Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Moderatoren: jpick, RB, Gitarrenspieler

Benutzeravatar
berndwe
Beiträge: 8946
Registriert: So Feb 20, 2005 3:38 pm
Wohnort: Dresden

Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von berndwe »

Liebe Elektro-Fingerpicker,

vielleicht hat der Ein oder Andere von Euch hilfreiche Anmerkungen zu einer Entscheidung, die bei mir ansteht und die mir doch recht schwer fällt.

Nachdem ich nach meiner Rückkehr zur E-Gitarre vor ein paar Jahren zunächst nur Modeller genutzt habe, habe ich mir irgendwann einen Fender Hot Rod Deluxe IV zugelegt, den ich für meine Band nutze und mit dem ich außerordentlich zufrieden bin. Er klingt clean einfach genial und auch der Drive-Kanal klingt, wenn man ihn richtig einstellt, sehr gut (jedenfalls viel besser als viele im Internet behaupten). Der Verstärker steht im Proberaum der Band und wird dort für die Proben genutzt. Zu Anfang habe ich ihn auch zu Auftritten mitgenommen, später dann nicht mehr, aus Gründen, zu denen ich noch komme.

Nachdem es mir der Klang eines „echten“ Röhrenverstärkers doch sehr angetan hatte, wollte ich diesen Sound auch zuhause haben. Ich habe mir dann einen Blackstar TV-10B zugelegt, der mir nach einer längeren Recherche als sehr geeignet für meine Zwecke erschien. Er hat „nur“ 10 Watt, ein Mastervolumen und einen frequenzkorrigierten Kopfhörerausgang, über den man auch in die PA gehen kann. Der Amp ist nicht sehr schwer, klingt clean und angezerrt nach meinen Vorstellungen und hat sehr praktische Features. Allerdings ist er, wenn ich ihn ohne Kopfhörer spiele, in Hinblick auf die Lautstärke als Amp für zuhause deutlich überdimensioniert.

Ich habe ihn dann mal zu einem Bandauftritt mitgenommen, um festzustellen dass er für die bei uns übliche Bühnenlautstärke perfekt funktioniert. Er ist dann in seinem „Sweet Spot“. Er klingt clean und angezerrt hervorragend und muss nicht wie der Hot Rod extrem runtergeregelt werden. Außerdem ist er anders als der Hot Rod recht leicht. Der Hot Rod schiebt aus diesen Gründen seither Innendienst im Proberaum.

Aus praktischen Erwägungen will ich nur einen von beiden Verstärkern behalten. Es ist eine Platzfrage und im Grunde sind beide jeweils für die ursprünglich vorgesehene Anwendung überdimensioniert.
Für zuhause ist es völlig ausreichend über einen Modeller zu spielen und für die Band reicht ein Verstärker.

Wenn man nur mit den Maßstäben der Vernunft an die Sache herangeht, ist der Fall eigentlich klar: der Blackstar bleibt für die Band und der Hot Rod wird abgegeben.

Allerdings denke ich jedesmal wenn ich auf der Probe über den Hot Rod spiele „wie g**l ist das denn“. Das hört und fühlt sich so gut an, dass sich es für einen Irrsinn halte den Verstärker abzugeben. So neige ich eher dazu, die praktischen Erwägungen zu ignorieren, dem Verstärker sein hohes Gewicht nachzusehen und das Gejammer meiner Bandkollegen („Du bist viel zu laut“) hinzunehmen.

Wie würdet ihr euch entscheiden?

(„Behalte beide“ ist keine Option).
Benutzeravatar
Matze S.
Beiträge: 457
Registriert: Fr Jun 12, 2020 10:35 am
Wohnort: Hildesheim

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von Matze S. »

Bernd,

die Gitarre muss einfach „laut“ sein. Das singt schon Herbert Grönemeyer bei „sie mag Musik nur wenn sie laut ist“. Auch wenn es dabei um eine Bassgitarre geht.
Nimm das Ding, was dir am besten gefällt. 8)
Yamaha CG 130
Lakewood M-15
Nowo Mensur 10 C
Godin NCS
Hanika Natural 58 PF
MiraculX
Beiträge: 28
Registriert: So Apr 26, 2026 8:24 pm

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von MiraculX »

Ich würde die Röhrenamps beide behalten und den Modeller verkaufen, denn der scheint mir am ehesten entbehrlich zu sein. Zwei livetaugliche Amps (einer zum Benutzen, einer als Fallback) sind kein unverschämter Luxus.

