Was macht einen guten Song aus?

Musiktheorie und Komposition

Moderator: RB

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tele
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Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von tele »

Unter Song verstehe ich dabei ein Stück mit Gesang und Text, bestehend aus Strophen, Refrain und eventuell einer Bridge.
Die Frage wirft natürlich unterschiedlichste Aspekte auf und lässt sich nicht so einfach beantworten.
Zudem ist die Erwartungshaltung an einen Song wohl von Hörer zu Hörer unterschiedlich

Für mich wichtig ist aber, dass eine starke Melodie die Akkordfolge inspiriert und wenn es melodisch notwendig ist, auch mal Akkorde vorkommen, die ohne die Melodie weniger Sinn machen würden.
Wie zum Beispiel im Song Wintertime Love von den Doors: eine starke Melodie macht sich eine eher verschrobene Akkordfolge gefügig.

Im Gegensatz dazu gibt es hundertfach Songs, wo Akkordfolge und Groove für sich schon ganz brauchbar klingen, und der Sänger über die Akkordfolge nachträglich eine Melodie und einen Text erfunden hat. Amateur-Rockbands arbeiten so.
Oder vermutlich Werner Lämmerhirt. Super Gitarrist, super Gitarrengroove, aber die Gesangsmelodie wirkt auf mich doch eher austauschbar. Das Stück würde auch ohne Gesang funktionieren, der Gesang hat hier wohl eher die Aufgabe, der Gitarrenkomposition zusätzliches Interesse zu verleihen und einen persönlichen Kontakt zum Publikum herzustellen. Ein guter Instrumentalist ist nicht automatisch ein begnadeter Songwriter.

Wichtig finde ich auch größere Spannungsbögen, melodische Phrasen, die sich nicht alle 2 Takte wiederholen, sondern auch mal über acht Takte gehen, bevor sie dann wiederholt werden.

Die Anzahl der Akkorde ist aus meiner Sicht kein Kriterium.

Sin City von den Flying Burrito Brothers hat nur drei Griffe und ist trotzdem einer der besten Songs, die je geschrieben wurden. Meint unter anderem Nick Hornby in "High Fidelity".

Deacon Blues von Steely Dan hat ein paar Akkorde mehr und überzeugt auf seine Art genauso.

Was beiden gemeinsam ist, ist dass sich hier kein Sänger nachträglich eine Melodie auf einen für sich schon funktionierenden Akkordgroove zurechtgeschustert hat, sondern Akkorde und Melodie einer Grundidee entstammen und erst in Verbindung Sinn machen, sich also gegenseitig bedingen. Im Idealfall entstehen Melodie, Akkorde und Grundrhythmus im selben Moment.

Wäre interessant zu erfahren, woran andere Foristen einen guten Song festmachen.
Youtbe-Links dabei bitte nur als Beispiele zur Untermauerung eines verbal erläuterten Sachverhalts anbringen, nicht nach dem Motto: ich steh auf Song X von Songwriter Y.
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Holger Hendel
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von Holger Hendel »

Mit dieser spannenden Frage sah ich mich vor einigen Wochen auch etwas intensiver konfrontiert als man mich in die Jury eines Singer/Songwriter-Slams bestellte.

Eine separate Bewertung von Harmonisierung und Melodie halte ich für nicht zielführend, nichts von beidem muss standalone funktionieren oder gefallen, es ist ja schließlich ein Song. Will meinen - wenn mir der Song daselbst gefällt, ich die Melodie albern oder banal finde, wenn ich sie vor mich hinpfeife - dann leidet das Ansehen des Songs bei mir nicht darunter. ;)

