Gitarre aufwecken?

Alles über akustische Gitarren für Stahlsaiten

Moderator: RB

Martini
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von Martini »

Hi,
ich habe mich früher längere Zeit mit fernöstlicher Philosophie und verschiedenen, daraus abgeleiteten Verfahren beschäftigt. Dreh-und Angelpunkt ist "Chi" (Ki), die universelle Lebensenergie, die jedes lebendige Wesen in sich trägt.

Sitzt man mit der Gitarre auf dem Schoß längere Zeit da, befindet sich das Instrument innerhalb der eigenen energetischen Aura und absorbiert Chi. Spielt man sie dabei (normalerweise üblich), kommt durch die Hände noch mehr Chi dazu. Dadurch öffnet es sich klanglich. Lässt man es längere Zeit ungespielt im Koffer oder auf dem Ständer, verliert sich dieser "klang-öffnende" Effekt langsam wieder durch Chi-Mangel.

Man kann ein bischen Reiki (Methode der Weitergabe des Chi mittels der Hände) mit der Gitarre machen, bevor man zu spielen beginnt: Beide Hände (Finger dicht zusammen) 10 Sekunden mit den Handflächen aneinanderreiben. Dann Gitarre flach mit Decke nach oben auf den Schoß nehmen und beide Hände irgendwo auf die Decke legen (wo es passt). 5 Minuten so bleiben. Danach klingt die Gitarre vom Start weg wesentlich besser, als wenn man diese Prozedur nicht gemacht hätte.

Man kann es ja leicht mal ausprobieren. Bei mir funktioniert es gut.
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RB
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von RB »

Ich habe einen wasserdichten Gitarrenkoffer. Wenn ich die Gitarre dort hineinlege und den Deckel zuklappe, wird das chi mit eingeschlossen.
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bookwood
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von bookwood »

...und ersäuft. :mrgreen:
Gruß
von
Ralf
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Pappenheim
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von Pappenheim »

:rotfl:
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RB
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von RB »

Aber ernsthaft, ich bin überzeugt, dass es den Effekt gibt. Eines meiner Instrumente verhält sich, wie beschrieben. Nach langer Pause braucht es etwa 20 Minuten, in denen das Potential sich entfaltet.
Bernd C. Hoffmann
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von Bernd C. Hoffmann »

Die durchschnittlichen 20 Minuten kenne ich auch von Konzert- und Flamencogitarren. Eine wurde ca. 3,5 Jahre nicht gespielt. Bei der hatte es ca. 1 Woche gedauert. Für mich zählt dabei grundsätzlich das, was ich höre auf der Grundlage, wie ich spiele. Der esoterische Ansatz hingegen wirkt auf mich sehr befremdlich und hat für mich nichts mit der Realität zu tun. Nach meiner Erfahrung bilden Anhänger nicht nativer östlicher Philosophien und Religionen oft gegebene Zusammenhänge auf alles Mögliche ab und bedienen sich dabei detaillierten Erklärungen diverser Energieformen bis hin zur verbalen Sichtbarmachung der Aura als Darstellung des Seelenzustands der Gitarre bzw. des betreffenden Gegenstandes. Sorry, aber da gehe ich nicht mit.

Man weiß nicht erst seit gestern, dass eine Gitarre anders klingt, wenn man sie anders hält. Bei Konzert- und Flamencogitarren wird dies sofort deutlich, indem man von der klassischen Haltung (auf dem linken Bein erhöht) zur gängigen Flamencohaltung wechselt (auf dem rechten, übergeschlagenen Bein). Auch hört man die Gitarre während des Selberspielens immer von hinten und oben. Hieraus hat sich mit der Zeit eine konkrete Hörgewohnheit herausgebildet, mit der man die Gitarre bewertet. Aus dieser akustischen Perspektive heraus geht es (mir) nur noch darum, ob mir der Klang in meiner üblichen Spielhaltung gefällt oder eben nicht.

Einspielphasen von 20 Minuten lassen sich auch bei noch ungespielten Gitarren im Ladengeschäft direkt nachvollziehen, weil man während dessen die Tendenz der Entwicklung sofort mitbekommt. Was die Arbeit zuhause anbelangt, gilt für mich der Grundsatz, "Wie man es in den Wald ruft, so schallt es hinaus." Mit der Kenntnis und den technischen Fähigkeiten nehme ich Einfluss auf den Einspielvorgang der Gitarre - wenn sie neu ist. Bei einer gebrauchten, die längere Zeit nicht gespielt wurde, reaktiviert man die Gitarre, indem sie aus der Ruhepause heraus holt und wieder in regelmäßiges Schwingen versetzt. Eingespielt war sie schon vorher, und nur auf diese früheren Eigenschaften kann man sie hinbringen. Ein neues Einspielen mit anderen gewünschten Eigenschaften ist nach meiner Erfahrung meist nicht möglich. Das war jetzt auch recht detailliert, nur eben als pragmatischer Ansatz, wie es bei mir in der Praxis stattfindet (bzw. stattgefunden hat, wegen fokaler Dystonie).
Liebe Grüße
Bernd
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Rumble
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von Rumble »

Wenn die Gitarre einfach nicht aufwachen will, dann bleibt wahrscheinlich nur noch schönsaufen.