Und wenn die Kollegen sagen "du bist viel zu laut", dann solltest du das nicht als "Gejammer" abtun. Unnötiger Krach ist nicht nur nervig, sondern auch ungesund.
Benutzeravatar
berndwe
Beiträge: 8946
Registriert: So Feb 20, 2005 3:38 pm
Wohnort: Dresden

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von berndwe »

MiraculX hat geschrieben:
Mo Jun 29, 2026 1:56 pm
Und wenn die Kollegen sagen "du bist viel zu laut", dann solltest du das nicht als "Gejammer" abtun.
Damit hast du wohl recht, wobei unsere Proben- und Bühnenlautstärke grundsätzlich sehr gemäßigt ist. Ich mag es auch nicht so laut, dass das in den Ohren kneift.

Mein Modeller sitzt derzeit überwiegend als Multieffekt konfiguriert in der Effektschleife. Er wäre mein Not-Verstärker im Falle dass der richtige Amp ausfallen würde.

@Matze: Das ist momentan die Tendenz (ich meine den Amp zu behalten, der mir am besten taugt, nicht so laut wie möglich zu spielen).
Benutzeravatar
L1
Beiträge: 1581
Registriert: Do Okt 17, 2019 8:33 pm

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von L1 »

berndwe hat geschrieben:
Mo Jun 29, 2026 2:58 pm
Das ist momentan die Tendenz (ich meine den Amp zu behalten, der mir am besten taugt, nicht so laut wie möglich zu spielen).
Das wäre mir auch das Wichtigste ... bleiben darf, welcher mir am besten gefällt, liegt, am besten zu mir und meiner Musik passt.
Habe ich vor einiger Zeit auch selbst so gemacht, als ich meinem Bestand an kleinen E-Gitarren Combos aus Vernunftgründen mal ausgedünnt habe (zumal sie bei mir ohnehin nicht so arg oft zum Einsatz kamen, ich bin nun mal in erster Linie "Akustiker" :wink: )
Evtl. abzugeben:
Kleine Steelstring (Einzelstück vom Gitarrenbauer)
1990er National Estralita Resonatorgitarre (das schöne alte schlichte Design)
Benutzeravatar
berndwe
Beiträge: 8946
Registriert: So Feb 20, 2005 3:38 pm
Wohnort: Dresden

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von berndwe »

MiraculX hat geschrieben:
Mo Jun 29, 2026 1:56 pm
Zwei livetaugliche Amps …….sind kein unverschämter Luxus.
Je mehr ich über diese Aussage nachdenken, umso mehr komme ich zur Überzeugung, dass das ein sehr vernünftiger Gedanke ist…

…der allerdings diesen Diskussionsfaden überflüssig machen würde. Lass uns trotzdem mal weiter diskutieren.
Benutzeravatar
Rumble
Beiträge: 3508
Registriert: Fr Jul 29, 2011 8:08 am
Wohnort: Wegberg

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von Rumble »

Hot Rod für den Spaß, weg mit Blackstar und dafür einen Amp1 mit dem kleinen Cab vom Herrn Blug. 😜

Das sollte den analogen Teil deiner Seele genauso befriedigen, wie deinen Rücken. :mrgreen: Live ggf. die BlugBox (IR Loader) dazu und das Cab als Monitor. Zu laut bist du dann bei Bedarf immer noch.😎

Ich mag ja die Hot Rod Dinger sehr, aber mir wäre das heute zu viel zu schleppen. ;-)

Spaß beiseite, am Ende wäre ich aber im Zweifel auch eher unvernünftig und würde auch einfach beide behalten.
Eine Gitarre zu haben ist besser als eine Gitarre zu brauchen.
tbrenner
Beiträge: 3899
Registriert: Mi Mai 02, 2007 12:26 pm
Wohnort: Mötzingen
Kontaktdaten:

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von tbrenner »

Ist denn der Blackstar mit 1o Watt bei Live-Auftritten wirklich auch im clean Modus laut genug? Wenn man Drums und einen E-Bass dabei hat, fand ich das immer elementar dass die Gitarre auch bei unverzerrten Sounds da stabil steht und nicht schon ins Zerren übergeht, wenn man das gerade nicht will. Da fand ich so 20-25 Watt schon immer einen sinnvollen Headroom. Verzerrt kannst Du natürlich auch mit 10 Watt mächtig viel Alarm machen.