"call me maybe" halte ich für einen der allerbesten Songs der letzten Jahre, da kommen scheinbar viele mir wichtige Faktoren zusammen. Und ich meine, hier ist eben das von Dir erwähnte passiert: Die relativ "starke" Melodie führt die Akkordfolge und ich habe nicht den Eindruck, dass es umgekehrt ist.
Wichtig finde ich auch größere Spannungsbögen, melodische Phrasen, die sich nicht alle 2 Takte wiederholen, sondern auch mal über acht Takte gehen, bevor sie dann wiederholt werden.
D´accord! An diesem Juryabend wurden wir quasi mit frischen Songs zugeschmissen, im Kopf hatte ich jeweils nach grob einer Minute das Ablauf-Schema (Intro - Strophe - Refrain - Strophe - Refrain - schnarch...) eines jeden Songs. Echte Überraschung gab es selten, kompositorische Originalität wurden dann aber idR auch mit entsprechend guter Bewertung honoriert, etwa ein Zwischenspiel mit Refrain-Anleihen, leichter harmonischer Variation und radikalem Tempowechsel, welches so im Song aber nur ein einziges Mal vorkam. Das war bemerkenswert gut. Ein anderer Titel, vom Schema her ein "four chord song"...hmmm...der war sowas von monoton, dass ich mich innerlich echt aufgeregt habe - denn der für mich sehr gute Text wurde durch diese eintönige musikalische Untermalung einfach in die Belanglosigkeit verbannt...da hatte man gar keine Lust dem Text ´ne Chance zu geben, Feierabend. Vielleicht war es die Intention der Komponistin, die Musik bewußt einfach zu halten um die Konzentration auf den Text zu legen - wer weiß - sollte es so gewesen sein: In meinem Fall ist es fehlgeschlagen.

Einspruch: "Am Strand" - der würde für mich nicht ohne die gewählte Gesangsmelodie funktionieren bzw. würde dann in Passagen sehr "nackt" klingen - aber hey, dieser Bereich der Spekulation ist ohnehin schwierig. Ich kenne den Titel nur mit Gesang...wer weiß ob man sich auf einen vergleichbaren lämmerhirt´schen Instrumentaltitel einen Gesang vorstellen könnte. Im youtube-Zeitalter sehe ich mich ganz oft mit folgendem "Problem" konfrontiert: Ich lerne eine Band kennen, schaue ein Musikvideo - das ist der Erstkontakt (+ Ersteindruck) mit der Band und gleichzeitig mit ihrer Musik. Die Verbandelung ist immer häufiger, zumindest kommt es mir so vor, "Video + Ton". Und entsprechend fällt auch die Bewertung aus, beides wird zu einem. Dies beobachte ich bei meinem eigenen Konsumverhalten und ich finde das eigentlich nicht gut, doch das Medium Internet ist scheinbar (auch) fürs Auge gemacht. :?
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Captain Harry
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von Captain Harry »

Die Frage habe ich mir noch nie so klar gestellt. Aber wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auch keine Erklärung ein. Auf jedem Fall würde ich den Song in seiner Gesamtheit beurteilen und nicht nach einzelnen Komponenten zerpflücken. Bestes Beispiel: Uriah Heap mit Lady in Black - sehr einfache Melodie, nur 2 Akkorde und doch oder gerade deshalb ein riesen Erfolg. Wobei - ist ein kommerziell erfolgreicher Song auch ein guter Song?
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tele
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von tele »

Letztlich entscheidet das Publikum ...
Meine Frage war ja nicht " Was macht einen erfolgreichen Song aus?", sondern "Was sind für euch persönlich die Kriterien für einen Song, der euch gefällt?".

Und da gibt es meiner Ansicht nach schon objektive Kriterien, nur ist ihre Gewichtung von Person zu Person unterschiedlich.
Ich mag zum Beispiel Songs, bei denen die Melodie ein wenig sperrig und weitläufig ist, und in denen auch mal eine unerwartete Wendung vorkommt.

London's brillant parade von Elvis Costello zum Beispiel.
Die Strophe besteht aus zwei achttaktigen Phrasen, der Refrain ist in einer anderen Tonart, sperrig aber dennoch eingängig.

Love yourself von Justin Bieber dagegen besteht aus kurzatmigen zweitaktigen Phrasen, der Refrain unterscheidet sich kaum von der Strophe, alles begeleitet von einem viertaktigen Gitarrengroove.

Da ist es mir egal, dass Bieber 294788 thumbs up hat und Costello nur 87. London's brillant Parade ist für meinen Geschmack ein brillanter Song und Love Yourself ziemliches Mittelmaß.

