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Köln Concert

Verfasst: Do Mai 28, 2026 6:59 am
von schinkenkarl
Schon immer eine mythische Scheibe gewesen, an der ich mich über die Jahre reingehört habe.
Eigentlich bin ich nicht über das erste Stück hinausgekommen.
Der tolle Film Köln 75 hat das Interesse wieder geweckt.
Die Einstiegsphrase bezieht sich auf den Pausengong der Kölner Oper, man hört einige Leute danach kurz auflachen. Was sich dann aus den 4 Tönen entwickelt treibt mir immer wieder bei bestimmten Sequenzen die Tränen in die Augen. Das ist Improvisation wie ich sie noch nie gehört habe. Es geht die musikalische Bandbreite durch, alle Stimmungen rauf und runter. Und das von einem Menschen auf einen tonal beschränkten Flügel. Diese Limitierung macht es wahrscheinlich für den „Normal“ Hörer zugänglicher.
Gerne würde ich das auf der Gitarre übertragen können. Das ist natürlich schier unmöglich. Aber mir geht es hierbei um das Konzept. Eine 4 taktige Phrase, mit einem durchlaufenden Puls zu variieren, erweitern. Das ist was anderes als ein Blues Solo oder ähnliches. Es hat was meditatives.
Welche 4 Töne das sind konnte ich bis dato nicht rausfinden.
Hat sich schon mal jemand daran versucht?

Re: Köln Concert

Verfasst: Do Mai 28, 2026 8:00 am
von MiraculX
Die ersten vier Töne hier? https://www.youtube.com/watch?v=Pd_Kti6jvy8
g-d-c-a

Re: Köln Concert

Verfasst: Do Mai 28, 2026 1:14 pm
von schinkenkarl
Genau,das passt.
Hast du rausgehört?
Danke dafür.

Re: Köln Concert

Verfasst: Do Mai 28, 2026 1:36 pm
von MiraculX

Re: Köln Concert

Verfasst: Do Mai 28, 2026 4:22 pm
von saitentsauber
Die Vorgeschichte von Konzert und Aufnahme ist gerade dann nett zu lesen, wenn bekannt ist, welchen Erfolg CD usw hatten. Heute ist kaum vorstellbar, dass sowas woanders als mit einem sorgfältig und lang vorbereiteten Topinstrument an einem sorgfältig und lang vorbereiteten Ort aufgenommen wird.

Leider - das will ich nicht verschweigen - gibt es von dieser Vorgeschichte mehrere nicht ganz identische Versionen...

Re: Köln Concert

Verfasst: Do Mai 28, 2026 6:35 pm
von Gitarrenspieler
So kenne ich das.
Jarrett kam unausgeschlafen, mit Rückenschmerzen und nach einer langen Autofahrt aus der Schweiz in Köln an. Es war kalt, die HZ im Auto war kaputt. Essen bekam er kaum, und das Konzert begann erst spät am Abend.
Statt des bestellten großen Konzertflügels (eines Bösendorfer Imperial) stand nur ein kleiner, abgenutzter Probenflügel (baby grand / Stutzflügel) bereit. Die hohen Töne klangen schrill, der Bass schwach, manche Tasten hakten, und das Pedal funktionierte schlecht. Jarrett wollte zunächst absagen. Die damals erst 18-jährige Konzertveranstalterin Vera Brandes überredete ihn jedoch zu spielen.
Die ersten vier gespielten Töne von Jarrett am Beginn von Part I werden oft als G – D – C – G beschrieben.
Die Defekte des Flügels prägten das Konzert direkt: Jarrett vermied warscheinlich die problematischen hohen Töne, spielte viel im mittleren Register, nutzte wiederholende rhythmische Muster und betonte den Rhythmus stärker, um die Schwächen des Instruments auszugleichen. Genau daraus entstand wahrscheinlich dieser hypnotische, besondere Klang des Konzerts.
Später soll sich herausgestellt haben, dass der „Bösendorfer Imperial“ gestimmt vorhanden war man hatte nur nicht im richtigen Raum danach gesucht.
Bekomme immer wieder eine Gänsehaut wenn ich mir die CDs anhöre.