Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Tonabnehmer, Vorverstärker, Setup, Saitenverschleiß oder sonstwelche technischen Aspekte der Gitarristerei....

Moderator: RB

Umfrage über Plektrum-Nutzung

Wegen
3
7%
BlueChip
7
16%
andere Handgeraspelte
2
5%
von der Stange
31
72%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 43
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RB
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Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von RB »

Von wegen Wegen oder Blue Chip.

Es gibt ja Leute, die kaufen ein Plektrum für 35 Euro und es geht den Gang aller Plektren: Es verschwindet auf einem Fußboden in einer Kneipe, es ist braun und daher schlecht zu sehen und der Staubsauger des folgenden Tages macht nur kurz "flup" und weg ist es. Das alleine war mir Grund genug, von solche Aquisiotionen Abstand zu nehmen. Lieber nehme ich eine Handvoll Dunlop Delrin 1.14 bis 1.5 mm und streue eine Handvoll (wie ein Sähmann) über dem Gitarrenkoffer aus.

Hat sich geändert, muß ich sagen. Wir waren in Lindelbrunn mit einer sehr netten und technisch bewanderten Dame zum Mittagessen, im Gespräch stellt sich heraus, daß sie sich mit dem Thema sehr gut auszukennen scheint. Sie macht Plektren und erschien dann nach dem Essen mit einigen Leder-Beuteln, in denen Schildplatt-Plektren unterschiedlicher Stärken und Formen lagen. Die sollten 30,- europäische Dollar das Stück kosten und das erschien mir, wie üblich, viel zu hoch. Die Stücke sahen wie Bernstein aus, besonders ein Dickes "für Jazzer", wie sie sagte. "Probert sie halt mal aus". Ich probierte und fand sowohl beim Hybridpicken, als auch beim reinen Plektrum-Spiel den Klang kräftiger und lauter, vor allem aber schienen die Plektren leichter über die Saiten zu rutschen.

Nun, sie hatte auch welche aus Zelluloid, krakeelbunt eingefärbt, aber angeblich wirklich Zelluloid. Zur Materialprüfung müßte ich eines anzünden, aber lieber behalte ich es. Die sollten 8,- kosten und ich nahm 2 Stück, 1,5 oder 2 mm nach erheblichem Probespielen. Zum Schildplatt (wo bekommt man eigentlich so etwas, es gibt doch Artenschutz ?) habe ich keinen großen Unterschied bemerkt. Am Abend dann die Erkenntnis: Flutscht besser durch die Saiten, gibt besseren Ton.

Das hätte ich früher nicht gedacht. Wenn man bedenkt, ein Beutel voll Schildplatt-Pletren, € 30,- each: So ein Beutel ist ja fast wie ein Beutel Goldnuggets zu handhaben. Es scheint, als sei ich von der Unsinn- auf die Sinn-Seite gewechselt.

Ich wollte dazu einmal eine kleine Verteilungsumfrage machen.
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jay-cy
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von jay-cy »

Hey, von den Dingern hab ich auch welche, nennt sich Clownsbarf, die "Farbe".
Ansonsten d'accord, das Plek macht einen nicht unwesentlichen Anteil vom Ton.
Mittlerweile häng ich an meinen Bluechips, nicht nur des Preises wegen.
Turtle hab ich auch drei; ab und an gibt's die auch legal.
Wenn jemand unter der Theke allerdings gleich ne ganze Tüte vorholt, wäre ich in Sachen Legalität eher skeptisch...
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RB
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von RB »

Sie hatte eine Platte Rohmaterial zum Zeigen mit. Sah aus, wie vielleicht 20 x 30 cm etwa.
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Holger Hendel
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von Holger Hendel »

Gewiss macht die Materialbeschaffenheit einen Teil des Tons aus. Doch bzgl. Griffigkeit kann mich das alles nicht überzeugen - und da ich Nur-Plekspieler bin muss das Ding für mich quasi eins werden mit der Hand. ;) All die Jahre lasse ich mir welche von Geipel bedrucken, kommt mitunter lustiger als eine Papp-Visitenkarte. Spuilen tu ich nur noch Dunlop Maxx-Gripp, wg. der Rutschigkeit und so. Aber wer weiß, was noch so passiert im Leben, bzgl. Gitarren habe ich den Pfad der Tugend ja auch noch gefunden... :wink:
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Kingfrog
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von Kingfrog »

An der Umfrage konnte ich leider nicht teilnehmen, da es eine passende Option für mich dort nicht gibt.

Vom unterschiedlichen Klang verschiedener Plektrensorten muss man wohl niemanden überzeugen, oder?

Da es Materialien gibt, die von der Stange kaum erhältlich sind, darf man wohl bei dem einen oder anderen hangemachten Plek
zuschlagen, allerdings gibt es bei mir eine persönliche Obergrenze - mein teuerstes Plek war eins aus Holz mit einer Rinne für
den Zeigefinger, das ich aber eher aus "Trainingsgründen" gekauft habe, vor 10 Jahren schon für 26 Euro - ich habe es übrigens immer noch!
RB hat geschrieben:VNun, sie hatte auch welche aus Zelluloid, krakeelbunt eingefärbt, aber angeblich wirklich Zelluloid. Zur Materialprüfung müßte ich eines anzünden, aber lieber behalte ich es. Die sollten 8,- kosten und ich nahm 2 Stück, 1,5 oder 2 mm nach erheblichem Probespielen.
Zelluloidplektren sind meine Geheimwaffe, wenn es um einen zarten und ausgewogenen Strummingsound geht.
Ich habe, ebenfalls vor 10 Jahren, ein Tütchen dieser Pleks bei ToneToys gekauft, "D'Andrea D'Lux Celluloid 0.46mm"
und diesen Klang erreiche ich mit keinem anderen Plektrum.

