Frage zum Fingersatz

Alles über die klassischen Spielweisen

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Andreas Fischer
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Andreas Fischer »

Mich überfordern zur Zeit die Diskussionen und Nebendiskussionen ein wenig ;-)
Seid mir daher bitte nicht böse wenn ich zwar noch weiter reinschaue aber erst einmal nicht weiter reagiere.
Ich werde mich mehr dem üben widmen ;-) Tipps habe ich ja nun reichlich, danke!
Andreas Fischer
Versucht seit 2012 nach 30 Jahren zum 2. Mal Gitarre zu lernen
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Ulrich Peperle
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Ulrich Peperle »

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tele
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

@Ulrich: Danke für die Auskunft. Dann wäre meine Anschlussfrage: Wo ist denn zum ersten Mal ein konsequenter Wechselschlag dokumentiert?

Andreas
Vielleicht ist da ja was dabei.
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i und m lernen das Gehen trotz des unguenstigen Saitenwechsels aufwaerts
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Harald H. Morton
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Harald H. Morton »

@ Peperle

... ein sehr interessanter und hilfreicher Hinweis. Bestätigt doch meine Einstellung zum Wechselschlag: Grundsätzlich nutzen - aber je nach Spielsituation auch Abweichungen und Freiheiten zulassen.

Schönen Rosenmontag noch.

Harald H. Morton
Ulrich Peperle
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Ulrich Peperle »

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tele
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

Damas bezeichnet den angelegten Anschlag (mit akzentuierten, aber nicht verkürzenTondauern) als "staccato", den Anschlag mit verkürzten Notenwerten (staccato im eigentlichen Sinn) als "picado" - was der Ausführung des heutigen Flamenco-picados enspricht.
Das ist ähnlich wie bei der klasssischen Mandolinentechnik, wo nicht tremolierte Töne als "Staccato" bezeichnet werden, auch wenn sie nicht verkürzt sind.

@Andreas: Hier noch mal zusammengefasst mein Vorschlag, wie du dich schrittweise vom Arpeggiospiel mit fester Finger-Saitenkombination lösen könntest:
(Leider weiß ich nicht, wie man hier Tabulaturen schreibt, also die Buchstaben in Klammern sind Leersaiten)

1) p(A)-i(g)-m(h)-i(g)
2)p(A)-i(g)-m(h)-i(h)
3)p(A)-i(g)-m(g)-i(g)
4)p(A)-m(h)-i(h)-m(h)

5)p(A)-a(e)-m-(h)-i(g)
6)p(A)-a(e)-m(h)-i(h)
7)p(A)-a(e)-m(e)-i(e) Tremolobewegung

8)p(A)-i(g)-m(h)-a(e)
9)p(A)-i(h)-m(h)-a(e)
10)p(A)-i(h)-m(h)-a(h) umgekehrtes Tremolo

Ich habe als Bassaite die A-Saite ausgesucht, weil mir ein mittlerer Abstand am angenehmsten ist, aber wenn dir der entstehende A-11 Akkord zu jazzig ist, und du einen traditionellen e-moll bevorzugst, kannst du natürlich auch die tiefe E-Saite anschlagen.
Ich würde nicht alle Schritte direkt hintereinander gehen, sondern jeden so lange wiederholen, bis er automatisiert ist, und das Unterbewusstsein ihn abgespeichert hat, bis du also nicht mehr darüber nachdenken musst, welcher Finger denn jetzt an der Reihe ist.
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tele
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

Dass die Fingersätze von Jerry Willard nur eine Möglichkeit von vielen ist, beweist auch der Anschauungsunterricht bei Youtube:

Giorgos Gianopolous setzt den Daumen erst am Ende ein, wenn die Etüde zweistimmig wird. Er spielt sie im angelegten Fingeranschlag, wodurch Akkorde meistens als Aufeinanderfolge von Einzeltönen, selten aber als Zusammenklänge in Erscheinung treten. Dadurch erhält die Etüde einen eher melodischen Charakter.

Freier Anschlag unter Verwendung von p,i,m und a

Rob MacKillop, der sich ja in seiner Technik auf Sor bezieht, spielt die Etüde mit freiem Anschlag von p, i und m, wobei er Achtelpassagen imWechselschlag p-i spielt. ( ab 0.58)
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Harald H. Morton
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Harald H. Morton »

Guten Morgen tele,

bei dem Video von Rob Mackillop meine ich zu sehen, dass er nicht konsequent den Wechselschlag durchzieht. Sehe ich das richtig?