Grüssle,

tbrenner 😉
Benutzeravatar
pfunk
Beiträge: 1844
Registriert: Mo Mär 27, 2006 8:53 am
Wohnort: Göttingen
Kontaktdaten:

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von pfunk »

Nachdem ich kurz recherchiert habe, wieviel Watt mein Alltags- und Gig-Amp (Fender 65er Princeton Reverb) hat (12, wusste ich bis jetzt nicht), finde ich die 40 vom Hot Rod (auch eben mal nachgeschaut) doch ziemlich üppig :guitar1:
Bei Live Gigs drehe ich den Princeton höchstens bis "3". Da klingt er sehr clean und sehr laut ...
Aber ehrlich: 1 Verstärker mehr oder weniger ist nicht unbedingt Luxus.
Benutzeravatar
Holger Hendel
Beiträge: 12906
Registriert: Do Feb 17, 2005 7:18 am
Wohnort: Soltau, Niedersachsen
Kontaktdaten:

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von Holger Hendel »

Der Trümmer wiegt ja knapp 19 Kg. Dafür könntest Du Dir ein gescheites case auf Rollen und strategisch raffiniert positionierten Griffen gönnen. Über Kanten dann mit zwei Mann und gut, oder?
www.holgerhendel.com | facebook | youtube | twitch | Heavy Silence - finest acoustic cover
Benutzeravatar
berndwe
Beiträge: 8946
Registriert: So Feb 20, 2005 3:38 pm
Wohnort: Dresden

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von berndwe »

Mit Case wird er ja noch schwerer. Die fast 20 kg gehen zum Heben auf die Bühne oder in den Kofferraum einigermaßen. Für längere Transportstrecken habe ich eine Sackkarre.

Die 40W sind schon sehr üppig. Der Verstärker ist im Vergleich zu anderen Amps von Fender halt relativ günstig zu haben und klingt für meinen Geschmack sehr gut. Viel Klang pro €.
Benutzeravatar
Holger Hendel
Beiträge: 12906
Registriert: Do Feb 17, 2005 7:18 am
Wohnort: Soltau, Niedersachsen
Kontaktdaten:

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von Holger Hendel »

Mit Case wird er ja noch schwerer.
Öhm, jo - aber er soll ja weitestgehend rollen. Heben dann zu zweit, easy. Sackkarre ist natürlich auch nice, würde bei meiner Kapelle regelmäßig vergessen werden. Genau wie´ne Leiter oder Antennen... :aua: :lol:
www.holgerhendel.com | facebook | youtube | twitch | Heavy Silence - finest acoustic cover
Benutzeravatar
berndwe
Beiträge: 8946
Registriert: So Feb 20, 2005 3:38 pm
Wohnort: Dresden

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von berndwe »

Die Sackkarre kommt ja ehrlich gesagt nicht zum Einsatz, weil ich das ganze letzte Jahr immer den kleineren Amp zu Auftritten mitgenommen habe.

@Rumble: Dazu neige ich gerade - den Hot Rod behalten und, solange die alten Knochen das mitmachen, ihn tragen wenn es raus geht. Er muss dann halt damit leben, so gut wie nie seine Kräfte wirklich zeigen zu können. Das Setup für zuhause (und als Backup für Auftritte) ist dann eine andere Frage. Diese Amps von Thomas Blug hatte ich noch nie auf dem Schirm. Muss ich mir mal ansehen.

@tbrenner: Meine Band spielt überwiegend Veranstaltungen, bei denen eine recht begrenzte Lautstärke auf der Bühne und im Saal angesagt ist. Die Leute kommen nicht da hin, um ein Rockkonzert zu verfolgen. Die begrüßen den Gastgeber mit „ach, es spielt auch eine Band auf deiner Feier, cool“.

Wir nutzen teils sogar ein Elektroschlagzeug, um moderate Lautstärke anbieten zu können. Auf diesen Lebensraum ist der Blackstar mit seinen 10 Watt im Grunde gut angepasst. Bei einer Firmenfeier am letzten Freitag stand Gain auf 11 Uhr (für „gesättigtes“ Clean mit Humbuckern) und Master gerade zwischen 10 und 11 und es war unserem Leadsänger schon wieder etwas zu laut. Der Amp schafft da auch clean mit Headroom und ist gut hörbar.

Ich hatte ja früher nie einen Röhrenverstärker und war dann sehr überrascht welche Lautstärke tatsächlich aus den Dingern rauskommt.

