Modi- und nu??

Musiktheorie und Komposition

Moderator: RB

RAc
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RAc
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Gast

Beitrag von Gast »

Frank Haunschild ist der Harmonie-Oberguru, ihm kann man blind trauen. Ich finde das Thema eigentlich aber nicht sonderlich kompliziert. Die alten Kirchentonarten/Modi wurden einfach zur Charakterisierung des Tongeschlechts vor dem Dur/Moll-System verwendet, das bei uns mit Einführung der temperierten Stimmung die größere Bedeutung bekam. Für den heutigen Musiker sind die alten Modi deshalb noch interessant, weil sie einem Stück eine andere Färbung geben können, indem sich der Musiker einen anderen Ausgangspunkt sucht. Über eine simple Akkordfolge wie "C F G" kann dann statt in reinem C-Dur (ionisch) beispielweise in A-Moll (aeolisch) begleitet werden. Bei derart simplen Harmoniefolgen, die besonders nach "Kinderlied" klingen, improvisiere ich gern in G mixolydisch, was sich durch den geänderten Bezugspunkt mit den richtigen Riffs cooler und moderner anhört.

Obwohl also C ionisch, A aeolisch und G mixolydisch dasselbe Notenmaterial zugrunde liegt, klingt es durch den veränderten Bezugspunkt und vor allem durch die geänderte Griffweise anders. Denn jeder improvisierende Musiker entwickelt mit der Zeit gewisse Griffe und Läufe. Und sobald man hier statt C-ionisch beispielsweise A aeolisch spielt und dann auch noch ein paar Blue Notes für A-Moll hinzufügt, ändert sich der Charakter drastisch. Das "Geheimnis", sofern man es so nennen will, ist also nichts weiter als ein Verschieben des Bezugspunktes, also der Perspektive. Und wie jeder weiß, eröffnet ein neuer Blickwinkel oft neue Wege. Im Jazz wird dieses einfache Prinzip noch weiter gesponnen, wozu Franks Bücher eine Menge gute Anleitungen geben. Ich habe das vor Jahren mal durchgeackert, bin aber wieder zu den einfacheren Dingen zurückgekehrt, denn letztlich sollte Musik mehr aus dem Herzen und weniger aus dem Hirn kommen.

Letzter Tipp: als Solist kann man Modi gut nutzen, um zu modulieren, also die Tonart zu wechseln. Recht oft setzt Simon Fox dieses Merkmal als Akustikgitarrist gern ein. So spielt er beispielsweise einen Teil in reinem D-Dur (ionisch) und geht dann zu D mixolydisch über. Hier gibt es nur einen unterschiedlichen Ton, aber dieser gibt dem Stück eine ganz andere Färbung. Der klassisch gebildete Musiker würde statt D mixolydisch eher G-Dur sehen (selbes Notenmaterial), aber der mixolydische Charakter ist prägend für den keltischen Kulturkreis, und dieser Bezugspunkt hat eine ganz andere Wirkung als unser reines Dur. Davon haben vor allem die englischen Bands profitiert, allen voran die Beatles, die das mixolydische Erbe wohl erstmals auf breiter Front in die moderne Unterhaltungsmusik einbrachten und damit viele Hits schrieben.
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Rolli
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Beitrag von Rolli »

Rac:

Macht das Sinn?....
...also in C lydisch z.B. Cj7-D7-Em7-F#m7b5-Gj7-Am7-Hm7.
Na ja, man kann auch einfach G-Dur als Tonales Zentrum ausmanchen :-)
Das ist auch C-Lydisch, aber macht das Sinn das Pferd von hinten aufzuzäumen?

Cj7 - 4. Stufe
D7 - 5. Stufe - Dominante
Em7 - 6. Stufe Mollparallele
F#m7/b5 - 7. Stufe
Gj7 - 1. Stufe - Tonika
Am7 - 2. Stufe
Hm7 - 3. Stufe

Rolli
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Beitrag von RAc »

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Rolli
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Beitrag von Rolli »

Schick mal die Akkordprogession zum Frank H.
Ich denke mal, der wird Dir genau das gleiche wie ich erzählen.
Ich habe nur die von Dir genannten Akkorde entsprechend der Funktionsharmonik ihren Stufen zugeordnet. Du darfst aber gerne G-Dur = C-Lydisch nennen. Wenn's schön macht :-)

Für mich is des Worscht, weil ich ein einfacher Bub bin und lieber mit möglichst einfachen Mitteln möglichst emotionale Musik mache. All die hübschen Mädchen,welche hier vor meiner Tür scharren, um einen Ton von mir zu hören, einen Blick von mir zu erhaschen oder ein gutes Wort zu bekommen, geben mir da recht . So lange die weiter mit BHs und Slips nach mir werfen. :o)

Ergo - ob jetzt die Gänsehaut beim Zuhörer C-lydisch oder G-Ionisch auftritt ist mir letztendlich egal, wenigstens sie kommt.


