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Zwei WELTEN ...
Verfasst: Mo Mai 04, 2026 8:59 pm
von pfunk
Bin auf der Suche nach "Horses" auf ein nettes Konzert von John Fahey 1978 im Rockpalast gestossen. Tolle Gitarrenmusik vor einem großen interessierten Publikum (Rockpalast, 1978. Die 70er halt ...). Dachte mir dann, das gibt's ja heute auch noch und habe nach aktuellen Petteri Sariola Konzertmitschnitten gesucht. Nicht, dass ich den jetzt persönlich super interessant finde ....
Aber was wirklich Spass gemacht hat: Beide Konzerte zu öffnen und immer wieder abwechselnd einen Song laufen zu lassen! Mann, was haben sich die Zeiten geändert.
John Fahey 1978
Petteri Sariola 2023
Wie ist die Meinung? War "früher alles besser"? Oder haben wir die "Kindertage" hinter uns gelassen? Nicht ganz ernst gemeint!!
Re: Zwei WELTEN ...
Verfasst: Di Mai 05, 2026 9:33 am
von berndwe
Früher war vieles anders, aber nicht von vornherein besser. Und immer noch gibt es Publikum für instrumentale Gitarrenmusik.
Im speziellem Fall gefällt mir am „Früher“ die lässig-flapsige Eröffnung des Konzerts (mit vielleicht vorgetäuschter Unbeholfenheit) sowie die schlichte Inszenierung ohne Lightshow und dergleichen - Mann + Gitarre + Mikrofon reichen für das Konzerterlebnis völlig aus.
Re: Zwei WELTEN ...
Verfasst: Di Mai 05, 2026 10:00 am
von Holger Hendel
Wie ist die Meinung? War "früher alles besser"? Oder haben wir die "Kindertage" hinter uns gelassen? Nicht ganz ernst gemeint!!
Team "früher alles besser" hier. Für mich ist das durchaus "ernst", da ich mir keinen zeitgenössischen (Instrumental)musiker live anhören kann, ich bin nach ca. drei Titeln overloadmäßig durch mit der Übung und möchte dann gerne Bier oder Kaffee trinken und selbst Musik machen. Auch dieser effektierte sound, als Stilmittel mal ok für mich, doch immer hart effektiert, warumä? Ich würde gern mal Tim Henson mit einem cleanen sound hören. Ich hab´s versucht, mir fehlt es an innerer Bindung zu dieser Art der modernen Gitarren-(Instrumental)musik. Dabei finde ich einzelne Aspekte des Handwerks enorm toll und auch nachahmenswert, doch die vorgestellten Kompositionen als Gesamt-Erlebnis gehen idR für mich nicht durch.

Mein musikalisches Gemüt ist eventuell unterkomplex entwickelt, den meisten Spaß hatte ich bei "free fallin´"

Re: Zwei WELTEN ...
Verfasst: Di Mai 05, 2026 10:49 am
von uwesemmelmann
Dass früher alles besser war, kann man wohl pauschal nicht sagen. Das Problem liegt m. E. sowohl auf der Hörerseite (früher deutlich längere Aufmerksamkeitsspanne, noch nicht so verwöhnt) als auch bei der Musik. Mal ehrlich, wer würde heute noch ein ganzes - in seinem musikalischen Gehalt eher überschaubares - John-Fahey-Konzert ganz anschauen (und sich dabei gut unterhalten fühlen)? Ob das ganze Geklopfe und der technische Mehraufwand heute wirklich bessere Musikerlebnisse garantieren, wage ich aber auch zu bezweifeln... Dass viele Musikerinnen heute spieltechnisch weiter sind, denke ich schon.
Obwohl... Während ein Werner Lämmerhirt sein Publikum damals schon bestens über drei Stunden begeistern konnte (spieltechnisch wie erzählend...), wären zumindest mir bei Fahey wahrscheinlich die Füße eingeschlafen...
Re: Zwei WELTEN ...
Verfasst: Di Mai 05, 2026 11:30 am
von Rolli
Ich würde mal sagen, dass das weder was mit früher noch heute zu tun hat, sondern einfach nur mit dem jeweiligen Künstler, mein Lieblingsgitarrist ist ja Clive Caroll, was der macht ist einfach zeitlos. Und davon gibt es ja einige.
Und natürlich gibt's heute technische Errungenschaften die genutzt werden, so wie jetzt z.b bei Petteri oder Mike Dawes und wie sie alle heißen mögen. Am Ende muss die Musik halt berühren und unterhalten, was ja auch wieder ganz individuell verschieden ist. Bei Marcin, Henson oder Alex Misko langweilige ich mich sofort zu Tode, aber bei anderen wie z.b. Clive, Jens Kommnick, Jon Gomm oder J. Stotzem nicht. Wohl deshalb weil letztere halt nicht nur Gitarre spielen, sondern auch was zu erzählen haben. Als Menschen und Musiker. Und denen kann ich stundenlang zuhören.
Re: Zwei WELTEN ...
Verfasst: Di Mai 05, 2026 12:41 pm
von rwe
pfunk hat geschrieben: ↑Mo Mai 04, 2026 8:59 pm
War "früher alles besser"? Oder haben wir die "Kindertage" hinter uns gelassen? Nicht ganz ernst gemeint!!
Nee, aber früher war vieles innovativer. Ernst gemeint.
Sariola gefällt mir auch gut, aber das Fahey-Konzert, das ich 1978 gehört habe, war ein irres Ereignis und ich würde mir so etwas jederzeit noch mal anhören. Mit dem historischen Wissen, wie JF die Gitarrenmusik beeinflusst hat.
Jon Gomm habe ich neulich gesehen; war auch klasse.
Im Gegensatz dazu finde ich TE nicht so spannend. Er ist ein toller Entertainer, ein brillanter Musiker, aber "nicht mehr". Im Vergleich zu JF oder Gomm halt "nur gut";-) Ein Konzert von ihm in meiner Gegend würde ich natürlich gerne mitnehmen, wenn's passt, aber ich würde für ihn nicht besonders weit fahren.
Zu Beethovens Fünfter oder einem Bach-Konzert muss ich auch nicht unbedingt fahren, wenns keinen besonderen musikalischen Anlass (wie früher z.B. mal Harnancourt) gibt.