Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Tonabnehmer, Vorverstärker, Setup, Saitenverschleiß oder sonstwelche technischen Aspekte der Gitarristerei....

Moderator: RB

Antworten
J.A.P.
Beiträge: 74
Registriert: Mi Aug 09, 2006 2:13 pm

Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von J.A.P. »

Hallo zusammen,

im letzten Jahr habe ich den Roadie 3 bei Kickstarter unterstützt, mittlerweile ist er bei mir eingetroffen und im Einsatz.
Infos hier: https://www.roadiemusic.com/roadie3

Hier sind meine Erfahrungen:

Er stimmt schnell, hinreichend genau und zuverlässig Gitarren, Ukulelen, Waldzithern ... mehr habe ich nicht hier an Saiteninstrumenten.
Die Schwingungen am Stimmwirbel werden vom Gerät gemessen, es lässt sich also von Umgebungsgeräuschen nicht stören.
Das Display ist gut ablesbar, die Menüführung intuitiv. Man kann Profile für verschiedene Instrumente anlegen, die letzte verwendete Stimmung merkt sich das Gerät. Stimmungen sind viele bereits drauf, andere kann man per Handy-App nachlegen. Auch Fein-Intonationen können gespeichert werden.
Besonders gut finde ich, dass es ein haptisches Feedback gibt, wenn eine Saite gestimmt ist, und das Gerät wechselt automatisch zur nächsten Saite. So kann ich stimmen, ohne groß hinzusehen. Gut für die Bühne ... irgendwann wieder.
Der Motor ist im Vergleich zum Roadie 2, der in meiner Verwandtschaft im Einsatz ist, kräftiger und schneller.

Der Nachteil gegenüber den einschlägigen und berüchtigten Einbaumodellen ist, dass nicht alle Saiten gleichzeitig gestimmt werden. Ich habe aber ehrlich gesagt auch bei diesen Geräten immer noch einmal im Einzelmodus gestimmt, klingt dann im Ergebnis besser.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man das Ding verwindungssicher in die Faust schließen muss und nicht selber aus dem Handgelenk mitdrehen sollte. Gerade bei den letzten paar Cent kommt die Automatik sonst etwas ins Rödeln und der Stimmvorgang wird länger.

-
Unterm Strich finde ich das Ding gut und würde es wieder kaufen. Und ja, ich kann auch per Hand stimmen, Peterson, Stimmgabel und sogar einigermaßen nach Gehör, alles kein Problem. Ich mag es trotzdem, wenn mir ein bisschen Arbeit abgenommen wird.

Gruß

Thorsten
Benutzeravatar
RB
Beiträge: 17626
Registriert: Di Feb 08, 2005 11:18 pm
Wohnort: Wetzlar
Kontaktdaten:

Re: Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von RB »

Danke für den Test. Hast du die neueste Firmware drauf ?
Benutzeravatar
landmesser
Beiträge: 1603
Registriert: Di Okt 04, 2011 10:13 am
Wohnort: 27232 Sulingen
Kontaktdaten:

Re: Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von landmesser »

Moin,

Waldzither auch Fächermechanik oder nur die Thüringer?

Viele Grüße
landmesser
Der sich die rechte Socke nicht mehr mit der Zange anzieht
Benutzeravatar
bookwood
Beiträge: 2896
Registriert: Mo Okt 18, 2010 4:49 pm

Re: Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von bookwood »

Hm...interessant, aber wenn ich meine Hand nicht so ruhig wie ein Schraubstock halten kann, wird das Ding wegen der nachgebenden Bewegungen doch mit dem Fine-Tuning nie fertig. Oder stören die verbleibenden Ungenauigkeiten nicht?

PS: Hab gerade ein paar Videos dazu geschaut. Die leichte Zappelei in den Händen ist oft zu sehen und für meine Ohren hat sich keine der Klampfen damit nachher sauber gestimmt angehört. Beim Runterstimmen kann sich das Teil dem Zielton auch nicht von unten nach oben nähern, was der Genauigkeit grundsätzlich schadet.
Gruß
von
Ralf
Benutzeravatar
Holger Hendel
Beiträge: 10661
Registriert: Do Feb 17, 2005 7:18 am
Wohnort: Soltau, Niedersachsen
Kontaktdaten:

Re: Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von Holger Hendel »

Danke für den Erfahrungsbereicht @Thorsten
Hm...interessant, aber wenn ich meine Hand nicht so ruhig wie ein Schraubstock halten kann, wird das Ding wegen der nachgebenden Bewegungen doch mit dem Fine-Tuning nie fertig. Oder stören die verbleibenden Ungenauigkeiten nicht?
Das wäre auch mein Gedanke. Während das tronical nachweislich absolut akkurat (im genauesten Stimmmodus, der mehr Zeit und Akkuleistung beanspruchte als der normale Modus) arbeitete traue ich dem roadie irgendwie nicht. Das wäre so ein Teil, das würde ich mir auf Verdacht beim Thomann holen und exzessiv testen. Der Gedanke ist super, die abgenommene Arbeit, das ist genau mein deal. Ich werde wohl in den nächsten Monaten nicht darum herumkommen. 8)
Benutzeravatar
RB
Beiträge: 17626
Registriert: Di Feb 08, 2005 11:18 pm
Wohnort: Wetzlar
Kontaktdaten:

Re: Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von RB »

irgendwo habe ich gelesen, daß das Gerät mit der aktuellen Firmware nur noch von unten anstimmt. Im Falle einer zu hohen Saite würde das ein Unterstimmen und anschliessendes Hochziehen bedeuten. Das klingt vernünftig.
J.A.P.
Beiträge: 74
Registriert: Mi Aug 09, 2006 2:13 pm

Re: Automatisches Stimmgerät: Roadie 3 - Erfahrungsbericht

Beitrag von J.A.P. »

Korrekt, die neueste Firmware kann von unten ansteuern, was ich sehr begrüße. Das muss man im Menü aktivieren, ansonsten sucht das Gerät den kürzesten Weg zur richtigen Frequenz.

Mit dem Verdrehen war ich auch erst skeptisch. Wenn der Winkel ungünstig ist, gibt die Hand beim Anfahren des Motors ganz leicht nach. Besser kann ich das nicht beschreiben, hoffe, das ergibt Sinn für euch. Ich versuche dann, wenn ich höre, dass der Zielton in Reichweite ist, die Hand stabil zu halten - Schraubstock. Ist auch für uns Gitarristen kein Problem ... das Ding ist kein 18V-Akku-Schlagbohrschrauber.

Wenn das Gerät die korrekte Frequenz misst, steht der Motor und es vibriert kurz. Dann darf man natürlich beim Abziehen nicht noch wieder "verreißen", ist aber auch nicht wirklich schwierig. Ich finde das Handling wirklich gut.

Rein subjektiv nach Ohr stimmt das Gerät so korrekt wie das Tronical (jeweils auf höchster Stufe, klar), aber wenn ihr Interesse habt, werde ich nächste Woche mal eine Gitarre mit neuem Draht bewerfen und mit dem Peterson die Präzision des Roadie testen.

Zur Waldzither: keine Ahnung. Die gehört Vattern, der hat die vor Jahrzehnten mal aus einer Kneipe gerettet, wo die nächtens zum Tennisspiel unter Alkoholeinfluss missbraucht wurde. Seitdem gehört sie zur Familie und spielt - wenn ich dort bin - meist Keith-Richards-Riffs mit mir. Mehr weiß ich darüber nicht.

Gruß

T
Antworten