Sorry to rain on your parade, Justin! :(

Am Strand finde ich in seiner Gesamtheit durchaus ein sehr gelungenes Stück, nur habe ich das Gefühl, dass mit der ersten instrumentalen Strophe das Wesentliche schon gesagt ist, und der Gesang mehr eine Dreingabe und ein Mittel, die gute Gitarrenidee auf Songlänge auszudehnen ist.
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jpick
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von jpick »

tele hat geschrieben: Oder vermutlich Werner Lämmerhirt. Super Gitarrist, super Gitarrengroove, aber die Gesangsmelodie wirkt auf mich doch eher austauschbar. Das Stück würde auch ohne Gesang funktionieren, der Gesang hat hier wohl eher die Aufgabe, der Gitarrenkomposition zusätzliches Interesse zu verleihen und einen persönlichen Kontakt zum Publikum herzustellen. Ein guter Instrumentalist ist nicht automatisch ein begnadeter Songwriter.
Werners letztes Konzert hier in der Region, dem ich vor kurzem beiwohnen durfte, hat mich sowohl instrumental als auch textlich/gesanglich extrem berührt. Und darauf kommt es in der Musik nun mal an. Tolle Lieder mit gehaltvollen Texten. Und der hat nicht ein einziges Gitarren-Solostück gespielt ... na sowas auch !!!

:aua: :aua: :aua:
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Rolli
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von Rolli »

Ein Song ist dann gut, wenn er mich berührt.
Das kann mal mit einfachsten Akkorden und Melodien sein und ein anderes Mal ein Stück Musik mit viel Komplexität.
Also es gibt da für mich keine Regel.
LG Rolli
CD ist nicht mehr neu, aber es gibt sie noch ;)
Typos? Sorry, meine Finger sind besser auf Saiten, als auf kleinen Tastaturen.
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JazzDude
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von JazzDude »

tele hat geschrieben: London's brillant parade von Elvis Costello zum Beispiel.
Die Strophe besteht aus zwei achttaktigen Phrasen, der Refrain ist in einer anderen Tonart, sperrig aber dennoch eingängig.
Elvis Costello's "Brutal Youth" ist eins meiner Einsame-Insel-Alben. Brillant, just brillant.
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string
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von string »

Wenn ich beim ersten Hören Gänsehaut bekomme.
Akkordfolge, Rhythmus, Solo, Text.
Das ist ganz unterschiedlich und nicht definierbar, an was es genau liegt.
Es gibt bestimmte Songs, die haben für mich ihren Magnetismus
seit Jahrzehnten nicht verloren (Evergreens).

Ist auch oft so, dass andere mit dem gleichen Song gar nichts können anfangen
und umgekehrt. - Wird wohl ein Geheimnis bleiben.


Gruß
Klaus
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"Das Wesentliche im Umgang miteinander ist nicht der Gleichklang,
sondern der Zusammenklang".
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wernoohm
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von wernoohm »

Für mich sind das auch reine Gefühlssachen. Irgendetwas berührt mich im Innersten. Dabei kommts auf das Genre nicht an. Das geht von Dylans Lay down your weary tune https://vimeo.com/88394333" onclick="window.open(this.href);return false; über Mauersbergers Trauermotette Wie liegt die Stadt so wüst https://www.youtube.com/watch?v=_gZXg8lNH2g" onclick="window.open(this.href);return false; und Sinead O´Connors Version von Danny Boy https://www.youtube.com/watch?v=kSjvLG7IJAI" onclick="window.open(this.href);return false; bis zu Schuberts Deutsche Messe https://www.youtube.com/watch?v=tYxn4gB62Og" onclick="window.open(this.href);return false; und
hört da noch lange nicht auf! Erklären kann ich das alles nicht.
tressli bessli nebogen leila
flusch kata ballubasch
zack hitti zopp
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Holger Hendel
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von Holger Hendel »

Wir können es sicher runterbrechen auf den Klassiker: "Ein guter Song ist mehr als die Summe seiner Teile.".

Die Frage "Warum mag ich diesen einen bestimmten Song so gern / was hat dieser Song was andere so nicht haben?" finde ich aber trotzdem hochspannend, "Musikanalyse"...in der Oberstufe damals mein absolutes Lieblingsgebiet. Es wäre aber merkwürdig, wenn es eine verbindliche Formel gäbe - das würde ja bedeuten, dass jeder nur sehr sehr ähnliche Songs in der Favoriten-Playlist hätte. ;)
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RB
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von RB »

Keine objektiven Kriterien bei mir. Immer sind es Einzelfälle.
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tele
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von tele »

Ein weiteres Merkmal eines guten Songs ist, dass er unabhängig von Instrumentation und Arrangement überzeugt.