(Eine Anekdote: In meiner Band hat der Hot Rod den Ruf, sich zwischendurch selbständig lauter zu drehen).
Benutzeravatar
Holger Hendel
Beiträge: 12906
Registriert: Do Feb 17, 2005 7:18 am
Wohnort: Soltau, Niedersachsen
Kontaktdaten:

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von Holger Hendel »

(Eine Anekdote: In meiner Band hat der Hot Rod den Ruf, sich zwischendurch selbständig lauter zu drehen).
Das machen die manchmal. Völlig normal. Der amp hat halt irgendwo gehört, dass er eigentlich bis 11 gehen würde und das möchte er von Zeit zu Zeit einfach mal ausprobieren.
www.holgerhendel.com | facebook | youtube | twitch | Heavy Silence - finest acoustic cover
Benutzeravatar
Rumble
Beiträge: 3508
Registriert: Fr Jul 29, 2011 8:08 am
Wohnort: Wegberg

Re: Ein Verstärker von zweien darf bleiben, aber welcher?

Beitrag von Rumble »

Was mich seinerzeit wirklich recht nachdenklich gemacht hat:

Kleines lauschiges Open Air hier im Ort. Einige Bands an zwei Tagen.
Zwei Sounds fand ich besonders gut und auch jeweils sehr passend, was so die Musik betraf. Beides eher moderater Rock und Blues-Rock.

Einmal tatsächlich ein Hot-Rod, plus einem HX-Effects. Letzterer auch einfach vor dem Amp. Mikro davor fertig. Amp zum Transport im fetten Case auf Rollen. Klang wirklich gut.

Kandidat zwei: ToneX für (aktuell) 319,00 Euro. Passte in die Tasche vom Gigbag. :mrgreen:
Ok, noch eine DI Box. Ansonsten drei vier Sounds und fertig. War für mich der Sound des Tages. Da war ich schon beeindruckt, zumal mein Kemper bereits eine leichte Altersschwäche hatte. ;-)

Ich habe ja selbst auch noch eine Röhre und auch ein größeres Top mit recht großer 2x12 und früher ja auch noch das komplette Kemper Programm.
Die einkanalige Röhre bekomme ich mit 15 Watt auch nur schwer clean, wenn es denn lauter sein sollte. Da kann ich den Thomas gut verstehen.

Heute reicht mir aber nach wie vor auch meistens so ein ToneX. Könnte aber auch genauso gut irgendetwas Ähnliches sein.

Funktioniert, wenn man es denn möchte, übrigens auch gut mit allen üblichen Pedalen. Würde bei den Gigs, in der von dir beschrieben Größe mit Sicherheit auch gut passen. Das aktive Cab dazu und fertig. Letzteres hat dann ggf, auch nochmal XLR out, falls man doch noch in eine PA möchte. Funktioniert halt in jeder Lautstärke astrein.

Das Cab bekam ich kürzlich sogar noch in den Kofferraum von meiner kleinen roten Rennsemmel. Das Ding kennst du ja, Bernd. ;-)
Gitarre und ein kleiner Rucksack auf den Rücksitz,fertig. Ich hatte nur den ToneX und einen kleinen zusätzlichen Switch dabei.

Ein guter Freund und einige andere Bekannte von mir, spielen den Amp1 in unterschiedlichsten Bands, weil sie keine allzu große Lust auf digitales Gebastel haben. Den Amp1 sieht man ja auch recht oft bei vielen Profis, sofern sie nicht doch auch digital unterwegs sind.

Das Zeug klingt wirklich wie ein fetter Röhren-Amp und dazu auch noch richtig gut.
Wenn du mal irgendwie die Gelegenheit hast, dann hör dir das echt mal an. Clean eher ein bisschen "fendrig", ansonsten eher JTM/Plexi.

Als sehr leichtes Röhrentop ist auch der Blackstar St. James in seinen zwei Varianten ein interessantes Ding, wie ich finde.
Genau so, wie der Engle Steve Morse, sofern man den Sound mag. Oder auch die kleinen REVV D20. Könnte vielleicht auch gut zu deinem Geschmack passen.

Schon irre, was heut so alles verfügbar ist.

@Thomas
Hast du den Effekt-Loop am Brunetti eigentlich aktiviert? Ich habe den nach Jahren wohl zum ersten Mal mal komplett ausgeschaltet und war überrascht.

Irgendwie gefällt der mir so nochmal deutlich besser. Schwer zu beschreiben. Delay und Reverb (als Pedal), habe ich jetzt wie früher einfach vor der Kiste. Da brauche ich ja eh´nicht viel. Klang alles noch nie so gut wie heute. ;-)
Eine Gitarre zu haben ist besser als eine Gitarre zu brauchen.
Antworten