?v=N4kFCBIYDqA
Mario
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Beitrag von Mario »

Hmm,
ich habe mir jetzt die letzten Beiträge mehrfach durchgelesen und bin sehr nachdenklich geworden.
Ich finde (oder besser fand) den Text gar nicht so negativ. Ich habe ihn tatsächlich so empfunden, wie ich selbst manchmal denke - meist im Zusammenhang mit erlebten Situationen (Tod der Eltern, Erfolge der Knder, Proleme mit finanzieller Situation, Krankheiten von Gleichaltrigen). Deshalb habe ich ja auch gesagt, dass wahrschinlich jeder der angesprochenen Fraktion schon mal ähnliche Gredanken hatte.
Ich habe aber die letzte Zeile völlig anderes interpretiert, nämlich als Aufbruch bzw. als positives Weitermachen trotz der "Schläge des Lebens".

Aber vielleicht liegt das daran, dass ich sowieso bei meinem Charakter keine Chance habe lange trübselig zu sein und trotzdem meine Lieder fast immer mit viel moll schreibe :D

Es bleibt interessant

Mario
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Beitrag von Mario »

@Saite: nochmals danke :oops:

Aber warum kannst du gar nichts dichten? Versuch es und nochmal und nochmal und nochmal - du kannst es, es muss ja nicht unbedingt den anderen gefallen, aber Gedichte und Lieder sind halt ein wunderbares Mittel um emotionale Spannungen abzubauen.

Mario

P.S. bei meiner Frau sind meine Lieder zur zeit eher geeignet um emotionale Spannungen aufzubauen - ich spiele zu viel und mache zu wenig anderes 8)
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Harald
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Beitrag von Harald »

Schreib net so viel in Moll, sonst wirst am Ende noch viel zu mollig.
"... und hätte aber die Liebe nicht ..."

http://www.youtube.com/watch?v=N4kFCBIYDqA
Gast

Beitrag von Gast »

saite hat geschrieben:Ich kann leider gar nichts dichten, meine Kollegin z.B. hat so ein riesen Talent, ich kann da immer wieder nur sprachlos davor stehen.
Gruß Kerstin
Stehen zwei Tübinger Schwaben auf der Neckarbrücke und
beschließen, einen Wettstreit im Reimen abzuhalten.

Der Erste: "Ich steh da uff der Nackarbruck - und schpuck de
Fische ins Genuck"
Der Zweite nickt anerkennend und sagt: " Ich steh da uff dr
Neckabruck und schteck dr Finger in dr Arsch"
Sagt der Erste: "Das reimt sich aber nicht" woraufhin der andere
erwiedert "Nein, aber es dichtet".

So viel zum Thema reimen und dichten ;-)

Grüße, NIk
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marcus
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Re: Mit fünfzig...

Beitrag von marcus »

Angie hat geschrieben: Weil ich den Eindruck habe, mit diesem Thema nicht ganz allein hier zu sein,
hi,

wie schon ein anderer großer dichter schrieb:
»das ist die harte zeit zwischen twentours und seniorenpass.« :wink:
Mario
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Beitrag von Mario »

sonst wirst am Ende noch viel zu mollig.
Der Ratschlag kommt zu spät :wink:
M.
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Gast

Beitrag von Gast »

Über 50? Ach Du heilige Schei**e! :shock:

Moin Angie, sei gegrüßt.

Ein Keks wurde Dir ja schon angeboten,
ich bin sicher, er hat geschmeckt. :mrgreen:

:wink:
Werner
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notenwart
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spontan

Beitrag von notenwart »

erinnert mich der text an die von b.thalheim/j.kopka.
("was fang ich an mit mir in diesen jahren, die nicht die ersten besten jahre sind? was fang ich an mit meinen kurzen haaren, die nicht so wolln wie der prinzipienlosen wind...")
nicht, weil die damals schon 50 waren, sondern weil auch dort oft so ein unangebrachter zweifel mitschwang. aber deswegen haben diese texte mir gefallen. dieser, dein text gefällt mir auch sehr.
und ich finde es sehr mutig von dir, so hier einzusteigen.
daumen hoch. und danke
Thomas ...
Wenn ich die männliche/weibliche Form verwende, sind auch immer die weiblichen/männlichen Menschen mit gemeint
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