Schönes Wochenende

Harald
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tele
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

Ist mir auch aufgefallen, bei 1:04 spielt er 2 Töne nacheinander auf der hohen e-Saite beide Male mit dem Mittelfinger. Bei Viertelnoten gibt es eigentlich auch keinen Grund, warum man das nicht so machen sollte, außer man spielt eine Übung um den konsequenten Wechselschlag zu lernen. Aber musikalisch spricht da überhaupt nichts dagegen, das in einem Stück so zu machen wie Rob MacKillop.
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Ulrich Peperle
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Ulrich Peperle »

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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

Die Etüde ist durchgehend zweistimmig, auch wenn die Stimmen nur am Ende simultan gesetzt sind. Bei Gianopoulos wird durch den Fingersatz alles zu einem indifferenten Klangmatsch nivelliert.
Dass die Etüde zweistimmig ist, das ist zumindest anhand dieses Notenbildes reine Interpretationssache:
Bild
Einen "Klangmatsch" stelle ich mir auch anders vor, als das, was Gianopolous spielt. Er interpretiert die Etüde eher so, wie z.B. ein Cellist das tun würde.
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Ulrich Peperle »

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Harald H. Morton
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von Harald H. Morton »

@Ulrich Peperle

Habe eine Verständnisfrage: Der Begriff "Zuordnungsfingersatz" ist mir nicht geläufig. Ist darunter zu verstehen, dass Zeigefinger für die G-Saite, Mittelfinger für die H-Saite und Ringfinger für die e-Saite genutzt wird?

Danke für eine Info.

Beste Grüße

Harald H. Morton
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tele
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

Und eine möglichst adäquate, d.h. sinnerfassende und sinnstiftende "Interpretation" von Notentexten - im konkreten Fall das Erkennen einer latenten Mehrstimmigkeit - ist gemeinhin Aufgabe eines "Interpreten". Dass unterscheidet ihn vom reinen "Notenabspieler".
Ich würde die Takte 1,3,5 u.s.w auch eher als zerlegte Dreiklänge sehen und entsprechend spielen, die Version von MacKillop gefällt mir auch besser als die von Gianopoulos; und erst seine romantische Gitarre, da bekomme ich doch glatt RGAS... :wink:
Da "die Etüden 1 bis 6 vom Komponisten aber primär zum Kennenlernen des Tonmaterials der I.Lage vorgesehen sind", sehe ich keinen Grund, warum ein Interpret diese Töne nicht auf eine ihm plausible Art und Weise darstellen sollte.
Wenn man Sors ausdrückliche Anweisungen bezüglich des Liegenlassens der Greiffinger in den ersten sechs Etüden aus Op 60 folgt, ergibt sich auch ohne satztechnische Kenntnisse bereits zwangsläufig ein mehrstimmiger Klangeindruck,
Bei Gianopoulos wird durch den Fingersatz alles zu einem indifferenten Klangmatsch nivelliert.
Möglicherweise liegen die Anweisungen Sors nicht in griechischer Übersetzung vor, oder Gianopoulos wollte sich der Etüde frei von Kenntnissen über die gitarrentechnischen Intentionen des zufälligerweise Gitarre spielenden Komponisten nähern, nach dem Motto:"Hmm...let's see what I can do with this piece of sheet music played on my seven-string guitar?"
Das Video ist auch kein Tutorial mit dem Thema:"Play Sor the way Sor would have done" sondern einfach Gianopoulos' persönliche Interpretation.

Mit der Diskussion darüber, in wie weit ein Interpret dazu verpflichtet ist, sich über den Notentext hinaus über die Intentionen des Komponisten zu informieren, nähern wir uns bedenklich den trüben Fahrwassern der HIP ( historically informed performance), daher halte ich es nicht für sonderlich zielführend, das Thema noch weiter zu vertiefen.

Ich wollte durch die Videobeispiele lediglich demonstrieren, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, sich der Etüde zu nähern, nicht aber zur Kollegenschelte motivieren.
Zuletzt geändert von tele am Mo Mär 07, 2016 9:25 am, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Frage zum Fingersatz

Beitrag von tele »

@Harald: Mir war der Begriff "Zuordnungsfingersatz" auch nicht bekannt, habe ihn mal gegoogelt und nur diesen sehr amüsanten Faden gefunden. Scheint also kein geläufiger Terminus-technicus zu sein.
In jener Diskussion ging es wohl eher um eine feste Finger-Bund-Zuordnung der linken Hand, aber im Zusammenhang mit der Sor Etüde ist damit wohl eine feste Finger-Saiten-Zuordnung rechts, ähnlich wie bei einfachen Akkordzerlegungen, gemeint.
Macht ja irgendwie schon Sinn, bei Viertelnoten kann problemlos zwei mal der gleiche Finger nacheinander zupfen, bei Achteln greift der Daumen ein. :wink:
Hör dir mal ein paar Stücke für Cello solo an, dann merkst du schnell, dass dein Vergleich in jeder Hinsicht unzutreffend ist.
Ich wollte damit Gianopulos' Version auch nicht auf eine Stufe stellen mit dem, was etwa ein Rostropovic aus den Noten machen würde, sondern ausdrücken, dass Gianopoulos' Interpretation eher dem gleicht, was auf einem Instrument mit beschränkteren Möglichkeiten zur Darstellung von Harmonien machbar ist, wie z.B auf einerm in Quinten gestimmten 4-saitigen Tenor Banjo
Zuletzt geändert von tele am Sa Mär 19, 2016 8:58 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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