Leider gibt es ToneToys nicht mehr, der Inhaber des Shops ist wohl gestorben - dort gab es tolle und ausgefallene Dinge.

Grüße, Nik
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JazzDude
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von JazzDude »

Was, tone toys gibt's nicht mehr?
:(
Da hab ich immer mal wieder Pleks gekauft. Sehr schade!
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RB
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von RB »

Ich glaube, dass die Schrägen, oder die Phasen sind mit ausschlaggebend für die Gängigkeit.
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RolfD
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von RolfD »

Uiiiihh, das ist aber jetz blöd.......
´79 brachte ich mir die ersten Moshay Picks aus LA mit nach Germany, dann irgendwann gab es die bei Tone Toys... und jetzt nicht mehr.... Puuhh... wo krieg ich die jetzt her???
Zum Thema: 2 Typen spiele ich gerne, einerseits die roten (selten) und weißen Sharkfins, ähnliche in Rot (tropfenförmig, waren auch von Tone Toys) und dann eben die Moshays (Nylon mit dem Loch).
Alles keine so edlen und teuren Dinger wie von RB beschrieben, aber ich hab mich halt dran gewöhnt. Die Moshays kosteten so um die 2-3 Euro, das war schon teuer für Plektren...) Also, wer welche NICHT mehr benötigt, ich nehm die mittleren (oder auch die mal die großen) mit dem blauen Aufdruck..... falls die jemand irgendwo liegen hat
Zum Picken nehme ich Fred Kellys Freedom (die in weiß) für die Fingerkuppen und Alaska für den Daumen).
Zuletzt geändert von RolfD am Sa Okt 01, 2016 9:18 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Kingfrog
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von Kingfrog »

RolfD hat geschrieben:Zum Thema: 2 Typen spiele ich gerne, einerseits die roten (selten) und weißen Sharkfins...
Die Zeit der Sharkfins waren die 80-er, da waren sie total angesagt.
Die gabs in gelb, rot, weiß, blau und schwarz - schwarz waren die richtig Fetten ;-)
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JazzDude
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von JazzDude »

Ich habe ein BlueChip und sonst spiele ich seit Jahren diese runden Kashos in Extra heavy. Wo kriege ich die jetzt her, wo es ToneToys nicht mehr gibt?
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RolfD
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von RolfD »

sooo, hab sie in Fronkreisch gefunden (falls jemand probieren möchte...., also, jetzt die Moshays, Kashos hab ich leider keine gefunden)
http://www.exquisite.fr/index.php?id_ca ... &id_lang=1" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;
nur: die Versandkosten sind echt unverschämt, 12 Euro.......
Gruß
Rolf
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jay-cy
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von jay-cy »

Hmm, wenn sie ne Platte 20x30 dabei hatte, kann es eigentlich kein echtes Schildpatt sein, sondern so was von Turtle Works oder so. Schildkröten wachsen eigentlich nicht flächig...
rwe
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von rwe »

Ich spiele derzeit zwar Pleks von der Stange, meist recht weiche Sharkfins oder dreieckige Heribas..., aber ich bin auch kein typischer Plektrum-Spieler und nutze es nur wenig, meist zum Akkordschrummen (wobei mir das Nebengeräusch der weichen Plektren als Effekt gut gefällt) oder auf den Mando-irgendwas. Dass es erhebliche Klangunterschiede geben kann, ist aber klar, man muss nur überlegen, welche "Nagelbearbeitung" gerade bei der klassischen Gitarre üblich ist (Form, Länge, Polieren, ...). Da wird noch mal schnell zwischen Einspielen und erstem Stück nachpoliert etc.

Ob es wirklich gekaufte Customs sein müssen? Vermutlich kann man auch aus Massenware durch Bearbeitung noch einiges herausholen. Aber wenn man ein gutes bekommt, dann passt es halt.
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Gitarrenmacher
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von Gitarrenmacher »

jay-cy hat geschrieben: Turtle hab ich auch drei; ab und an gibt's die auch legal.
Wenn jemand unter der Theke allerdings gleich ne ganze Tüte vorholt, wäre ich in Sachen Legalität eher skeptisch...
Ich habe kürzlich eine Reportage über Meeresfauna -Suppenschildkröten uvm.- gesehen. Da wurden auch die "legalen" Ernährungsgewohnheiten viel zu reicher Asiaten thematisiert.
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-Benjamin Franklin- *1706 t 1790-
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RB
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Re: Teure handgemachte Plektren - Sinn und Unsinn

Beitrag von RB »

Kann auch 10 x 15 oder so gewesen sein. Das Material erinnerte poliert arg an Bernstein, mit dunklen Schlieren darin.
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