"Hoch auf dem gelben Wagen" übersteht die Gesangsversuche unseres Ex-Bundespräsidenten ebenso unbeschadet wie die Schrammelgitarre in der Version des Sonnenbrillenbardens
oder die Lederhosengesänge des Tölzer Knabenchors..
Selbst ein übles Anti-DHL-Pamphlet eines rabulistischen Clowns kann dem Song nichts anhaben. :r:
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Pit the Picker
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von Pit the Picker »

Ein guter Song muss meine Seele berühren. Dabei spielen Harmonien und Melodie zwar eine wichtige, aber dennoch untergeordnete Rolle. Der Text ist der Schlüssel.
"If nothing goes right, go left"
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docsteve
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von docsteve »

Pit bringt zwei interessante Aspekte ins Spiel:

a) den Text. Da hat sich bisher noch keiner zu geäußert, warum? Im Idealfall gehen Text und Melodie eine Verbindung ein, in der eines ohne das andere nicht funktioniert. Paradebeispiel ist Cohens "Hallelujah".

"It goes like this: the fourth, the fifth, the minor fall, the major lift" - und genau das spielt sich in der Melodie und Harmonie ab. Wobei der Song mit einer pentatonischen Tonleiter und fünf Akkorden auskommt, die ersten beiden Zeilen jeder Strophe sogar nur mit zwei.

b) die Seele berühren. Während das unbestritten das beste Kriterium ist, ist es doch so dermaßen nicht messbar, dass wir es aus der Diskussion ausklammern sollten. Die Frage ist doch: warum berührt dieser Song meine Seele und der andere nicht?

Wenn ich das exemplarisch für Hallelujah weiter versuchen darf (mit Jeff Buckley's Version im Hinterkopf):

- der Text behandelt ein bekanntes Thema auf unerwartete Weise, die alltägliche Erfahrungen von Liebe, Sex, Trennung, Frustration und Wiederaufstehen in einen biblisch-mythologischen Kontext stellt, dadurch verallgemeinert, über die Niederungen der eigenen Existenz erhebt, und damit den Trost spendet, den eine orthodoxe Religion nicht mehr gibt.
- die Melodie erweitert im Verlauf jeder Strophe den Ambitus von 2 Tönen auf eine Oktave oder sogar eine Dezime (je nach Interpretation). Das entspricht auf einer textuellen Ebene dem Aufbau von Exposition ("They say..."), Elaboration ("it goes like this") und Refrain. Das funktioniert in jeder Strophe aufs neue (im Gegensatz zu vielen anderen Liedern, bei denen die Korrespondenz von Text und Musik in Strophe 2 aufhört).
- der Gipfel des Melodiebogens kommt am Ende der Strophe in der Zeile, in der auch die Aussage kulminiert
- Das Halleluja im Refrain ändert seine Bedeutung je nach Strophe, dadurch bleibt es interessant
- die Auf- und Ab-Bewegungen der Melodie entsprechen der Ambivalenz des "holy or broken hallelujah"
- der Refrain enthält gerade nicht den melodischen Gipfel. Erwartungen, die aufgebaut werden (im Refrain kommt der Kracher) werden somit kreativ frustriert.
- die relative Einfachheit von Melodie und Harmonien machen das Stück leicht zu memorieren und überfordern auch den beiläufigen Hörer nicht, wer aber genau hinhört, findet einen immensen Reichtum an textuellen und musikalischen Bezügen.

=> wir haben also einen Fall von hoher Komplexität, die sich hinter einer einfachen Fassade tarnt und daher auf vielen Ebenen verstanden werden kann.

Zu "Hallelujah" empfehle ich das Buch von Alan Light, "The Holy Or The Broken", z.B. hier: https://de.scribd.com/book/224274422/Th ... ikely-Asce" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

Allen, die an der Analyse von guten Songs interessiert sind, empfehle ich die Beatles-Analysen von Alan J. Pollack. Nichts für Kurzatmige, aber extrem aufschlussreich.

Viele Grüße, Stephan
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JazzDude
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Re: Was macht einen guten Song aus?

Beitrag von JazzDude »

docsteve hat geschrieben:Zu "Hallelujah" empfehle ich das Buch von Alan Light, "The Holy Or The Broken",[...]
Danke für den Tipp, das habe ich mir gleich mal bestellt.
Music is the best. (FZ)
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