Rolli

PS:
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Beitrag von RAc »

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Rolli
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Beitrag von Rolli »

Keep cool, ich habe es nur recht spassig gemeint :o)
Soll heissen - mir ist Harmonielehre, Ionisch und Dorisch mitsamt mundgekauter vorgezogener Zwischendominante so was von egal. Ich mache seit 1976 aktiv Musik und denke doch nicht mehr über Lydisch nach. Ausser halt jetzt mal als kleiner Diskurs im Forum.

Du kannst das alles sehen, nennen und bewerten wie du magst. Ich kann dem halt nicht folgen und mir ist meine Zeit zu kostbar dies jetzt groß auszutreten. Das hab ich gemacht als ich versucht habe Musik zu studieren. Ist mir da schon auf den Wecker gegangen :o)

Also brrrrr... ruhig brauner....brrrr

Rolli
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RB
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Beitrag von RB »

Die Sache mit der Harmonisierung ist schon interessant und ist beileibe einen eigenen Thread wert. Die Themen sind hier tatsäüchlich ein wenig durcheinander gerutscht, und der Grund für meine sture Verweigerungshaltung ist mein durch Viren grippaler Art verlangsamter Verstand.
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Newbie
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Beitrag von Newbie »

ich habe diese Woche einen kurzen Ausflug mit meinem Gitarrenlehrer in die Moden einer Tonart unternommen. Sein Ansatz war recht anschaulich. Wir haben eine E-Dur-Skala auf dem 9. Bund der g-Saite angesetzt. Dazu wurde die tiefe E-Saite angespielt.

Code: Alles auswählen

e:-9----11-12
h:-9-10----12
g:-9----11----
Anschliessend haben wir die Tonleiter, das heisst genauer gesagt das Greifmuster exakt wie oben abgebildet, auf den 7., 5., 4., 2., schliesslich auf den 12. und
11. Bund
(edit:) 10.Bund verschoben. Das e in der Skala wandert dann jeweils einen Ton nach "oben".

Wenn nun der Bass auf der offenen E-Saite gespielt wird, und man beim Improvisieren auf den Diskantsaiten das Spiel um den Grundton e kreisen lässt, hört man ganz schön die Moden.

Auf diese Weise erhält man dann E in der
1. Stufe ionisch am 9. Bund
2. Stufe dorisch am 7. Bund
3. Stufe phrygisch am 5. Bund
4. Stufe lydisch am 4. Bund
5. Stufe myxolidisch am 2. BUnd
6. Stufe äolisch am 12. Bund
7. Stufe lokrisch am 11. Bund
edit: wie Ulrich unten natürlich auf den ersten Blick bemerkt hat, ist das völliger Blödsinn und muss natürlich heissen
7. Stufe lokrisch am 10. Bund
Würde man dann die 6.Stufe von E um ein A herum improvisieren, wäre es wohl A-Moll.
edit: auch hier waren meine Finger schneller als mein Gehirn, wie Ulrich unten feststellte: E in der 6.Stufe entspricht natürlich E-moll, oder G-Dur, wenn man das Tonmaterial zur Improvisation um ein g verwendet.

Zum Beispiel klingt dann das lydische sehr nach dem Titel "The End" von The Doors, das ja sehr orientalisch angehaucht ist.

Was ich damit in meiner zukünftigen Spielerei anfangen kann, weiss ich noch nicht. Aber so hab ich jetzt einen kleinen Zugang dazu...
Zuletzt geändert von Newbie am Mo Okt 28, 2013 6:40 pm, insgesamt 2-mal geändert.
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Ulrich Peperle
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Beitrag von Ulrich Peperle »

[Beitrag vom Verfasser entfernt]
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Newbie
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Beitrag von Newbie »

Mist, verbockt! Ich danke Dir, Ulrich. Ich korrigier das mal oben, und hoffe, ich bau keine neuen Fehler ein.

Der erste Fehler war einfach nur falsch abgelesen, natürlich 10. Bund. Der zweite völliger Blödsinn von mir, wie komm ich von der sechsten Stufe E Äolisch, also E-Moll, auf A-Moll. Natürlich G-Dur.
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