Das hatte ich völlig vergessen. Lebensrettung DADOU
Verfasst: Sa Aug 30, 2025 6:37 pm
2018, beim Fingerpicker´s Summercamp, war diese Ikone der europäischen Gitarrenzupfmusik zu Gast in Himbergen. Unser Dozent Andreas hat sehr perfekt das "Loch in der Banane" drauf gespielt, alle waren begeistert. Ich nicht, weil die alte Dame kurz vor dem Kollaps stand.Gitarrenmacher hat geschrieben: ↑Mi Dez 28, 2022 11:02 pmDen Reparaturbericht zu Klaus Weilands "DADOU" habe ich hier ja noch gar nicht veröffentlicht.
Wird demnächst nachgeholt.
Lieben Gruß
Dat Chrischan
Wir haben sofort die Saiten gelockert und ich habe die Gitarre dann für lebensrettende Maßnahmen in meine Werkstatt mitgenommen.
Diagnose:
Ein massiver Riss, fast über den gesamten Unterbug, der bereits verschoben war.
Mehrere lose Leisten im Unterbugbereich.
Gelöste Verleimung eines Bodenbalken.
Decke im Bereich der Armauflage von der Zarge gelöst.
Fehlstellen an den Rändern.
Brücke mit Lifting, aber fest. (Da war schon jemand bei)
Was tun.....
Da mir die Legitimation für eine aufwändige Reparatur fehlte, insbesondere das Ersetzen der Ränder und Neuverleimung der Brücke, entschloss ich mich, die Gitarre mit reversieblen Mitteln statisch zu sichern.
Vorgehen:
Zunächst habe ich Titebond in den großen Deckenriss massiert, den Riss mit starken Magneten in eine Ebene gebracht und mit einer Hebelzwinge zusammengepresst. Dann den großen und die kleinen Risse mit Fichtenplättchen gesichert.
Wo es möglich war, habe ich die alten Leimflächen vorsichtig aufgerauht.
Danach wurden die losen Leisten so gut es ging mit Fischleim (teils verdünnt) unterspritzt und mit Reparaturzwingen gepresst.
Glücklicherweise lies sich die Zarge mit nur einer Hebelzwinge so in Form bringen, dass die Decke mit Fischleim und Cellozwingen aufgeleimt werden konnte.
Nun ist alles so stabil, dass die Decke den Saitenzug bis heute hält, die Brücke ist noch drauf, und die DADOU wird gespielt. Insgesamt ist die Gitarre einzigartig. Sehr grob zusammengeschustert, mit Details, wie man sie lehrbuchmäßig eben nicht macht, aber sie ist magisch. Sie singt, hat einen wunderbaren, trockenen Bass, eine tolle Ansprache, und sie lässt sich trotz des, im wahrsten Sinne, klobigen Hals recht leicht spielen. Ein Stück Musikgeschichte.
Jüngst war sie zu Gast bei dem Workshop "50 Jahre Loch in der Banane", der von zwei der Himbergen-Dozenten konzipiert und durch geführt wird. Also, wer da ma Interesse hat.......


























Ach ja. Der Originalleim wurde von Willy Henkes als Kaseinleim identifiziert, und Fischleim kam zur Verwendung, weil er sich gut entfernen lässt und auch auf dem alten Leim gut haftet.