Wobei mir auch schon mal jemand versichert hat, das er es spürt wenn die richtige Gitarre seine Aura durchdringt und eins mit ihm wird.
Leute, was ist nur aus dem Rock n´Roll geworden? ;-)
Eine Gitarre zu haben ist besser als eine Gitarre zu brauchen.
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RB
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von RB »

@Bernd: Das kann ich sofort zu 100 Prozent untertreichen, von den instrumentenmäßigen und spieltechnischen Spezifika (Klassisch, Flamenco, Torres-Gitarrenfamilie) abgesehen, denn dort kenimi nit aus.

@Rumble: Das Schönsaufen bringt den Nachteil der umgekehrten Proportionalität mit sich. Je schöner der Säufer den Klang findet, desto gruseliger ist er nicht selten für alle anderen.
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berndwe
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von berndwe »

Was mich betrifft wird es langsam Zeit den Gitarristen wieder aufzuwecken. Sollte das gelingen, kann ich mich anschließend um die Gitarren kümmern.

(Ich befinde mich in der längsten und tiefsten Bocklosphase meines Gitarristenlebens, und das dauert schon etliche Jahre.)
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RB
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von RB »

Das geht nach meiner Erfahrung vorbei. Dann fällt man hin und bricht sich einen Finger.
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berndwe
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von berndwe »

Ich werde versuchen das ohne Sturz und Knochenbruch hinzubekommen.
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troubadix
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von troubadix »

Ich würde gerne die Gitarre und den Gitarristen aufwecken. Die Gitarre schmollt wegen Geringbeachtung und der Gitarrist leidet und akuter Antriebslosigkeit. Möglicherweise haben wir ein Virus. :aua: Es gitb aber auch kurze Phasen, in denen wir zueinander finden. :whistler:
Gruß, Troubadix
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berndwe
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von berndwe »

Vielleicht kein Virus, sondern eher ein gitarristischer Winterschlaf, dessen Tiefe bedingt durch COVID zugenommen hat.

Aber zum Thema - ich hab den Thread nicht ganz gelesen und vielleicht bringe ich jetzt etwas vor was bereits geschrieben wurde, bloß noch nicht von mir.

Ich halte es für wenig wahrscheinlich dass sich bei einer Gitarre viel tut wenn sie nach langer Pause wieder gespielt wird. Es tut sich in erster Linie was beim Spieler, glaube ich. Ich glaube daran, dass eine Gitarre um optimal zu klingen auch auf eine bestimmte Art und Weise „angefasst“ werden muss. Jede meiner Gitarren verlangt für den optimalen Ton eine bestimmte Anschlagweise und Anschlagstärke der rechten Hand und auch eine bestimmte Stärke der Griffe der linken Hand. Es geht hier nicht nur um die Stärke von Greifen und Anschlagen sondern im Grunde um alles was der Gitarrist irgendwie in sein Instrument „einleitet“. Was das angeht muss der Gitarrist sich auf seine Gitarre einspielen. Es erfolgt dann - unbewusst, vermute ich - ein spieltechnisches Feintuning was der Gitarre am Ende den guten Ton verleiht.

Wenn ich zum Beispiel durch häufiges Spielen auf meine Nylonstring „eingespielt“ bin und greife dann zur Steelstring, dann gefällt mir meistens nicht so sehr was ich höre. Es braucht dann wieder eine gewisse Zeit bis ich diese Gitarre wieder gut zum Klingen bringe.

Genauso ist das wohl wenn man eine Gitarre nach langer Zeit wieder spielt. Das unbewusste Feintuning, von dem ich oben geschrieben habe, beginnt dann wieder von vorne.

Eine Spekulation, diese Theorie, gebe ich zu. Wenn sie zutrifft, dann geht es tatsächlich um das Aufwecken von Gitarristen, nicht von Gitarren.
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troubadix
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von troubadix »

Das kann durchaus so sein. Ich denke aber auch, dass ein Klangholz, wenn es nicht zum Klingen gebracht wird, eben schlechter klingt. Das führt ja auch dazu, dass Instrumente nach längerer Lagerung nicht mehr so schön klingen. Was du zum Wechsel zwischen Nylon und Stahl schreibst, geht mir auch so. Wenn ich länger Nylon gespielt habe und dann zu Stahl greife, gefällt mir der Klang nicht und nach einer Weile geht es. Sicher hat das auch etwas mit der verwendeten Technik ( Anschlag usw. ) zu tun und - denke ich - nicht zuletzt auch mit den eigenen Hörgewohnheiten. Wahrscheinlich spielen alle Faktoren hier ein Rolle.
Gruß, Troubadix
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YNWA
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Re: Gitarre aufwecken?

Beitrag von YNWA »

berndwe hat geschrieben:
Di Feb 23, 2021 8:25 am
Ich halte es für wenig wahrscheinlich dass sich bei einer Gitarre viel tut wenn sie nach langer Pause wieder gespielt wird. Es tut sich in erster Linie was beim Spieler, glaube ich. Ich glaube daran, dass eine Gitarre um optimal zu klingen auch auf eine bestimmte Art und Weise „angefasst“ werden muss. Jede meiner Gitarren verlangt für den optimalen Ton eine bestimmte Anschlagweise und Anschlagstärke der rechten Hand und auch eine bestimmte Stärke der Griffe der linken Hand. Es geht hier nicht nur um die Stärke von Greifen und Anschlagen sondern im Grunde um alles was der Gitarrist irgendwie in sein Instrument „einleitet“. Was das angeht muss der Gitarrist sich auf seine Gitarre einspielen. Es erfolgt dann - unbewusst, vermute ich - ein spieltechnisches Feintuning was der Gitarre am Ende den guten Ton verleiht.
Exakt so ist es 8)
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