HR's Nr. 11: OM-FZe

Hier zeigen die Laien, was sie trotz linker Hände drauf haben!
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Gitarrenmacher hat geschrieben:
Sa Mär 20, 2021 12:37 pm
Das sieht klasse aus. :bide:
Zur Finishfrage. Ich habe in den Anfangsjahren. (OMG, wie sich das anhört) drei Gitarren mit Ballenmattierung gemacht. Das geht einfach, recht schnell, und wenn man Boden, Zargen, Hals gut mit Schnellschliffgrung streicht, füllen sich die Poren recht schnell. Die Belastbarkeit liegt etwa bei Schellack, die Kratzfestigkeit ist nicht so gut. Die Flächen sind gut mit Mattierung überarbeitbar.

Danke Christian!

"Ballenmattierung" und "Schnellschliffgrund"; das musst Du jetzt näher erklären.
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Gitarrenmacher
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von Gitarrenmacher »

Schnellschliffgrund, z.B. von CLOU ist eine Grundierung auf Nitro/Kunstharzbasis.
Er ist sehr füllkräftig und kann mit einem Pinsel zügig aufgetragen werden, auch quer zur Faser.
Schleifbar nach einer, besser zwei Stunden, 2-3 Aufträge mit gründlichem Zwischenschliff.
Ballenmattierung ist ebenfalls auf Nitrobasis, eventuell mit Schellackanteil. Diese wird zügig, am Besten mit der Faser, sparsam in mehreren Schichten aufgetragen. Trocknet schon während des Auftrages staubtrocken, und gibt eine Oberfläche mit Glanzgrad seidenglänzend bis glänzend. Spiegelglanz geht nicht.

https://www.clou-shop.eu/1k-lacke/nitro ... -2465.html
https://www.clou-shop.eu/clou-heimwerke ... erung.html

FDort findest du auch Anleitungen und Datenblätter.
Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Weiter geht's mit dem Steg.

Zuerst habe ich einen quaderförmigen Rohling gesägt und geschliffen. Dann habe ich die seitlichen Verjüngungen mit einer Handbandschleifmaschine geschliffen (natürlich mit einer Vorrichtung). Anschließend wird noch die hintere Kontur geschliffen.
als nächstes habe ich die Positionen der Saitenstecker und der Schlitze für die Einlagen markiert.
P1070179 (500x375).JPG
P1070179 (500x375).JPG (145.61 KiB) 322 mal betrachtet
Nach dem Bohren der Löcher wird die hintere Kante verrundet.
P1070182 (500x375).JPG
P1070182 (500x375).JPG (146.73 KiB) 322 mal betrachtet
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Jetzt können die Schlitze für die Einlagen gefräst werden. Dazu habe ich mir schon vor Jahren eine Vorrichtung für meine Oberfräse gebaut.

P1070183 (500x375).JPG
P1070183 (500x375).JPG (154.18 KiB) 322 mal betrachtet
P1070184 (500x375).JPG
P1070184 (500x375).JPG (135.19 KiB) 322 mal betrachtet

Nach dem kompletten Feinschliff des Steges wird als letztes die Kontaktfläche zur Decke am Original geschliffen.

P1070187 (500x375).JPG
P1070187 (500x375).JPG (128.45 KiB) 322 mal betrachtet

Der Steg wäre damit fertig zum Aufleimen.
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bookwood
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von bookwood »

Klasse! Durch dein Stegfoto bin ich erstmals darauf gestossen, dass die Stegpinlöcher tatsächlich manchmal schräg (parallel zur Stegnut) verlaufen. Z.B. bei meiner Martin 000-18. Ist mir bisher nie aufgefallen. :bl:
Gruß
von
Ralf
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Niels Cremer
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von Niels Cremer »

Ja, sehr schön! Die parallel zum kompensierten Steg verlaufenden Löcher hab ich das erste Mal (bei Martin) auf meiner neuen 0-15M (Baujahr 2020) gesehen, meine anderen haben/hatten das nicht, ich *glaube* das ist entweder recht neu oder wird nur bei bestimmten Modellen/Serien gemacht (??).

Was ich im zweiten Bild nicht ganz verstehe sind die Positionspins, du schleifst doch die Brücke an dem Deckenprofil, was tun die Pins denn dann da?

Danke & LG,
Niels
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Niels Cremer hat geschrieben:
Mi Mär 24, 2021 4:44 pm
Ja, sehr schön! Die parallel zum kompensierten Steg verlaufenden Löcher hab ich das erste Mal (bei Martin) auf meiner neuen 0-15M (Baujahr 2020) gesehen, meine anderen haben/hatten das nicht, ich *glaube* das ist entweder recht neu oder wird nur bei bestimmten Modellen/Serien gemacht (??).

Was ich im zweiten Bild nicht ganz verstehe sind die Positionspins, du schleifst doch die Brücke an dem Deckenprofil, was tun die Pins denn dann da?

Danke & LG,
Niels

Ich hab' mir das einmal im CAD so konstruiert, dass die Saiten immer mit dem gleichen Winkel vom Stegeinsatz zum Loch laufen. Dabei habe ich auch die Wölbung der Einlage berücksichtigt. Das schaut aber bei einem 2-teiligen Steg echt krass aus. Ich hab' das dann doch etwas entschärft. Die h und die g Saite laufen etwas flacher.

Die Stifte sind nur dazu da, damit ich den Steg mit entsprechendem Anpressdruck hin und her schieben kann.
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Niels Cremer
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von Niels Cremer »

HR hat geschrieben:
Mi Mär 24, 2021 5:05 pm
Die Stifte sind nur dazu da, damit ich den Steg mit entsprechendem Anpressdruck hin und her schieben kann.
Ah, verstehe, danke!

LG,
Niels
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Ich hab' dann noch gestern Abend den Steg auf die Decke geleimt.
P1070189 (500x375).JPG
P1070189 (500x375).JPG (136.61 KiB) 274 mal betrachtet
P1070190 (500x375).JPG
P1070190 (500x375).JPG (125.61 KiB) 274 mal betrachtet
So sieht das dann fertig aus.
P1070191 (500x375).JPG
P1070191 (500x375).JPG (130.65 KiB) 274 mal betrachtet

Als nächstes geht's an's Bundieren.
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chrisb
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von chrisb »

hallo richard,

als hobbyist bist du echt schnell.
wie machst du das?
wieviele stunden kannst du pro woche an der gitarre arbeiten?
hm, wahrscheinlich hab ich zu viele nebenprojekte :aua:
chrisb
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Komisch; ich glaub immer ich bin so langsam.
Jetzt bin ich ja Pensionist, aber auch zu meiner aktiven Zeit war das leicht zu schaffen. Da ich nur 1 Gitarre pro Jahr baue habe ich dafür von ca. September/Oktober bis April/Mai Zeit. Da verteilen sich dann die ca. 120 Stunden. Es kann dabei durchaus sein, das ich eine ganze Woche nicht an der Gitarre baue. Je nach Lust und Laune verbringe ich damit aber nur ca. 4-5 Stunden in der Woche. Aber, wie gesagt, nicht immer! Wenn's läuft kanns natürlich auch mehr werden.
Vorbereitungsarbeiten wie Decke und Boden fügen, Zargen biegen, Reifchen schneiden, Vorbereitung der Balken, etc. mache ich schon im Herbst. Geleimt wird dann in der kalten, weil trockenen Zeit im Jänner und Februar. Somit verteilt sich auch der wöchentliche Zeitaufwand.
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RB
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von RB »

Als Hobbyist bist Du jedenfalls überhaupt in der Lage, so etwas Schönes zu schaffen. Das ist schon ziemlich beeindruckend.
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string
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von string »

Neben dem Gitarrespielen ist Dein Gitarrenbau das schönste,
das man im Leben machen kann - und das jetzt auch noch zu Corona-Zeiten.
Glückwunsch und großes Lob.

Gruß
Klaus
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"Das Wesentliche im Umgang miteinander ist nicht der Gleichklang,
sondern der Zusammenklang".
Ernst Ferstl
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HR
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von HR »

Ich danke Euch!
Ich bemühe mich eigentlich immer so gut es mir möglich ist zu arbeiten. Das gelingt mir einmal besser und einmal weniger gut. Mit jeder Gitarre wächst die Erfahrung. Aber: De Gier ia a Schwein!! Manchmal möchte ich Zeit sparen und da passiert natürlich das eine oder andere Malheur (mit mehr oder weniger großen Auswirkungen). Aber die zeig' ich Euch natürlich nicht.
Oder; wäre ja schon einmal spannend all die kleinen Hoppalas zu zeigen.
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Gitarrenmacher
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Re: HR's Nr. 11: OM-FZe

Beitrag von Gitarrenmacher »

HR hat geschrieben:
Fr Mär 26, 2021 12:17 pm
Manchmal möchte ich Zeit sparen und da passiert natürlich das eine oder andere Malheur (mit mehr oder weniger großen Auswirkungen). Aber die zeig' ich Euch natürlich nicht.
Der gute Knut seelig hat mir, es muss so 2006/7 gewesen sein, mal sinngemäß mal gesagt:" Wer beim Bau einer Gitarre nicht ein paarmal SCHxxxxxE sagt oder denkt, arbeitet nicht handwerklich genug."

Ich habe letztens auch wieder einen Bock geschossen :aua: Egal, muss ich halt hoffen, dass mal jemand eine 13 Bünder mit 640er Mensur haben möchte :lol:

Und es ist fast immer die Ungeduld, oder vorm Mittagessen kurz nochmal.........
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